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Fundsachen Traktate Werkzeuge

Der Arbeitsbrowser – das Recherche-Tool: Vivaldi

Normalerweise mache ich ja keine Werbung für Sachen, aber hier ist in Skandinavien etwas entwickelt worden, dass einen genaueren Blick verdient.

Der Vivaldi-Browser ist einer der wenigen schnellen, europäischen Browser mit besonderen Schutzfunktionen und insbesondere geeignet für erfahrenere Internetnutzer, die wirklich mit dem Browser arbeiten, recherchieren und kuratieren wollen.

Einige seiner Features sind:

  • Eingebauter Anti-Tracker-Schutz
  • Eingebauter Werbeblocker
  • Sehr fortgeschrittenes Tab-Management: ZB können mehrere Tabs gebündelt und gleichzeitig in einem Tab (kachelartig) dargestellt werden

  • Eine Seitenleiste, die individuell konfigurierbar ist: Während man einen Zeitungsartikel liest, kann man schnell auf der Seite bei Wikipedia nachschlagen oder sich Notizen machen …
  • Entwicklerwerkzeuge: Wie auch Firefox kann Vivaldi für eine angezeigte Seite den Quelltext und eine aufgegliederte Entwickleransicht einblenden, die zeigt, welches Element der Seite wie programmiert wurde.
  • Notizfunktion: Mit dem in der Seitenleiste enthaltenen Notizbuch kann man sich nebenher Notizen machen, die mit Markdownkommandos wie Wiki-Artikel formatierbar sind. In die Notizen lassen sich Anlagen und Screencaptures einfügen.
  • Vivaldi Sync: Da es Vivaldi für Windows-, Linux- und Androidsysteme gibt, kann man den Browser auf Desktop- und Mobilgeräten betreiben und via Sync je nach Wahl bestimmte oder alle Einstellungen, Lesezeichen und Notizen auf allen Geräten parallel verwenden.
    Die syncronisierten Daten werden End2End-verschlüsselt gespeichert. Dazu muss man sich registrieren und eine eigene Verschlüsselungs-Passphrase eingeben, die als Grundlage der Verschlüsselung dient. Vivaldi speichert diese Passphrase nicht und kann darum auch die auf dem Server in Island gespeicherten Synchronisationsdaten nicht von sich aus entschlüsseln.
  • Wie jeder andere Browser besitzt Vivaldi eine Lesezeichenverwaltung. Diese verwandelt sich im Zusammenhang mit der Sync- und der Notizfunktion in ein mächtiges, verschlüsseltes Kuratierungswerkzeug, das nichts kostet und für das man sich bei keinem großen Anbieter registrieren muss.

Link: https://vivaldi.com/de/download/

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DEKT Kirchentag Traktate

Der katholische #DEKT19 in Dortmund. Ein kritischer Rückblick

Entschieden und tendenziell schismatisch

Wehrkirche in Cristian / Siebenbürgen

Eine Richtungsentscheidung des Kirchentagspräsidiums wurde sowohl in der Presse als auch auf dem Kirchentag selbst kontrovers diskutiert: Die Leitung des Kirchentags hatte mit der Ausladung von AFD-Politikern Flagge gezeigt: Keine Toleranz gegenüber Intoleranz, Gewalt und Rassismus!

Die Kirchentagsleitung grenzte sich auch nach anderen Seiten ab: Z.B wurden die thematischen Veranstaltungen einer Dortmunder Kirchengemeinde, der Paul-Gerhardt-Kirche, die für den Samstag einen palästinensischen Referenten aus Gaza eingeladen hatte, wegen befürchteter, antisemitischer Äußerungen vom Programm gestrichen.

Ebenso fiel auf, wie marginal (bis gar nicht) christliche Partnerkirchen auf dem Markt der Möglichkeiten vertreten waren.

Durch all dies erhielt der Kirchentag ein stark konfessionelles, ja sogar ein Stück weit schismatisches Gepräge – weil man sich demonstrativ gegen rechts und national denkende Mitgeschwister der eigenen Konfession abgrenzte.

Diese Haltung entspricht dem derzeitigen Trend der Polarisierung im innenpolitischen Diskurs, wie der Auftritt von Altbundespräsident Gauck auf dem Kirchentag verdeutlichte (wobei er selbst es ebenfalls an Aufgeschlossenheit im gesellschaftlichen Diskurs mangeln ließ).

Gleichzeitig imitiert diese Haltung eine typisch katholische Wesenseigenschaft: Geschlossenheit nach außen demonstrieren, während im Innern ein seltsam offenes Gewusel an verschiedensten Strömungen am Werk ist.

So sehr ich die “Linie” der Kirchentagsleitung schätze: Ich fürchte, man hat die Sache überzogen.

