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Allgemein Unterrichtsideen

“Oh Yeshwa!” als interaktive H5P-Story umgesetzt!

Oh Yeshwa!” ist ein interaktiver Online-Comic, der ein biblisches Thema sehr unorthodox anpackt, und den ich im Jahr 2015 mit Bitstrips und dem InkleWriter realisiert hatte. Beide Werkzeuge werden heute (2020) nicht mehr unterstützt.

Dafür gibt es jetzt bei H5P eine Möglichkeit, nichtlineare Geschichten zu erzählen, und voilà, klicke unten auf das Bild und erfahre einige Dinge über Jo und Ma und das Judentum, und was so daraus so werden kann.

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Allgemein Fundsachen Traktate Unterrichtsideen Video

Das Gebet Jesu – ganz original?

Vor einiger Zeit fand ich ein Youtube-Video, in welchem das Vaterunser in der zur Zeit Jesu gesprochen jüdisch-aramäischen Sprache nicht nur rezitiert, sondern auch erklärt wird – auf Englisch, von einem Angehörigen einer judenchristlichen Gruppe, den Talmidim (“Nachfolgern”).

Offen gesagt stehe ich dieser Gruppe (theologisch) nicht besonders nahe, finde aber den Versuch der Rückübersetzung des uns überlieferten, griechischen Textes ins Aramäische, sagen wir, ziemlich faszinierend. Darum zauberte ich mit dem H5P-Werkzeug deutsche Untertitel in das Video, so dass auch die nicht fließend Englisch sprechenden Theologie-Interessierten etwas davon haben.
Irgendwann möchte ich es mit H5P-Bordmitteln noch etwas kritischer und für den Oberstufenunterricht tauglicher aufbereiten. Bis dahin möge sich jeder ganz unabhängig sein Urteil bilden.

Noch ein letzter Hinweis: Vergessen Sie nicht: Das Video hat einen Pause-Button, für den Fall, wenn’s zu schnell geht oder zu viel wird.

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openreli2017 Unterrichtsideen

openreli VielFältig steht vor der Tür!

Dass das Thema VielFältig ein heißes Eisen ist, bekam ich heute abend zu spüren, als bei dem Vorbereitungs-Hangout inhaltlich die Fetzen flogen. Dabei ging es nicht mal um das Aufreger-Thema “Muslime und noch exotischere Religionen an unseren heimischen, deutschen Schulen”, sondern nur um die Verwandlung des herkömmlichen, konfessionellen Religionsunterrichts in einen “konfessionell kooperativen” Unterricht und seine Folgen für die Identität junger Christen, für die Glaubhaftigkeit des Religionsunterrichts, und … und…

All dies soll / wird zur Sprache kommen im Online-Kurs, der am 15.2. beginnt. Wir hoffen, dass Sie diesen Kurs mit vielen neuen Informationen und Best-Practice-Ideen für Schulaktivitäten verlassen, die das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen verbessern. Und mit einem Zertifikat des Comenius-Instituts, sofern Sie sich aktiv am Kurs beteiligen.

Neben der inhaltlichen Bereicherung warten wie immer einige mediendidaktische Gimmicks und Apps darauf, von Ihnen entdeckt zu werden. Bei den Mini-Projekten gibt es Gelegenheit, diese auszuprobieren.

In diesem Sinn: Sofort da unten draufklicken!

Wenn Sie in Rheinland-Pfalz unterrichten und zusätzlich noch eine EFWI-Teilnahmebescheinigung anstreben, informieren Sie sich bitte hier.

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Allgemein Islam openreli2016 rpi-virtuell Unterrichtsideen

openreli2016 – ein Erfolg?

Mit einem sehr aufschlussreichen und für die Beteiligten inspirierenden Schlussmeeting ging der offizielle Teil des dritten großen, offenen, deutschsprachigen, religionspädagogischen Onlinekurses vorgestern abend zuende.

