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Religionspädagogische Notizen

Die Weihnachtsgeschichte der Maria

Nachdem die vierte Klassenstufe (im klassenstufen-übergreifenden Religionsunterricht) die Weihnachtsgeschichte, ausgehend von Krippenfiguren, gemeinsam mit der dritten Stufe im klassenübergreifenden Unterricht erarbeitet hatte, erstellte sie eine Weihnachts-Bildergeschichte aus der Sicht der Maria.

Dafür hatte ich eine Geschichten-Vorlage vorbereitet.

Ausgehend von der Frage, warum sich Maria laut dem Engel Gabriel freuen soll, wurden zunachst einige messianische Vorhersagen aus den Prophetenbüchern besprochen und eine Art Steckbrief des erwarteten Messias erstellt. Danach erarbeiteten wir das Magnificat. Dazu hörten wir diese Version des Liedes an:

(Hier gibt es auch eine flottere Instrumentalvariante)

Anhand von unterschiedlichen Textversionen untersuchten wir seine Botschaft: Wen will Gott retten? Wie sieht sich Maria selbst in diesem Lied?

Ausgehend von diesen Lernvoraussetzungen erstellte die vierte Klasse ein Bildergeschichten-Drehbuch. Danach teilte sich die Lerngruppe je nach Begabung

  • in eine Erzählergruppe (ein Junge und ein Mädchen), die den Text der Geschichte verfassen sollte,
  • in eine Künstlergruppe, die die Bilder erstellen sollte. Dabei schlug ich vor, dass man den Kopf von Maria extra anfertigen, danach ausschneiden und auf die Figuren-Rümpfe der Marienfiguren in den einzelnen Bildern legen sollte. Außerdem wurden für den Kopf drei Mund-Versionen erstellt, so dass ihre unterschiedlichen Stimmungen erkennbar werden konnten. – Die Idee wurde von der Künstlergruppe zwar begeistert aufgegriffen, erschwerte die Umsetzung der Bilder jedoch gewaltig.
    Es wäre wohl sinnvoller gewesen, einheitliche Aussehens-Merkmale für die Figuren von vornherein festzulegen.
  • in eine Technik-Gruppe (für das Arrangieren und Fotografieren der Bilder sowie für die Tonaufnahmen)

Den Schnitt und die Untermalung mit dem Marienlied übernahm ich während der Weihnachtsferien. Das Projekt war in der ersten Religionsstunde im Januar 2015 vorführreif:

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Postings zu "Mary's Boychild" Religionspädagogische Notizen Unterrichtsideen

Die sprechende Weihnachtskrippe

… ist ein Projekt, das die Klasse 3 meiner Grundschule im Dezember erarbeitet hat und das ich der Lerngruppe morgen früh, in der ersten Religionsstunde nach den Ferien, “digitally finalized” vorstellen werde.

Das Projekt kam unter einem gewissen Personal- und Termindruck zustande, wurde aber von Grund auf eingenständig erarbeitet.

Wir gingen dabei von anderen Weihnachtskrippen aus, wobei sich der Verdacht meiner Kollegin bestätigte, dass die Krippensymbolik von vielen Kindern nicht selbstverständlich aufgeschlüsselt werden kann, von Detailkenntnissen der Weihnchtsgeschichte ganz zu schweigen.

Statt eine Weihnachtszene selbst zu gestalten entschieden sich die SchülerInnen für eine Bearbeitung der in der Schule vorhandenen Weihnachtskrippe, die – so fanden sie heraus – nicht der Weihnachtsgeschichte entsprechend aufgestellt war. Also organisierten sie sie um.

Sie fotografierten die Szene (Drama, Baby!) mit einem Tablet.

Sie entwickelten die Texte der Beteiligten (außer Josef und dem Schaf, das mehr zufällig im Bild landete)

Sie zeichneten die gesprochenen Texte auf.

Die Umwandlung in diese Art Imagemap – es gibt noch eine wesentlich weniger aufwändige Power-Point-Version – erledigte ich.

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Allgemein Traktate

Wer ist Charlie?

Es ist logisch, dass auf ein abscheuliches Attentat gegen ein Satire- und Karikaturenmagazin mit durchgehend religionskritischem und teilweise religionsverhöhnenden Inhalten per Schlagzeile und Karikatur reagiert wird.

So ging eine eigentümliche Identifikation durchs Netz und alle Medien, ohne dass mir einer erklärt hätte, was dieser Satz genau bedeutet:

Die SPIEGEL-Redaktion ist Charlie

Ein bischen gleicht er der kryptischen Paulus-Maxime: “Wir sind alle in Christus”, wobei sich religionskritische Menschen (oder auch nur vernünftige) natürlich sofort fragen, wie das gehen soll.

So bietet “Je suis Charlie” unterschiedliche Bedeutungsmöglichkeiten und Solidarisierungsgrade, zB

  • Ich trauere mit den Opfern der beiden Anschläge und bete für sie.
  • Ich bin von dem (ersten) Anschlag mitbetroffen, denn er richtet sich gegen die Pressefreiheit, eines der wichtigsten Rechte der modernen Welt.
  • Ich bin solidarisch mit allen unschuldigen Opfern des Terrorismus, besonders in Europa.
  • Ich mache auch Karikaturen, auch gern mit spitzen Bleistift und bin im Grunde wie Charlie Hebdo
  • Ich finde Religionen sch****e und finde, man sollte den deutschen Blasphemieparagraphen kippen, schon wegen Charlie Hebdo.

Usf.

Dann gab es aber eine Reihe von Leuten, die sich von Charlie Hebdo wirklich in ihren Gefühlen, ihrer Würde verletzt sahen, und die wollten nicht Charlie sein, sondern Ahmed:

i am not charlie

Und an dem Punkt wird für mich die Sache extrem religionspädagogisch, weil sich mir die Frage stellt: Wie weit darf Blasphemie gehen? Wäre es wirklich so eine Gute Idee, den deutschen Blasphemieparagraphen zu kippen?

Schließlich formierte sich auf Twitter eine “I am not Charlie”-Bewegung.

Unter diesem Motto sammelten sich die unterschiedlichsten Leute: Muslime natürlich, aber auch andere, die sich mit den, wie von vielen vorgewurfen wurde, rassistischen Karikaturen bei Charlie Hebdo nicht identifizieren wollten. Vielleicht hätte die CDU-Politikerin Erika Steinbach dies einfach retweeten sollen, statt sich mit einer eigenen Twitternachricht eine Anzeige eines Titanic-Chefredakteurs wegen “Verunglimpfung Verstorbener” einzufangen.

Für Juden und Muslime entstand/entsteht eine besonders prekäre Situation.

Für die Juden, weil auch sie einerseits eine Zielscheibe für Charlie Hebdo abgaben bzw abgeben, weil sie jedoch andererseits von manchen “Je ne suis pas Charlie”-Muslimen fälschlicherweise als “vom Westen vor bissigen Karikaturen geschützt” erklärt wurden, Besonders in Frankreich schlägt ihnen ein Hass entgegen, wie es ihn seit der Dreyfuss-Affäre nicht mehr gab.

Für die Muslime: Das macht am besten die folgende Karikatur deutlich:

Link zum Tweet ...
Muslime unter Kondolenzdruck 

Bin ich nun Charlie oder nicht?

Ich werde mal drüber schlafen. Sicher ist für mich nur eins:

So sieht Religion nicht aus.