Auf der politischen Ebene hat Gauck m.E. recht, wenn man einer solchen Haltung Arroganz vorwerfen kann – und das ist nicht gut für das eigene, demokratische Profil.

Auf der religiösen Ebene macht es mich ratlos, dass man die ungeliebten, Politik treibenden Schwestern und Brüder der eigenen Glaubensgemeinschaft ausschließt, vor allem, wenn Statistiken nahe legen, dass die Kirchentagsleitung damit viel mehr engagierte Gemeindeglieder vor den Kopf stößt, als ihr vielleicht bewusst ist. Solche Exempel an Ausgrenzung werden schon im Neuen Testament gegeißelt. 

Meine Empfehlung: Freunde einladen, Danaer in die Sandbox

So schick es in Zeiten des anlaufenden Klimawandels sein mag, “alternativlose” Positionen zu vertreten: Es stünde dem DEKT meines Ermessens gut an, die ganze Kirche im Blick zu behalten: Evangelische, Katholische, alle anderen Konfessionen und auch alle politischen Richtungen.

Man hätte mehr tun können, die Partnerkirchen bzw. -konfessionen einzuladen und ihnen einen eigenen Raum zu schaffen.

Gravierender ist es jedoch, eigene Konfessionsgeschwister von der Beteiligung am evangelischen Kirchentag auszuschließen. Man tut dies, weil man sie für eine Gefahr hält … nein, schlimmer, denn vor Gefahren fürchten sich protestantische Christen nicht, wie der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm betonte.

Der Vorwurf steht im Raum, dass christliche AFD-Politiker ihre Religion instrumentalisieren, um ihre demokratie- und gesellschaftsgefährdende Gesinnung unter die Leute zu bringen. Implizit spricht man ihnen das Christsein ab. Dies ist nun eine ganz unprotestantische Einstellung, denn bei uns gilt: Wer getauft ist und sich zu Christus bekennt (und Kirchensteuern zahlt), über dessen Glauben haben nicht Menschen zu entscheiden. Eine kirchliche Exkommunikation ist ein Privileg (oder ein Fluch) der Katholiken. Wir Evangelischen sollten unsere Glaubensgeschwister geschwisterlich behandeln.

Allerdings bedeutet das nicht, dass christliche AFD-Politiker den Kirchentag als Bühne für ihre hässliche, hetzerische und hassgeladene Demagogie missbrauchen dürften. Es wäre naiv, berüchtigte, rechte Christen ohne Vorsicht zu behandeln.

Darum schlage ich eine Art Sandboxlösung vor:

  1. Rechte Redner mit Eklatpotential bekommen nur kleinere Hallen/Zelte zugewiesen, und werden auch nicht als einzige Sprecher, sondern stets mit anderen Mitgliedern zusammen auf ein Podium geladen.
  2. Die Veranstaltungsleitung behält sich vor, einen irgendwie aus dem Ruder laufende Event jederzeit abzubrechen. Polizeiliche Maßnahmen sind nicht ausgeschlossen.
  3. Es darf kein Livebroadcasting der Veranstaltung geben. Wenn es sich um eine sachlich verlaufende Auseinandersetzung handelt, darf eine Aufzeichnung (nach Überprüfung) gesendet werden: Unter Glaubensgeschwistern sollte ein geschwisterlicher Diskurs möglich sein. Andernfalls sollte man ihn abbrechen.

Es kam schon vor, dass in den Positionen der unterschiedlichen Richtungen eine echte Bewegung entstand, und diese Chance vergibt man, wenn man die Mitgeschwister einfach auslädt.

Das Motto des 37. DEKT in Dortmund lautet “Was für ein Vertrauen”. Der assyrische Chefdiplomat fragt den in seiner Hauptstadt Jerusalem belagerten König Hiskia angesichts dessen aussichtsloser Lage (wörtlich): “Was ist das für eine Zuflucht, zu der du Zuflucht nimmst?” (2. Kön 18,19) – Obwohl der assyrische Diplomat mit enormer Sachkenntnis und erdrückenden Argumenten nicht nur den König, sondern auch sein Volk in demagogischer Weise bedrängt, gibt Hiskia in seinem Vertrauen nicht nach. Genau solch eine Glaubenskraft und Klugheit benötigt Gottes geliebte Gurkentruppe auch, um in einer illiberaler werdenden Gesellschaft die eigene Geschwisterlichkeit, Offenheit, Wertschätzung und Einladungskultur zu erhalten und in dunkler werdenden Zeiten leuchten zu lassen.

 

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Allgemein Traktate Video

Rezo ja lol ey zur Europawahl

Dieser Diskurs sollte an uns nicht spurlos vorübergehen, weder vor, noch während, und auch nicht nach der Europawahl.
Hier erst mal Rezos “Zerstörungs”-Video, das immerhin mehr als 6 Millionen Views hat – aber wie viele sahen sich die kompletten 55 Minuten an? -, danach, … folgen Reaktionen.