Da diese – öhm, denkwürdige – Online-Sitzung nicht aufgezeichnet wurde, werde ich hier auf die aus meiner Sicht wichtigen Punkte noch einmal eingehen.

Erträge

Wie aus den gezeigten Beiträgen des Abschlussabends deutlich wurde, erwies sich openreli2016 als produktives, für den Schulunterricht – insbesondere die Aktivierung von SchülerInnen – nützliches Online-Ereignis.

Projekte

Ein besonderes Anliegen der Leitergruppe für diesen Kurs bestand darin, die aktiven Beteiligten nicht “unterwegs zu verlieren”, dh nicht zu überfordern und den Lernparty-Faktor bis zum dicken Ende zu erhalten.

Dies versuchten wir dadurch zu erreichen, dass wir auf große Langzeitprojekte (zB das gemeinschaftliche Entwickeln von komptenzorientierten Unterrichtseinheiten) verzichteten und stattdessen Miniprojekte und Spielwiesen anzubieten.
Aus technischen Gründen klappte nicht alles so wie erhofft, aber ich denke: die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Hier ein Überblick:

  • Religiöse Spuren im Film
    Zu diesem Thema gab es keine Präsenzveranstaltung, doch es wurde eine Seite erstellt,gutevideos auf der man inspirierende Filme eintragen konnte.
    Diese Seite bleibt über das Kursende hinaus bestehen und wächst weiter an. Jeder kann mitmachen.unsichtbarelinie
  • Religiöse Spuren in Bildern und Fotos
    Dieses Projekt startete am 8. März mit technischen Pannen, entwickelte sich dann jedoch kometenartig zum Erfolgsmodell. arto
    Fleißige TeilgeberInnen steuerten immer mehr Bilder bei, so dass eine sehr vielseitige Artothek-Galerie entstand.
    Darüber hinaus setzte ein Kollege dieses Konzept mit seinen Schülern um. Diese suchten in ihrer Lebenswelt nach religiösen Spuren und tauschten sich darüber aus. Dabei entstanden Betrachtungen von eindrücklicher Tiefe.
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  • Religiöse Spuren in Computerspielen
    Bei diesem Miniprojekt lief es fast genau umgekehrt wie bei den religiösen Bildern: Die Referenten zeigten während des Online-Meetings am 2. März, wie manche Computerspiele bis zum Rand mit religiösen Symbolen und Bildwelten angefüllt sind, und boten an, mit den TeilnehmerInnen praktisch dazu zu arbeiten. Doch bei aller Neugier wollte sich kaum jemand auf einen Computerspiele-Workshop einlassen, so dass keine Arbeitsphase zustande kam. 
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  • wunschkonzerttweetWunschkonzert
    Über die in der Überschrift verlinkten Website konnten (und können) Interessierte Lied-Links in ein Formular eintragen, verraten, wo sich Lyrics zu den Titeln finden und ihre Gedanken dazu äußern; auch im Hinblick auf deren unterrichtliche Einsatzfähigkeit.
    Am 8. April kam es zur Aufführung. Hier kann, wer will sich die gefundenen Lieder anhören und anschauen.

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Neben diesen am Thema des Kurses orientierten Projekten gab es noch drei Miniprojekte anderer Art: Sogenannte “Spielwiesen”, in denen nutzbringende Onlinewerkzeuge vorgestellt wurden. – Als da waren:

