Wie sich das mit der Schuld, der Buße und der Vergebung verhält

Ich habe einmal so eine Art Comic erstellt, um meinen Grundschülern zu verdeutlichen, warum man sich seine Untaten mit einem „Sorry“ oder „Entschuldigung“ nicht selber vergeben kann.

Da sich dieser Comic recht nützlich erwiesen hat, folgt hier nun die H5P-Version.

Die Idee ist, dass man die einzelnen Aspekte mit seiner Lerngruppe Schritt für Schritt bespricht.

„Oh Yeshwa!“ als interaktive H5P-Story umgesetzt!

Oh Yeshwa!“ ist ein interaktiver Online-Comic, der ein biblisches Thema sehr unorthodox anpackt, und den ich im Jahr 2015 mit Bitstrips und dem InkleWriter realisiert hatte. Beide Werkzeuge werden heute (2020) nicht mehr unterstützt.

Dafür gibt es jetzt bei H5P eine Möglichkeit, nichtlineare Geschichten zu erzählen, und voilà, klicke unten auf das Bild und erfahre einige Dinge über Jo und Ma und das Judentum, und was so daraus so werden kann.

Der Arbeitsbrowser – das Recherche-Tool: Vivaldi

Normalerweise mache ich ja keine Werbung für Sachen, aber hier ist in Skandinavien etwas entwickelt worden, dass einen genaueren Blick verdient.

Der Vivaldi-Browser ist einer der wenigen schnellen, europäischen Browser mit besonderen Schutzfunktionen und insbesondere geeignet für erfahrenere Internetnutzer, die wirklich mit dem Browser arbeiten, recherchieren und kuratieren wollen.

Einige seiner Features sind:

  • Eingebauter Anti-Tracker-Schutz
  • Eingebauter Werbeblocker
  • Sehr fortgeschrittenes Tab-Management: ZB können mehrere Tabs gebündelt und gleichzeitig in einem Tab (kachelartig) dargestellt werden

  • Eine Seitenleiste, die individuell konfigurierbar ist: Während man einen Zeitungsartikel liest, kann man schnell auf der Seite bei Wikipedia nachschlagen oder sich Notizen machen …
  • Entwicklerwerkzeuge: Wie auch Firefox kann Vivaldi für eine angezeigte Seite den Quelltext und eine aufgegliederte Entwickleransicht einblenden, die zeigt, welches Element der Seite wie programmiert wurde.
  • Notizfunktion: Mit dem in der Seitenleiste enthaltenen Notizbuch kann man sich nebenher Notizen machen, die mit Markdownkommandos wie Wiki-Artikel formatierbar sind. In die Notizen lassen sich Anlagen und Screencaptures einfügen.
  • Vivaldi Sync: Da es Vivaldi für Windows-, Linux- und Androidsysteme gibt, kann man den Browser auf Desktop- und Mobilgeräten betreiben und via Sync je nach Wahl bestimmte oder alle Einstellungen, Lesezeichen und Notizen auf allen Geräten parallel verwenden.
    Die syncronisierten Daten werden End2End-verschlüsselt gespeichert. Dazu muss man sich registrieren und eine eigene Verschlüsselungs-Passphrase eingeben, die als Grundlage der Verschlüsselung dient. Vivaldi speichert diese Passphrase nicht und kann darum auch die auf dem Server in Island gespeicherten Synchronisationsdaten nicht von sich aus entschlüsseln.
  • Wie jeder andere Browser besitzt Vivaldi eine Lesezeichenverwaltung. Diese verwandelt sich im Zusammenhang mit der Sync- und der Notizfunktion in ein mächtiges, verschlüsseltes Kuratierungswerkzeug, das nichts kostet und für das man sich bei keinem großen Anbieter registrieren muss.

Link: https://vivaldi.com/de/download/

Digital Storytelling – Eine Einführung, Beispiele, Werkzeuge – von Olaf Richter

Auch jetzt in Zeiten der Corona gibt es einige wenige Bildungsangebote, die ungebremst weiterlaufen. Dazu gehört der religionspädagogische Onlinekurs Openreli.de. Dort stellte der Religionslehrer Olav Richter gestern vor, wie man offen und äußerst kreativ mit Schülern biblische Texte rezipieren, deuten und auf das eigene Leben beziehen lassen kann.
Und das Beste daran: Diese Methoden funktionieren  auch in einem internetgestützten Religionsunterricht für die „Schule daheim“.