Das furiose Ende seines Videos lässt an Klarheit wenig zu wünschen übrig.

Und dadurch, dass es nicht einfach um verschiedene, politische Meinungen geht, sondern dass es tausende klare, wissenschaftliche Belege gibt, die sagen: Der aktuelle Kurs ist zerstörerisch, ist es meine demokratische Pflicht, euch zu bitten:
Wählt bitte nicht die SPD.
Wählt bitte nicht die CDU.
Wählt bitte nicht die CSU.
Und schon gar nicht die AFD.

[…]

Und ich weiß: Ich mach mich mit solch einem Video und so klaren Standpunkten auch bei manchen unbeliebt. Das gehört dazu. So ist das, wenn man einen politischen Standpunkt in der Öffentlichkeit hat.
Aber wenigstens kann ich, wenn wir in ein paar Jahrzehnten diese Erde für alle kommenden Generationen gefickt haben, in den Spiegel schauen und sagen: Ich hab aufrichtig nach Logik, nach wissenschaftlichem Konsens und nach christlichen und humanistischen Werten gehandelt. Und ich hoffe, ihr könnt das auch von euch behaupten.
Peace. Ich bin raus.

Die CDU reagierte mit einem offenen Brief auf Rezos Video, das so richtig weh getan hat. Hier ein Video aus Zeit online über die CDU-Reaktion(en):

Auf den offenen Brief gab es wiederum kritische (Video-)Reaktionen, z.B. das hier:

Also: Das Motto fürs kommende Wochenende: #diesmalwaehlich


Nachtrag:

Rezos Video wurde in zwischen (25.5., 0:06 Uhr) achteinhalbmillionenmal angeklickt, und seine Klimaaussagen mussten sich einer wissenschaftlichen Überprüfung durch MaiLabs unterziehen.

Approved.

Bemerkenswert sachlich – und irgendwie sogar kompetenter als als Rezo – fand ich die Reaktion von Tiemo Wölken, Europaabgeordeter der SPD. Er und Rezo sollten sich mal für ein politisches Video zusammentun …

Eine gründliche Revue der Reaktionen und Reaktionen auf die Reaktionen (=”Diskurs”):


Nachtrag 2 nach der Europawahl:

In vielen Kommentaren zu Rezos Video auf YouTube meldeten sich zahlreiche Ü50er zu Wort, die betonten, dass nicht nur die Jungen von seinem Video beeindruckt sind. Offenkundig gelang es Rezo, das diffuse Unbehagen der “aufgeklärten” Bürgerschicht ob der Klimagefahren und der darauf offensichtlich nur minimal reagierenden Politikerklasse in eine klarere Erkenntnis der Lage und darüber hinaus in eine grimmige Entschlossenheit zu verwandeln.

Davon profitieren auffälliger Weise nicht die Linken (obwohl m.E. Rezos Video deren politische Botschaften am besten bedient), sondern die Grünen (und die PARTEI).

Die Grünen waren in der Europawahl bei den unter 60-Jährigen (sic!) die meistgewählte Partei.

Es gibt noch keine solide Untersuchung zur Wirkung von Rezos Video auf das Wählerverhalten, aber ich denke, man kann sie kaum überschätzen.
Eine etwas skeptischere Sicht dazu findet sich in der Einschätzung von Mr.Wissen2Go [4:57]ff:

Aber vielleicht sind solche Rezo-Videos schon bald Schnee von gestern und werden im Uploadfilter landen:

Toll wäre es übrigens (trotzdem), wenn der Diskurs weiterginge – zB …. auf dem Kirchentag!

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Allgemein Fundsachen Traktate

Horror? Ja, aber nicht dort, wo Christian Stöcker ihn vermutet.

Dies ist eine briefliche Antwort auf Christian Stöckers SPON-Oster-Artikel “Fröhliches Foltern“.

Lieber Herr Stöcker,

dass Sie von der christlichen Osterbotschaft in eine solche Ratlosigkeit gestürzt wurden, dass Sie deswegen den Herrn Gott von Ihren Kindern fernhalten und stattdessen mit ihm ein Seminar für Mitarbeiterführung aufsuchen wollen, hat wiederum mir so leid getan, dass ich Ihnen mit diesem Schreiben hilfreich zur Seite eile.

Im Grunde genommen haben Sie alles richtig gemacht, nur dass Sie noch etwas tiefer hätten bohren müssen und das Pferd nicht von hinten hätten aufzäumen dürfen.