  • Workshop “Mit Internet-Werkzeugen produktiv werden”
    Für dieses Projekt hatte ich mit Hilfe des im neuen rpi-virtuell enthaltenen Lernmanagement-Systems ein Tutorial entwickelt, in dem bestimmte Tools vorgestellt wurden.
    learningappsappDen meisten Anklang fanden beim Live-Event am 9. März die LearningApps, welche von einigen Teilgebenden später verwendet und in der Schule eingesetzt wurden. Hier ein Beispiel.
    Für alle Interessierten: Bei rpi-virtuell gibt es für die LearningApps eine eigene Gruppe, in der man Arbeitsergebnisse austauschen und sich gegenseitig helfen kann.
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  • Workshop Microsoft OneNote
    Das in kurzer Zeit eminent wichtig und im schulischen Einsatz nützlich gewordene Online- und Offline-Werkzeug von Microsoft wurde in einer eigenen Veranstaltung am 14. März vorgestellt.
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  • Workshop Online-Lernmanagementsysteme (LMS) 
    Auch dieses ein wenig esoterische Thema fand überraschender Weise einige Interessierte. Tatsächlich dürften solche Organisations- und Lernhilfen in den nächsten Jahren an vielen Schulen wichtig werden. Darum erschöpfte sich der Workshop nicht in der LMS-Präsentationsveranstaltung am 16.3.
    Wer immer mehr darüber wissen möchte, kann sich dieses LMS-Tutorial (Stand: 2016) ansehen.

Vorträge

Neben diesen Miniprojekten gab es – wie in früheren openreli-Kursen auch – online-Vortragsveranstaltungen. Diese wurden beim Kursfeedback noch positiver bewertet als die Projekte. Was mich am meisten dabei verblüffte, war, dass der Referent am positivsten bewertet wurde, der überhaupt keinen Vortrag vorbereitet hatte, sondern sich schlicht und einfach den Fragen der Anwesenden stellte.

Damit bestätigte das Feedback die Beobachtungen aus diesem Artikel, in dem ich die einzelnen Referate bzw Gespräche kommentiert hatte. Von dort aus können auch die Videoaufzeichnungen der Vortragsveranstaltungen direkt gestartet werden.

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Dem, was ich damals schrieb möchte ich nur noch als Anregung hinzufügen, dass ein Referent, welcher eine Art Vorlesung zu halten gedenkt, diese vielleicht schon vor dem Online-Meeting bei guter Videoqualität aufzeichne, so dass man – sagen wir – die Hälfte der Zeit der Live-Veranstaltung im Gespräch verbringen könnte.
(Was die daraus resultierenden technischen Fragen für die Dozenten betrifft: Da können wir Nerds vom openreli-Orga-Team mit Rat und Tat sehr wahrscheinlich alle Schwierigkeiten ausräumen.)

Insgesamt gilt für alle Vorträge und Projekte, dass sie nicht einfach “openreli” waren, sondern dass sie weiter bestehen und den 2016er Onlinekurs transzendieren: Denn man kann sich weiter beteiligen, kann weitere Ressourcen hinzufügen oder sich die Meetings und Referate anschauen, da es Aufzeichnungen von allen Treffen gibt.

Resumée

Zweifellos erwies sich openreli2016 für diejenigen, die zupackten, die viel mitnehmen wollten, als hilfreich und inspirierend. Dementsprechend fiel beim Abschlussmeeting auch das Votum der Teilgebenden aus, die nicht zum Organisationsteam gehörten.

Dennoch stellten sich trotz aller Werbung, aller cleverer Ideen, trotz aller Vorbereitungsarbeit wieder dieselben – offensichtlich chronischen – Probleme ein: Es gab nach Einschätzung des Orga-Teams einfach zu wenige aktive Teilgebenden. Fast alle von diesen kannten jemandem aus dem Organisationsteam aus persönlichen Begegnungen oder Präsenzfortbildungen.
Kann man daraus schließen, dass (unsere?) Online-Werbung allenfalls für Lurker reicht? Dass man ein zukünftiges openreli besser als Blended-Learning-Angebot konzipieren sollte, mit einer präsentischen Startsession, um sich besser kennen zu lernen?