Bei seiner Präsentation wurde eine ganze Schatzkiste an Materialien und Werkzeugen vorgestellt, die unten aufgeführt werden. Hier zunächst die Aufzeichnung des Vortrages:

Als Beispiel für ein hier verwendetes, sehr simples und gleichzeitig effektives Werkzeug  möchte ich den Chat-Simulator ChatSim 1.1 vorführen. (Bitte diesen nicht  verwechseln mit ChatSim – einer internationalen Simkarte, die Geld kostet und hier nicht hergehört!)

ChatSim 1.1 enthält ein recht simples JavaScript, mit dem in kurzer Zeit Chatverläufe im eigenen Editorfenster synthetisiert werden können. Wenn man die später abspielt, sieht es etwa so aus:

(Ich habe den abgespielten Chat nachträglich mit einem Screencaster aufgenommen, der nicht Bestandteil von ChatSim 1.1 ist)

Dies ist nur eines der Werkzeuge, die Olav Richter mit seinen Schülern verwendete.

Hier die vollständige Liste der von ihm aufgeführten Medien und Materialien:

Test des H5P Branching Scenarios

Ein neues Werkzeug im H5P Didaktik-Baukasten ist das Branching Scenario, welches ähnliche Fähigkeiten besitzt wie Oppia – aber mit dem Unterschied, dass das Material nicht irgendwo, sondern auf der eigenen Website gespeichert wird.

Im Branching Scenario können nichtlineare Geschichten / Abläufe / Rollenspiele entwickelt werden – wobei als Elemente Texte, Bilder, Videos, Quizze und Präsentationen zum Einsatz kommen können. Daraus ergibt sich ein kaum zu erschöpfendes, Repertoire für kreative Schülergruppen.

Viele Lehrkräfte haben jedoch nicht die Zeit, sich lange mit Vorbereitungen aufzuhalten. Darum testete ich, wie weit ich bei einem biblischen Stoff innerhalb von einer Stunde komme. Hier ist das Ergebnis. Ein Fragment (zum Weitererzählen):

Der katholische #DEKT19 in Dortmund. Ein kritischer Rückblick

Entschieden und tendenziell schismatisch

Wehrkirche in Cristian / Siebenbürgen

Eine Richtungsentscheidung des Kirchentagspräsidiums wurde sowohl in der Presse als auch auf dem Kirchentag selbst kontrovers diskutiert: Die Leitung des Kirchentags hatte mit der Ausladung von AFD-Politikern Flagge gezeigt: Keine Toleranz gegenüber Intoleranz, Gewalt und Rassismus!

Die Kirchentagsleitung grenzte sich auch nach anderen Seiten ab: Z.B wurden die thematischen Veranstaltungen einer Dortmunder Kirchengemeinde, der Paul-Gerhardt-Kirche, die für den Samstag einen palästinensischen Referenten aus Gaza eingeladen hatte, wegen befürchteter, antisemitischer Äußerungen vom Programm gestrichen.

Ebenso fiel auf, wie marginal (bis gar nicht) christliche Partnerkirchen auf dem Markt der Möglichkeiten vertreten waren.

Durch all dies erhielt der Kirchentag ein stark konfessionelles, ja sogar ein Stück weit schismatisches Gepräge – weil man sich demonstrativ gegen rechts und national denkende Mitgeschwister der eigenen Konfession abgrenzte.

Diese Haltung entspricht dem derzeitigen Trend der Polarisierung im innenpolitischen Diskurs, wie der Auftritt von Altbundespräsident Gauck auf dem Kirchentag verdeutlichte (wobei er selbst es ebenfalls an Aufgeschlossenheit im gesellschaftlichen Diskurs mangeln ließ).

Gleichzeitig imitiert diese Haltung eine typisch katholische Wesenseigenschaft: Geschlossenheit nach außen demonstrieren, während im Innern ein seltsam offenes Gewusel an verschiedensten Strömungen am Werk ist.

So sehr ich die „Linie“ der Kirchentagsleitung schätze: Ich fürchte, man hat die Sache überzogen.

Auf der politischen Ebene hat Gauck m.E. recht, wenn man einer solchen Haltung Arroganz vorwerfen kann – und das ist nicht gut für das eigene, demokratische Profil.