Zunächst einmal ist die banale Tatsache festzustellen, dass dieser Jesus so großartige Ideen unter die Leute brachte, dass er bei seinem ersten offiziellen Besuch in der Hauptstadt sofort unschädlich gemacht wurde.   Nicht von Gott, sondern von Menschen, und zwar den damaligen Verantwortlichen, inklusive Prozess – schuldig in den Anklagepunkten “Gotteslästerung” und “Hochverrat“.

Vor diesem Hintergrund bekommt die gelegentlich geäußerte Bemerkung: “Dieser ist wahrhaftig der Sohn Gottes” einen pikanten Beigeschmack. Und die ganze Kreuzigungsaktion samt ihrer Begleiterscheinungen (die Verantwortlichen foltern den Gerechten zu Tode, die Menge johlt, die Anhänger gehen stiften) sagt etwas aus über die menschliche Natur. So fanden es zumindest die ersten Christen: Wir sind zu blöd (und deshalb zu böse) für diese Welt. Wir landen alle im Orkus.

Atomkriege, Klimakatastrophen, Artensterben – all das war damals noch nicht abzusehen. Aber die Richtung dieser Entwicklung war den ersten Christen völlig klar.

Dann kam Ostern. Jesu Leiche weg. Erweckungserlebnisse. Seltsame Jesusbegegnungen. Verstörend.
Das Team Jesus, schon in Selbstauflösung begriffen, sammelte sich wieder und begann eine Aktivität zu entfalten, die zur Entstehung des Christentums führte. Der Rest ist Kirchengeschichte.

Aber was brachte die Wende? Irgendwas sehr Energetisierendes musste in den Köpfen der Jesusanhänger passiert sein, dass sie die Kurve kriegten und ihr weiteres Leben unter Einsatz ihrer kompletten Existenz der Verkündigung einer gewissen “guten Botschaft” widmeten.

Cheftheoretiker Paulus hat uns als erster den lehrmäßigen Hintergrund dieses geistigen Wendepunktes  überliefert. Und der geht, in die Modeme übersetzt, etwa so:
Die Menschen fahren die Karre voll Karacho an die Wand, basta. Aber die Mitglieder des Teams Jesus begreifen zumindest, was gespielt wird, und wollen das nicht. Und sie sehen in der Auferstehung ein Zeichen dafür, dass (erstens) Jesus recht hatte, und dass sein Weg trotz Kreuzigung wegweisend bleibt, dass (zweitens) Jesus, der Gekreuzigte, nicht im Orkus landete, sondern lebt, und dass (drittens) diejenigen, die sich glaubensmäßig an ihn hängen, ebenfalls nicht abschmieren, sondern leben werden.
Denn Gott stellt diesen gekreuzigten Gerechten – so Paulus in Röm 3,25 – als ΙΛΑΣΤΗΡΙΟΝ (“hilasterion”, »Gnadenstuhl«), als Zeichen der Versöhnung, als Ort seiner Gegenwart und als eine Opfergabe an sich selbst (die eigentlich die Menschen erbringen müssten, aber aufgrund ihrer beschränkt-bösartigen Blödheit sowas von nicht in der Lage dazu sind) in die Öffentlichkeit und setzt ihn per Auferstehung als seinen Sohn ein .

Der Gekreuzigte – eigentlich ein Symbol menschlichen Versagens, wird so zu einem Friedensangebot Gottes, zu einem Hoffnungsschimmer und zur neuen Chance auf echtes Leben – für alle, die daran glauben.

Für die anderen bleibt Jesu Tod ein Episödchen der Weltgeschichte, die Auferstehung eine Mär, und die Tour gegen die Wand wird beschleunigt fortgesetzt.

Und die Moral von der Geschicht:

Ohne Ostern entpuppt sich Jesus als historischer Rohrkrepierer. Er bringt eine tolle Liebes-Message rüber, die aber so autoritätszersetzend wirkt, dass sie keine Überlebenschance hat. Erst in Verbindung mit der (geglaubten!) Glaubens- und Hoffnungsbotschaft von Ostern bekommt seine Liebesbotschaft Wuppdizität und Legitimität und kann die Welt verändern.

In diesem Sinne: Nachträglich Frohe Ostern!

Es grüßt Sie freundlich
Christian Günther

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Allgemein H5P Traktate

Ostern – Was glaubst du?

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ALPIKA Fortbildung Traktate

Kassel, die zweite: Hilfe, wir ha’m die Kollegen geflasht!