Auf dem Weg zu einem wirksamen Fortbildungsformat

lipowsky
Prof. Lipowsky auf der ALPIKA2016 in Kloster Haydau

Einige aus dem Orga-Team hatten in den Tagen vor dem openreli-Abschlussmeeting eine
Tagung im hessischen Kloster Haydau
 besucht, auf der der Kasseler Unterrichtsforscher Frank Lipowsky einen Vortrag zum Thema “Was Fortbildner/-innen über wirksame Lehrerfortbildungen wissen solltengehalten hatte. In dieser Vorlesung erfuhr ich, dass einige meiner geheimsten Befürchtungen bezüglich des Ertrages von On- und Offlinefortbildungen bereits empirisch bestätigt sind.
Lipowsky blieb jedoch nicht beim Trübsalblasen stehen, sondern entwickelte Strategien für wirksame Fortbildungen. Beispielsweise:

  • Wenn du nicht die Ressourcen für eine anderthalbjährige, intensive Fortbildungsreihe hast, dann solltest du darauf verzichten, das Verhalten deiner Lehrkräfte dauerhaft ändern (=”verbessern”) zu wollen.
  • Fasse dein Thema eng, klar und so, dass daraus der zu gewinnende Nutzen unmittelbar erkennbar wird.
  • Mit Nutzen ist nicht nur der Nutzen für die Lehrkraft, sondern genausosehr der für die SchülerInnen gemeint.
  • Verliere nie während deiner Fortbildung diesen Nutzen aus den Augen, sonst verlierst du am Ende deine TeilnehmerInnen.
  • Es ist gut, wenn deine TeilnehmerInnen das Gefühl bekommen, faszinierende Neuigkeiten zu erfahren.
  • Es ist nicht gut, wenn deine TeilnehmerInnen das Gefühl bekommen, dass nichts mehr beim Alten bleibt.

Aus alledem kann man das eine oder andere für openreli lernen. Einiges haben wir bereits beherzigt: ZB lange Durststrecken vom Beginn eines Projektes bis zum erwarteten Nutzen zu vermeiden.

Eine andere Sache, die ich zwar erkannt hatte, die aber noch nicht ganz klappte, bestand in der Auseinandersetzung mit dem sich bei Onlineseminaren einstellenden Gefühl, auf weiter Flur allein(gelassen) zu sein: Nicht nur, dass irgendwie das wachsame Auge einer Lehrkraft oder eines Kursleitenden fehlt; schlimmer noch ist, dass das wirkliche, pralle Leben dem einsamen Voranschreiten in virtuellen Regionen ständig in die Quere kommt.
minibadgeDiesem Problem könnte man, so meine Idee, beikommen, indem man den engagierten TeilgeberInnen in vergleichsweise kurzen Abständen Rückmeldungen gibt: Antworten auf eingesandte Beiträge, Badges (“Medaillen”) für außergewöhnliche Aktivitäten, exklusive Einladungen für virtuelle Soiréen, leckere Gummibärchen, Rabatte auf teure Apps und am Ende vielleicht die Verlosung eines VW Golf an die verdientsten TeilgeberInnen …?
In diesem Zusammenhang horchte ich natürlich auf, als auf der Tagung in Haydau mir gleich mehrere Leute erzählten, wie toll sie gewisse Onlinekurse fanden, an denen sie teilgenommen hatten: ganz “harte” Seminare waren das gewesen: Mit zeitlicher Taktung, regelmäßigen. anspruchsvollen Aufgabenstellungen, deren Ergebnisse jedes Mal kontrolliert wurden, bevor die nächste Lektion freigeschaltet wurde.

finale-tweetAlso fast genau das Gegenteil dessen, was wir bei openreli so beabsichtigen.

Wir nahmen es mit Humor. Frei nach der Maxime: “Wir machen weiter! Auch wenn es keinen interessiert – wir ziehen es durch!” wollen wir den Prinzipien offenen, selbstbestimmten Lernens treu bleiben … naja, auch wenn wir beim nächsten openreli vielleicht eine weniger weitgefasste Themenstellung wählen.