Auf der religiösen Ebene macht es mich ratlos, dass man die ungeliebten, Politik treibenden Schwestern und Brüder der eigenen Glaubensgemeinschaft ausschließt, vor allem, wenn Statistiken nahe legen, dass die Kirchentagsleitung damit viel mehr engagierte Gemeindeglieder vor den Kopf stößt, als ihr vielleicht bewusst ist. Solche Exempel an Ausgrenzung werden schon im Neuen Testament gegeißelt. 

Meine Empfehlung: Freunde einladen, Danaer in die Sandbox

So schick es in Zeiten des anlaufenden Klimawandels sein mag, „alternativlose“ Positionen zu vertreten: Es stünde dem DEKT meines Ermessens gut an, die ganze Kirche im Blick zu behalten: Evangelische, Katholische, alle anderen Konfessionen und auch alle politischen Richtungen.

Man hätte mehr tun können, die Partnerkirchen bzw. -konfessionen einzuladen und ihnen einen eigenen Raum zu schaffen.

Gravierender ist es jedoch, eigene Konfessionsgeschwister von der Beteiligung am evangelischen Kirchentag auszuschließen. Man tut dies, weil man sie für eine Gefahr hält … nein, schlimmer, denn vor Gefahren fürchten sich protestantische Christen nicht, wie der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm betonte.

Der Vorwurf steht im Raum, dass christliche AFD-Politiker ihre Religion instrumentalisieren, um ihre demokratie- und gesellschaftsgefährdende Gesinnung unter die Leute zu bringen. Implizit spricht man ihnen das Christsein ab. Dies ist nun eine ganz unprotestantische Einstellung, denn bei uns gilt: Wer getauft ist und sich zu Christus bekennt (und Kirchensteuern zahlt), über dessen Glauben haben nicht Menschen zu entscheiden. Eine kirchliche Exkommunikation ist ein Privileg (oder ein Fluch) der Katholiken. Wir Evangelischen sollten unsere Glaubensgeschwister geschwisterlich behandeln.

Allerdings bedeutet das nicht, dass christliche AFD-Politiker den Kirchentag als Bühne für ihre hässliche, hetzerische und hassgeladene Demagogie missbrauchen dürften. Es wäre naiv, berüchtigte, rechte Christen ohne Vorsicht zu behandeln.

Darum schlage ich eine Art Sandboxlösung vor:

  1. Rechte Redner mit Eklatpotential bekommen nur kleinere Hallen/Zelte zugewiesen, und werden auch nicht als einzige Sprecher, sondern stets mit anderen Mitgliedern zusammen auf ein Podium geladen.
  2. Die Veranstaltungsleitung behält sich vor, einen irgendwie aus dem Ruder laufende Event jederzeit abzubrechen. Polizeiliche Maßnahmen sind nicht ausgeschlossen.
  3. Es darf kein Livebroadcasting der Veranstaltung geben. Wenn es sich um eine sachlich verlaufende Auseinandersetzung handelt, darf eine Aufzeichnung (nach Überprüfung) gesendet werden: Unter Glaubensgeschwistern sollte ein geschwisterlicher Diskurs möglich sein. Andernfalls sollte man ihn abbrechen.

Es kam schon vor, dass in den Positionen der unterschiedlichen Richtungen eine echte Bewegung entstand, und diese Chance vergibt man, wenn man die Mitgeschwister einfach auslädt.

Das Motto des 37. DEKT in Dortmund lautet „Was für ein Vertrauen“. Der assyrische Chefdiplomat fragt den in seiner Hauptstadt Jerusalem belagerten König Hiskia angesichts dessen aussichtsloser Lage (wörtlich): „Was ist das für eine Zuflucht, zu der du Zuflucht nimmst?“ (2. Kön 18,19) – Obwohl der assyrische Diplomat mit enormer Sachkenntnis und erdrückenden Argumenten nicht nur den König, sondern auch sein Volk in demagogischer Weise bedrängt, gibt Hiskia in seinem Vertrauen nicht nach. Genau solch eine Glaubenskraft und Klugheit benötigt Gottes geliebte Gurkentruppe auch, um in einer illiberaler werdenden Gesellschaft die eigene Geschwisterlichkeit, Offenheit, Wertschätzung und Einladungskultur zu erhalten und in dunkler werdenden Zeiten leuchten zu lassen.