Die Fortbildung

Am 1.3.2018 startete eine ALPIKA-interne Monsterfortbidlung, die ihren Ausgang in einem EKD-Synodalbeschluss (von 2014, wenn ich recht erinnere) nahm und seitdem langsam Gestalt annahm. Ihr Titel:

ALPIKA digital 2018 – Online in den Instituten

Ziel ist es erst einmal, die religionspädagogischen Institute der EKD-Gliedkirchen zukunftsfähig zu machen. Denn an den Schulen wird “digitale Bildung” massiv gefördert. Es ziehen ganz neuartige Geräteparks ein, mit denen Berufsanfänger sicherer und vertrauter umgehen können als mit den traditionellen, didaktischen Instrumentarien und Methoden. Letztere jedoch stehen bei dem Fortbildungsangebot der Kirchen stark im Vordergrund. Damit wird man in ein paar Jahren vielleicht noch alte Hasen begeistern, aber auf die jüngeren Lehrkräfte werden sie immer altbackener wirken und keinen Anreiz mehr bieten, unsere Veranstaltungen zu besuchen.
Der kirchlichen Lehrer-Fortbildungsarbeit stehen finstere Zeiten bevor, wenn sich nicht schleunigst etwas an der (fehlenden) Kompetenz der FortbildnerInnen im technischen, fachdidaktischen und methodischen Umgang mit den neuen, digitalen Medien ändert.

Viele Mitarbeitende der religionspädagogischen Institute der EKD-Gliedkirchen – ja, sogar ganze Institute – verschließen die Augen vor dieser Entwicklung und meinen, sie könnten etwas mit Abwarten gewinnen oder diese Angelegenheit bis zum persönlichen Ruhestand aussitzen.

Andere sehen da klarer.
So kam es, dass sich 34 religionspädagogische Mitarbeitende aus den Instituten in Kassel zur Auftaktveranstaltung der oben erwähnten Fortbildung einfanden, mit der Absicht, die unbekannte Welt digitaler Bildungsmedien, Vernetzung und Kommunikation zu erschließen und in Zukunft einzusetzen.

Das Konzept

In einem langen Vorbereitungsanlauf war ein Blended-Learning-Konzept entwickelt worden, das mich persönlich überzeugt hat und während der Auftaktveranstaltung auch bei etlichen Teilnehmenden für leuchtende Augen sorgte, als sie verstanden, dass sie von “Alpika digital 2018” für ihre Arbeit unmittelbar profitieren können.

Hier eine grafische Übersicht des zeitlichen Ablaufs:

Um die Grafik in voller Größe anzuzeigen, bitte aufs Bild klicken!

Grob gesagt gliedert sich die Fortbildung in einen ersten Online-“Bims”-Teil, in dem man vieles lernen und ausprobieren muss, und in einen zweiten Online-Teil, in dem man quasi die Ernte des ersten Teils einfährt: Dort kann man Projekte für die eigene, berufliche Praxis konzipieren, in denen das Erlernte ein- und umgesetzt wird.

Unsere Hoffnung ist also, dass die Teilnehmenden nicht nur kompetenter aus der Fortbildung herauskommen, sondern am Ende auch mit Werkzeugen ausgestattet sind, die sie selbst für ihr eigenes, berufliches Umfeld maßgeschneidert haben.

Die Auftaktveranstaltung

fand vergangene Woche im Haus der Kirche in Kassel statt.

Die Auftaktler bei der Arbeit (1.3.18)

Da ich zu den Referenten gehöre, kann ich die Erwartungen, die wir bzw ich an diese Tagung hatte, ganz gut mit dem vergleichen, was hinten herausgekommen ist – also meinen Erfahrungen.

Den wichtigsten Eindruck spiegelt der Titel dieses Artikels wider:

"Hilfe, wir ha'm die Kollegen geflasht!"

Vielleicht hätte man den Effekt noch etwas abfedern können, aber ganz zu vermeiden war er wohl nicht, angesichts der vielen Bereiche, in denen bei unseren Instituten “digitale Ausbaufähigkeit” besteht:

Die TeilnehmerInnen wurden von den vielen neuen Möglichkeiten, Techniken, Begriffen und Konzepten regelrecht überrollt und plattgemacht – geflasht eben. Dies löste teilweise Begeisterung aus – zB für die Idee, haufenweise Fahrtkostengelder mit Videokonferenzen zu sparen -, gleichzeitig fühlten sich einige auch überrollt und in Panik versetzt, wenn sie noch nicht wirklich verstanden, welche Wunderdinge da über sie hereinbrachen, während gleichzeitig die Technik versagte (meist infolge einer nicht funktionierenden Onlineverbindung).

Zum Glück besitzt der Kurs genügend ModeratorInnen und erstreckt sich über einen so langen Zeitraum, dass sich ganz sicher alle Probleme, von denen ich weiß, auch lösen lassen werden, und es darum eine falsche Entscheidung wäre, wenn jemand traumatisiert die Flucht aus dem Kurs ergreifen würde.

Einen zweiten Eindruck könnte man so formulieren:

Hey, die kommen ja mit ambitionierten Plänen an!