Da gab es beim Abschlussmeeting bereits eine Reihe von Vorschlägen. Wie das bei uns inzwischen Brauch ist, werden wir die endgültige Thematik im Rahmen einer großangelegten Abstimmung festklopfen. Danach wird alles gut.

Und außerdem …

Wer die einschlägigen Statistiken kennt, weiß, dass bei allen sogenannten “massiven Onlinekursen” nur maximal zehn Prozent der Teilnehmenden zu Teilgebenden werden und sich aktiv beteiligen. Da liegen wir prozentual solide im Mittel. – Okay … man kann einen Kurs mit einhundert gemeldeten Teilnehmenden nicht mehr “massiven Onlinekurs” nennen, aber pfeif drauf.

Und außerdem …

… seht euch dieses Feedback und diese Rückmeldungen an:rueckmeldungen

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Religionspädagogische Notizen Unterrichtsideen

Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen

Im Hebräerbrief (11,1) steht: “Der Glaube ist die Konkretion (“hypostasis”) dessen, was man erhofft, es ist der Erweis dessen, was man nicht sieht”.
In diesem Sinne behandelten wir im Religionsunterricht 3./4. Klasse eine Frage, die im Religionsunterricht seltsam unterbelichtet wird: Worauf hoffen Christen eigentlich?

Dies geschah im Rahmen einer Jesus-Unterrichtseinheit. Als Aufhänger verwendete ich eine Szene aus dem Johannesevangelium. Ein paar Tage vor seinem Tod am Kreuz sitzt Jesus mit seinen Jüngern zusammen und teilt ihnen sein Vermächtnis mit. Unter anderem sagt er:

jesus-sw-bigErschreckt nicht, habt keine Angst. Vertraut auf Gott und vertraut auch auf mich: Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch sonst gesagt, dass ich weggehe, um dort einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und euren Platz bereitet habe, werde ich wiederkommen und euch mit mir nehmen, damit ihr da seid, wo ich bin.
(Joh 14,1-3)

Wir besprachen die Bedeutung der “Wohnungen im Haus meines Vaters” und sahen uns einige ganz unterschiedliche künstlerische Darstellungen dieser Wohnungen an. Danach begannen die Schülerinnen und Schüler, ihre persönliche Sicht bildlich zu Papier zu bringen. Hier eine Galerie:


Während des Malens forderten mich die Schülerinnen und Schüler auf, meine Vorstellung ebenfalls zu Papier zu bringen. Dieser Wunsch traf mich unvorbereitet. Ein Bild konnte ich nicht malen, weil sich manche meiner Vorstellungen nicht abbilden lassen.  Kneifen wollte ich aber auch nicht. Darum fügte ich ein “Annäherungsbild” von Tim White hinzu, zusammen mit einer Beschreibung meiner Vorstellung.

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Postings zu "Mary's Boychild" Unterrichtsideen

Maria-Geschichte vorläufig fertig

So – die Bio der Mutter Jesu ist vorläufig fertiggestellt und kann hier aufgerufen werden.

“Vorläufig” bedeutet: Sobald Fragen im Kommentarbereich gestellt werden, kann es zu Antworten und auch zu Text-Modifikationen kommen. Ob dies der Fall sein wird, entscheidet somit der engagiert Lesende.

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Allgemein digitales Relibuch Religionspädagogische Notizen Unterrichtsideen

Ausgegraben: Ein Schöpfungsbericht aus dem Jahr 2000

Habe gerade ein altes, von mir erstelltes Dokument aus dem Jahr 2000 wieder ausgegraben. Damals beschäftigte mich die Frage: Wie könnte der priesterschriftliche Schöpfungsbericht heutzutage aussehen? (Das ist jetzt schon wieder 15 Jahre her!)