Dass unsere Kursteilnehmerinnen zT schon genaue Vorhaben in der Tasche hatten und sehr wohl wussten, was ihre Ziele für die berufliche Zukunft sind, verblüffte mich, weil ich dies aus Lehrerfortbildungen so nicht kenne. Aber eigentlich ist es logisch, dass man sich in den Instituten schon früh Gedanken darüber macht, auf welche Weise man solch eine so aufwändige Fortbildung nutzen will.

Und das ist auch gut so: Wir Moderatoren werden in den kommenden Wochen genau zuhören und unsere digitalen Füllhörner ggf auch umfüllen, um den Teilnehmenden dabei zu helfen, ihre Pläne zu verwirklichen.

Mich persönlich überraschte es besonders, wie viele Teilnehmende sich dafür interessierten, auf ein Lernmanagementsystem gestützte Online-Kurse zu entwickeln – denn dies erfordert gleichermaßen didaktische und technische Kompetenz sowie ein gerüttelt Maß an Ausdauer und Entwicklergeist.
Gleichzeitig freut es mich, denn es zeigt, dass sich die Institute um die Zukunft der religionspädagogischen Fortbildung in den evangelischen Gliedkirchen Gedanken machen. Es steht ja außer Frage, dass raue Zeiten auf die Institute zukommen, wenn einmal die kirchlichen Mitarbeiter aus dem Babyboomer-Zeitalter in Rente gegangen sind, und dass dann eine gute Online-Infrastruktur mit Materialrepositorien, Tutorials und landeskirchenübergreifenden Kursen helfen muss, den kommenden Personalnotstand auszugleichen.

Hier stand einmal eine Grafik, die die Geburts- und Rentenalter der Babyboomer verdeutlichte
Quelle: Ulrich Berger und Christoph Stein auf Telepolis – klicke auf die Grafik, um den Artikel zu lesen.

Startschuss

Ich kam nach diesem Auftakt völlig fertig (aber auch irgendwie zufrieden) zuhause an.
Nächste Woche geht die Arbeit weiter: Wir werden die frisch eingerichteten Informationskanäle in Schwung bringen und die für die Geländephase nötigen Vorbereitungen treffen.

Ich hoffe sehr, dass möglichst viele Teilnehmende von diesem Kurs profitieren, hinterher mit reichen Schätzen bepackt und voller Tatendrang ihre stark erweiterten Kompetenzen umsetzen, den Ferngebliebenen eine Nase drehen und sie anstacheln, bei der nächsten ALPIKA-digital-Fortbildung dabei zu sein.

Quelle: Pixabay (CC0)
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Allgemein ALPIKA Traktate

Kassel, die erste, oder: Werden wir digital?

Nächtlicher Ausblick von unserem Wohn- und Tagungsort auf den dem Hohen Habichtswald nachempfundenen Bahnhofsvorplatz von Kassel-Wilhelmshöhe
Foto: Margit Metzger, Lizenz: CC-BY-SA

Vom 27.2.-1.3.2018 traf sich die ALPIKAMedien-Gruppe in Kassel, tauschte sich wie jedes Jahr über die medienpädagogischen Neuigkeiten aus den Landeskirchen der EKD aus und versuchte (wie immer), die landeskirchenübergreifende, medienpädagogische Arbeit voranzubringen.

Dabei wurde (nicht zum ersten Mal) der Umstand diskutiert, dass die Arbeitsgemeinschaft längst keine simpel medial ausgerichtete mehr sei – dh auf Bilder, Audioaufnahmen oder Filme fixiert – sondern dass der überwiegende Teil unserer kirchlichen Medienarbeit “digital” sei und dass dort schlechterdings die Zukunft liege.

Gemeint ist, dass wir während unserer Dienstzeit an per Internet vernetzten Computern arbeiten und nur noch ganz selten mit echten Bildern (auf Leinwand oder auf Papier), Filmen (auf Zelluloid) oder Musik (auf Schallplatte oder als Live-Darbietung) zu schaffen haben, sondern mit Audio-, Grafik- oder Videodateien. Darüber hinaus ist es unser Bestreben, die Verwendung dieser digitalen Formate weiter auszubauen und zu vertiefen durch den Einsatz von digital gespeicherten Onlinematerialien und Online-Quizaufgaben oder anderen, motivierenden Lernmitteln, die gar nicht anders funktionieren als mit Hilfe von Computern, Tablets, Smartphones, Whiteboards oder anderen, “digitalen” Gerätschaften.

Aus diesem Grund wurde während der Sitzung in Kassel mehrheitlich beschlossen, dass sich unsere Gruppe umbenennt in “ALPIKA Medien – Digital”.