Und noch eins: Die sieben Schöpfungsabschnitte sind nicht willkürlich gewählt. Sie markieren entscheidende Wendungen/Aspekte der (Schöpfungs-)Geschichte, die auch ganz anders hätten kommen können. Sie stellen also “unwahrscheinliche Zufälle” dar – bzw. Wunder, wenn man den Begriff verwenden mag.

„Genesis 2000“

I

Im Anfang schuf Gott Welt und Ewigkeit.

Und die Welt war wüst und leer: Zeit und Raum, Ursache und Wirkung waren noch nicht da. Gottes Geistbraus wehte über unvorstellbarer Tiefe.

Und Gott sprach: Es werde Licht! Und aus unendlicher Dichte und Winzigkeit heraus begann sich eine Wolke heißen Plasmas auszudehnen.

Und Gott sah, daß das Plasma gut war. Da ward aus Urblitz der Schöpfungsaugenblick.

II
Und Gott sprach: Die Kraft des Geistes entfessle neue Kräfte.

Und es geschah so.

Und Gott nannte sie Schwerkraft, elektromagnetische Energie, Starke Kraft und Schwache Kraft.

Und Gott sah, daß es gut war.

Und Gott legte die Macht dieser Krafte fest, so daß sie die Welt erhielten und nicht zerstörten.

Und es geschah so. Und diese Kräfte wurden zu Dienern Gottes.

Da ward aus dem Schöpfungsaugenblick die erste Nanosekunde.

III
Und Gott sprach: Es seien 10 Dimensionen, von denen sich vier entfalten, die da geben Raum und Zeit zur Abkühlung des Plasmas und zur Verklumpung der Materie.

Und es geschah so.

Und Gott nannte die Verklumpungen Atom, Wolke, Stern, Planet, Schwarzes Loch und Galaxie.

Da ward aus der ersten Nanosekunde der erste Moment.

IV
Und Gott sprach: Es bringen meine Diener ein Element hervor, das die Welt zum Leben erwecke.

Und sie versetzten Atomkerne in Schwingung, so daß das Element entstand und nicht wieder verloren ging. Und Gott sah, daß es gut war.

Und Gott nannte das Element Kohlenstoff.

Und der Kohlenstoff verband sich mit anderen Atomen und bildete Zucker in der Leere des Raumes. Und er verband sich mit weiteren Stoffen und bildete allerlei komplexe Moleküle.

Und so ward aus dem ersten Moment die erste Jahrmilliarde.

V
Und Gott sprach: Lasset uns das Leben erschaffen!

Und Gott verband die Kohlenstoff-Moleküle zu langen Ketten, die mit anderen Molekülen in Wechselwirkung traten und sich zu replizieren begannen.

Und Gott sah, daß es gut war.

Und Gott nannte die Kette Gen und segnete sie.

Und so ward aus der ersten Jahrmilliarde die Geburtsstunde des Lebens.

VI
Und Gott sprach: Es wimmle die Welt von allerlei Lebewesen, kleinen und großen, Pflanzen und Getier.

Und aus sich replizierenden Molekülen wurden Mikroorganismen, aus Mikroorganismen entstanden Pflanzen und Tiere.

Und Gott befahl seinen Dienern, die Planeten, auf denen sich Lebewesen entwickelten, behutsam umzuformen, so daß die Vielfalt der Arten durch Auslese und Anpassung ständig anstieg.

So entstanden immer neue, immer intelligentere Wesen, Tiere und Menschen.

Und die Menschen trugen Informationen nicht nur in ihren Genen, sondern auch in ihrem Gedächtnis, ihrer Sprache und ihren Liedern.

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.

Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

So ward aus der Geburtsstunde des Lebens die fünfzehnte Jahrmilliarde.

VII
Und Gott gebot seinen Dienern, dem Planeten Erde Ruhe zu geben für viele tausend Jahre. Und er selbst ruhte im siebten Schöpfungsabschnitt.

Da wurden die Menschen überaus zahlreich und mächtig und erfüllten die ganze Erde.