Ich persönlich hatte dieser Änderung nicht zugestimmt, weil ich der Auffassung war, dass auch digital gespeicherte Medien Medien sind, und dass eine Digitalis-Überdosis bekanntlich tödlich ausgehen kann. ,

Heutzutage wird alles, was modern klingen soll, “digital” genannt bzw “digitalisiert”, zB die Bildung, obwohl “digital” lediglich bedeutet, dass Daten (dh Texte, Bilder und Aufnahmen aller Art) in Form von Befehlen gespeichert werden, die Ein/Aus-Schaltzustände auf elektronischen Geräten auslösen. Tja, und ich finde es nun mal nicht schick, wenn meine Bildung, mein Können oder meine Kompetenzen (oder die meiner Schulklasse, meiner KursteilnehmerInnen) auf binäre Schaltzustände reduziert werden.

Dabei betrachte ich mich selbst als Nerd und habe großen Spaß am Umgang mit digitalen Daten oder Gerätschaften. Ich werde mich aber hüten, meine Grundschüler zu “digitalen” Krüppeln zu machen, die an der Spielekonsole Riesensprünge machen können, nicht jedoch in der Realität, oder die virtuelle Objekte besser im Griff haben als reale, und sich in der Gefahr befinden, sich zu “digitalen” Autisten zu entwickeln, denen grundlegende Formen von Mitgefühl und Sozialverhalten zunehmend verlorengehen.

Nein, ich betrachte digitale Medien tatsächlich als Medien, d.h. als Mittel zum Zweck, nämlich der Bildung (und nicht zuletzt der Herzensbildung!). Darum möchte ich nicht digital werden, möchte mich nicht digitalisieren lassen, möchte weder zum Rädchen im Getriebe noch zum Bit-Image in der Bit-Matrix werden, und habe nach wie vor ein Problem damit, dass meine ALPIKA-Gruppe mehrheitlich digital sein möchte.

Quelle: Pixabay (CC0)
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Allgemein Traktate

Reformation 500 – Nachlese

Der Reformations-Feiertag ist vorbei, der weitaus größte Teil des Jubiläumsfeuerwerkspulvers verschossen. Es gab massenweise informative, scharfsinnige bzw. originelle Beiträge, kirchenmusikalische und sonstige Happenings.  Vielen evangelischen Insidern hängen Luther&Genossen inzwischen zum Halse heraus.

Bei all dem Bohai blieb für mich eine übersichtlche und klare Antwort auf die wichtige Frage auf der Strecke:

Was hat uns die Reformation gebracht?

Darum soll sie hier nachgeliefert werden.

Sieben Selbstverständlichkeiten, die wir der Reformation verdanken:

Klicken Sie auf die einzelnen Punkte, um mehr zu erfahren.
Creative Commons Lizenzvertrag Christian Günther

Ich hoffe, mit diesen Punkten zur “Abrundung” der Feierei beigetragen zu haben. Falls ich etwas wichtiges vergessen haben sollte oder kritische Einwände bestehen: Nutzen Sie die Kommentarunktion!

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Allgemein Fundsachen Traktate Unterrichtsideen Video

Das Gebet Jesu – ganz original?

Vor einiger Zeit fand ich ein Youtube-Video, in welchem das Vaterunser in der zur Zeit Jesu gesprochen jüdisch-aramäischen Sprache nicht nur rezitiert, sondern auch erklärt wird – auf Englisch, von einem Angehörigen einer judenchristlichen Gruppe, den Talmidim (“Nachfolgern”).

Offen gesagt stehe ich dieser Gruppe (theologisch) nicht besonders nahe, finde aber den Versuch der Rückübersetzung des uns überlieferten, griechischen Textes ins Aramäische, sagen wir, ziemlich faszinierend. Darum zauberte ich mit dem H5P-Werkzeug deutsche Untertitel in das Video, so dass auch die nicht fließend Englisch sprechenden Theologie-Interessierten etwas davon haben.
Irgendwann möchte ich es mit H5P-Bordmitteln noch etwas kritischer und für den Oberstufenunterricht tauglicher aufbereiten. Bis dahin möge sich jeder ganz unabhängig sein Urteil bilden.

Noch ein letzter Hinweis: Vergessen Sie nicht: Das Video hat einen Pause-Button, für den Fall, wenn’s zu schnell geht oder zu viel wird.

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Allgemein Fortbildung openreli2017 Traktate

Openreli 2017 Resumée

Am heutigen Abend ging der diesjährige, offene, religionspädagogische Onlinekurs openreli 2017 VielFältig zuende. Eigentlich, muss man gestehen, war er schon früher zuende, denn beim Abschlussmeeting trafen sich nur die drei oben abgebildeten Leute aus dem Orgateam.

Sad“, wie eine berühmte Persönlichkeit vielleicht twittern würde.

Dabei war der Kurs gar nicht so übel.