Und Gott sandte Boten zu ihnen und lehrte sie, daß eine heilige Zeit angebrochen sei, eine Zeit der Vollendung oder des Untergangs.

So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.

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Die sprechende Weihnachtskrippe

… ist ein Projekt, das die Klasse 3 meiner Grundschule im Dezember erarbeitet hat und das ich der Lerngruppe morgen früh, in der ersten Religionsstunde nach den Ferien, “digitally finalized” vorstellen werde.

Das Projekt kam unter einem gewissen Personal- und Termindruck zustande, wurde aber von Grund auf eingenständig erarbeitet.

Wir gingen dabei von anderen Weihnachtskrippen aus, wobei sich der Verdacht meiner Kollegin bestätigte, dass die Krippensymbolik von vielen Kindern nicht selbstverständlich aufgeschlüsselt werden kann, von Detailkenntnissen der Weihnchtsgeschichte ganz zu schweigen.

Statt eine Weihnachtszene selbst zu gestalten entschieden sich die SchülerInnen für eine Bearbeitung der in der Schule vorhandenen Weihnachtskrippe, die – so fanden sie heraus – nicht der Weihnachtsgeschichte entsprechend aufgestellt war. Also organisierten sie sie um.

Sie fotografierten die Szene (Drama, Baby!) mit einem Tablet.

Sie entwickelten die Texte der Beteiligten (außer Josef und dem Schaf, das mehr zufällig im Bild landete)

Sie zeichneten die gesprochenen Texte auf.

Die Umwandlung in diese Art Imagemap – es gibt noch eine wesentlich weniger aufwändige Power-Point-Version – erledigte ich.

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Unterrichtsbausteine Weihnachten / Maria, Grundschule

Aus der Heindl-Krippenausstellung St.Wendel
Aus der Heindl-Krippenausstellung St.Wendel

Vorweg

Kompetenzorientierter Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nach einem fertigen Rezept gehalten werden kann. Er muss sich an der Situation der Lerngruppe ausrichten, an Fragen wie:

  • Welche Ausgangskompetenzen bringen die SchülerInnen mit?
  • Welche Anforderungssituationen stellen für sie wirklich Anforderungen dar?
  • Welche Kompetenzen machen sie wirklich kompetenter?

Darum sollte eine Unterrichtseinheit stets offen gestaltet sein und erst aufgesetzt werden, nachdem eine Evaluation mit der entsprechenden Lerngruppe durchgeführt wurde.

Für alle Entwürfen bzw Materialien, die pauschal im Vorfeld des Unterrichts, religionsbuchmäßig vor einer Evaluation verfasst sind, gilt: Es kann sich nur um Bausteine handeln, um kleine Module, die möglichst vielseitig und variabel einsetzbar sind. Nichtsdestoweniger ist es, glaube ich, nicht schlecht, wenn sich der Verfasser solcher Bausteine eine (vielleicht schon in der Praxis erprobte) Vorstellung vom Ablauf der betreffenden Unterrichtseinheit gemacht hat.

Weihnachtseinheiten in der Grundschule

unterscheiden sich dadurch von dem restlichen Religionsstoff, dass die meisten Grundschüler jedes Jahr mit Weihnachtskram konfrontiert werden. Oft veranstaltet die Schule auch eine Weihnachtsfeier, in der von den SchülerInnen weihnachtsbezogene Stücke aufgeführt werden. Um das Thema für die Kinder nicht vollends totzunudeln ist es wichtig, in jedem Jahr unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen.

Die vorliegenden Weihnachts-Bausteine legen das Schwergewicht auf die Mutter Jesu – Mirjam/Maria.