Rückblick

  • Die Vortragsveranstaltungen – vor allem die frühen – erfreuten sich einer soliden und vor allem regen Beteiligung.
    Openreli profitierte in diesem Jahr stark vom Engagement religionspädagogisch Tätiger, die ihre praktische Erfahrung mit kultureller und religiöser Vielfalt aus den unterschiedlichsten Schulbereichen im Rahmen von Onlinemeetings einbrachten. Ich kann die Vortragsvideos nur weiterempfehlen. Sie bleiben weiterhin im Netz stehen. Man kann sie ansehen!
  • Bei den Wochenaufgaben habe ich nachträglich den Eindruck, dass wir ziemlich genau den Punkt erwischten, der bei (möglichst) vielen Interesse und Spieltrieb weckte und gleichzeitig niemanden überforderte.
  • In gewisser Weise entpuppte sich openreli 2017 aus Referentensicht als nachhaltiger Kurs, weil das, was wir vorbereitet hatten, funktionierte: Wir mussten kaum etwas aus dem Ärmel schütteln. Der Kurs lief bis kurz vor Schluss wie am Schnürchen. Die lange und gründliche Planung hatte Früchte getragen.
  • Das Feedback fiel fast durchweg positiv aus. Einzig die (Art der) Verwendung von rpi-virtuell als openreli-Gruppenplattform wurde z.T als verwirrend empfunden.
  • Interessanterweise waren alle, die sich am Feedback beteiligt hatten, mit der Kursdauer von sieben Wochen zufrieden. Da es sich dabei aber nur um sechs Personen handelt, könnte es auch sein, dass sich eine große Mehrheit, die sich für eine geringere Kursdauer ausgesprochen hätte, schon vorher selbst wegselektiert hatte.
  • Die aktive Beteiligung der Kursteilnehmenden bewegte sich etwa in dem Rahmen, den wir aus früheren openreli-Kursen kannten. Unsere Erfahrung ist ja, dass openreli-Beteiligte, die keinen der Organisatoren irgendiwe persönlich kennen, spätestens nach zwei, drei Wochen in der Versenkung abtauchen. Ein ca. 10%iger Anteil der ursprünglich für den Kurs Registrierten absolviert den Online-Event zumindest bis zur letzten Kursaufgabe.
    Und da wir diesmal kein Schmankerl für ganz am Ende aufgehoben hatten, gab es wohl auch keinen Grund mehr, beim Feedback-Meeting dabei zu sein.

Das Problem

… bestand für mich als Mitorganisator vor allem darin, dass ich für den Zeitraum des Onlinekurses schon früh einen recht gut gefüllten Terminkalender mit Ereignissen aus der realen Welt – Präsenzkursen, Tagungen und anderen Veranstaltungen – vorliegen hatte, so dass ich im Vorfeld warnte: Von mir sind nicht viele Impulse zu erwarten. Diese eigene Schwäche empfand ich als sehr unbefriedigend, aber noch mehr beunruhigte mich später, dass ich mit meinem bischen Engagement fast noch wie ein Musterknabe unter den “Orgas” dastand, während Reinhard Weber – zumindest in der heißen Phase von openreli 2017 – so gut wie alleine den Kurs managte.

Einzig Reinhard Kirste, dessen verdichtete openreli-2017-Zusammenfassung auf traufhafte Zugriffszahlen kommt (nebenbei bemerkt), blieb dem Team vom ersten Vorbereitungstag bis zum Abschlussmeeting treu.

Wir drei waren es denn auch, die heute abend darüber nachdachten, was sich ändern müsse, damit openreli motivierender und befriedigender für die Teilnehmenden – und für die “Orgas” wird.

Überlegungen

Wir kamen zu dem Schluss,

  • dass der nächste Kurs – Openreli 2018 – wesentlich kürzer, dichter und knackiger werden muss,
  • dass wir stärker – und kursunabhängig – sozusagen unsere Marke unter die Leute bringen wollen, indem wir auf anstehende Online-Events (die nicht unbedingt von uns selbst veranstaltet werden müssen) hinweisen und ein Forum schaffen wollen, solche Ereignisse im Diskurs zu bewerten und zu verarbeiten. –
    Ziel ist (neben der Stärkung religionspädagogischer und digitaler Kompetenzen bei denen, die mitmachen) der Aufbau einer Gruppe von Leuten, denen es nicht genügt, sich digital nur berieseln zu lassen, sondern die Onlinemeetings (bzw. -events) als Gelegenheit begreifen, sich mit Fachleuten (oder Werkzeugen) auseinanderzusetzen, die sie “ohne online” niemals kennlernen (verwenden) könnten,
  • dass wir auf der Ebene des Orgateams die Frage nach den Blumen stellen müssen (“wo sind sie geblieben?”).