Überblick

Ausgehend von der von Marion Holzhüter im Weblog zum Digitalen Religionsbuch entwickelten, grafischen Konzeptionstafel wird in der untenstehenden Grafik ein Überblick über mögliche Anforderungssituationen, Kompetenzen, Methoden und Materialien gegeben:

Ablaufskizze

Der Verlauf der Weihnachts-Einheit lässt sich (vor einer Anfangsevaluation) nicht wirklich voraussehen, aber ist dennoch nützlich, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die einzelnen Unterrichtsbausteine einsetzbar sind.

  1. Anforderungssituation: Begegnung der Kinder mit Weihnachtskrippen in der Vorweihnachtszeit
  2. Evaluation: Bei der Besichtigung einer Weihnachtskrippen-Galerie werden das Vorwissen der Kinder abgerufen und die Interessen für eine Gestaltung von weihnachtlichen Krippen/Szenen evaluiert.
  3. Lernprozess: Mögliche Varianten:
    – Der Weg von Maria und Josef zur Krippe (als Bilderserie)
    – Gestaltung einer “sprechenden Weihnachtskrippe”
    – Das Magnifikat: Worüber freut sich Maria an Weihnachten? Was ist das Besondere an ihrem Kind?
  4. Gestaltungsmöglichkeiten:
    Maria und Josefs Weg
    als (a) Fensterbilderserie, (b) Gemäldegalerie, (c) Comic, (d) Video-Bildergeschichte, (e) Weihnachtsspiel, etc.
    “Sprechende Weihnachtskrippe”
    als (a)[Thinglink-]Imagemap im Internet, (b) Online- oder Wandzeitung (Interviews mit den Beteiligten), (c) szenisch gestaltetes Krippenspiel (Reporterin interviewt die Krippenfiguren), (d) Mobile (mit Krippenfiguren und ihren Statements)(?)
    Das Magnifikat
    als (a) Gesangsstück (Moritat mit Bildern?), (b) Maria stellt Jesus vor (anhand eines Jesus-Bildes, mit verschiedenen Symbolen), (c) Erstellung einer Weihnachtslaterne, in der die Symbole des Sohnes von Maria dargestellt werden, etc.
    Je nach Struktur der Lerngruppe ist es möglich, arbeitsgruppenweise mehrere dieser Varianten zu beackern.
  5. Schluss-Evaluation

Soweit mal meine Überlegungen zum jetzigen Zeitpunkt. Feedback und weitere, kreative Vorschläge sind jederzeit willkommen!

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Programmiert statt geschaffen?

Jugendlicher, 16 Jahre:
Schule und all das ist doch öde. Meine Mutter will, dass ich mein frisch renoviertes Zimmer dekoriere und mit Kram vollhänge. Als ob mir daran was liegt. Beim Spielen, da fühle ich mich lebendig. Alles kriegt auf einmal seinen Sinn. Es ist nicht so, dass ich schwertschwingend durchs Spiel renne und alles kleinhacke, was sich bewegt. Ich habe ein paar Freunde. Wir marschieren gemeinsam. Wir verhalten uns, so gut es geht, verantwortungsvoll, helfen hilflosen Einsteigern und so. Gemeinsam kämpfen wir und bestehen viele Gefahren. Später sitzen wir am Lagerfeuer und haben eine gute Zeit. Ich kann nur sagen: Die Programmierer, die dieses Spiel codiert haben, sind echt genial.
Meine Mutter fragt mich: Wird dir das nicht langweilig, dieses ewige Gekämpfe, diese Schlachten? Sie hat ja keine Ahnung. Dieser Thrill, wenn du in Lebensgefahr bist, dieses herrliche Gefühl, überlebt und gesiegt zu haben – soviel Adrenalin und Endorphine gibt’s ja gar nicht sonst, im normalen Leben. Wenn ich meinen Computer ausschalten muss, dann gehen auch bei mir erst mal die Lichter aus.

Einst ging die Klarheit verloren, welche Konfession wir hatten.
Dann ging die Klarheit verloren, woran wir glaubten.
Nun geht die Klarheit verloren, wer wir sind.