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openreli2016: Tagungsdidaktik

Am Ende der zweiten, richtigen openreli-Woche schon mal ein kleines Zwischenfeedback: Alles läuft gut soweit, und besonders stolz bin ich auf meine pfälzischen Kolleginnen, die die Live-Konferenzen auch wirklich live besuchen und mitdiskutieren.

Allerdings führt diese Beobachtung auch gleich schon zu den beiden Problemen, die uns (auf der ALPIKA-Medien-Sitzung, die diese Woche in Villigst stattfand) auffielen:

  1. Geringe Teilnahme an den Live-Events
    Außer den Pfälzerinnen nahm kaum einer der eingeschriebenen 100 Newsletter-Abonnenten (bzw 29 openreli-Gruppen-Aktivisten bei rpi-virtuell)  an den Live-Sessions teil. (Einzige Ausnahme: Zu Insider-Star Khorchide kamen fast 20 Leute, karteileichewobei allerdings eine unbekannte Anzahl der Anwesenden (mindestens 10 am Ende seines Vortrages) nur noch als Karteileichen vorhanden waren). Wenn man berücksichtigt, welche Honorarsummen für die Live-Events geflossen sein müssen, und was für eine Vorarbeit in der Organisation der Vorträge steckt, stellt sich die Frage: Woran liegt es, dass diese durchweg interessanten “Shows” so schwach frequentiert werden?
    Vermutung 1: Es handelt sich um ein PR-Problem. Die Vorträge wurden nicht clever genug beworben.
    Vermutung 2: Es handelt sich um ein Online-Konferenz-Problem: Die Hemmschwelle, an Hangouts/Onlinemeetings teilzunehmen, ist für viele zu groß. Sie lehnen es ab.
    Vermutung 3: Es handelt sich um ein unbekanntes Problem.
    Wer eine einleuchtende(re) Erklärung für dieses rätselhafte Phänomen gefunden hat – bitte unten einen Kommentar schreiben. Das wäre sehr hilfreich!

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    • Tagungsdidkaktik
      Auf der ALPIKA-Sitzung wurde auch über die Art und Weise gesprochen, wie die Onlinekonferenzen bzw das Auftreten der Referenten gestaltet waren. Ich versuche unten einmal die unterschiedlichen “Shows” ohne Berücksichtigung ihrer thematischen Ausrichtung leicht überspitzt zu skizzieren:

    Die Lebenssituation von Jugendlichen (Prof. Dr. Hans Hobelsberger) am 18.2.16

    oder: Der Informationsdampfhammer

    In einem weit ausholendem Vortrag mit vielen, detailreichen, text- und diagrammlastigen Folien und zwei Filmen, mit denen er das Vermittelte zu bündeln versuchte, überschwemmte Prof. Hobelsberger sein Auditorium mit statistischen Auswertungen und Analysen. Deswegen kam er relativ spät zum Punkt, nämlich der religiösen Situation von Jugendlichen und denen daraus ableitbaren Konsequenzen für das kirchliche Handeln.

    Ein bischen ernüchternd war am Ende die Einsicht, dass es trotz all der gerade gehörten Evaluationen “den statistischen Schüler” nicht gibt.

    Gottes Spuren im Gehirn? (Michael Blume) am 19.2.16

    oder: Die Folienpresse

    Michael Blume vermittelte seine religionswissenschaftlichen Einsichten mit einem abwechslungs-, bilderreichen und sehr eloquenten Vortrag. Dabei berücksichtigte und beantwortete er permanent die im Chat aufkommenden Fragen. Er erwies sich allerdings auch als grandioser Reiter auf seinem Steckenpferd. Seine gefühlt mehr als 60 Folien presste er in einem energischen Endspurt in den vorgegebenen Zeitrahmen.

    Hat uns diese beschleunigte Wissensvermittlung auch klüger gemacht?

    Barmherzigkeit – Der verborgene Schlüssel für eine christlich-islamische Begegnung? (Prof. Mouhanad Khorchide) am 23.2.16

    oder: Der Hodscha erklärt sein System

    Der Theologe (das Wort muss man bei ihm fast im christlichen Sinne verstehen) und Islamwissenschaftler Khorchide verzichtete ganz auf Folien, so dass eine Situation entstand wie sintemals bei Jesus, dem seine Jünger zu Füßen saßen und ihm anbetungsvoll lauschten.
    Ich weiß nicht, ob die Hörer dieser Onlinekonferenz anbetungsvoll lauschten, denn auf unserer Tagung, auf welcher wir diesem Vortrag im Plenum folgen wollten, erhob sich nach 15 Minuten gegen die holprige Akustik und die (u.a. deshalb) schwer verständliche Sprache ein solcher Widerstand, dass der Ton abgedreht und anschließend kontrovers über den Nutzen und die Nachteile von Onlinekonferenzen diskutiert wurde.
    Währenddessen verfolgte ich den Chatverlauf, bei dem auffiel, dass im Gegensatz zu allen anderen Vorträgen keine einzige TeilnehmerInnenfrage gestellt wurde.

    War außer den Moderatoren keiner mehr da, oder hatten die ZuhörerInnen einen Grad von Erleuchtung erreicht, der alle Fragen hinter sich ließ? Ich habe keinen Schimmer.

    Spurensuche im Buddhismus (Werner Heidenreich) am 24.2.16

    oder: Leer(er), wie ich bin

    W. Heidenreich verzichtete sowohl auf Folien als auch auf einen Vortrag. Dieser “leere” Ansatz entspricht nicht nur seiner buddhistischen Philosophie, durch ihn ergab sich auch schlagartig eine Menge Gesprächsraum. Die buddhistische Spurensuche erhielt die Form einer Frage- und Antwortstunde, wobei Heidenreich sehr selbstsicher eingestand, wenn er etwas nicht wusste.
    Dies führte dazu, dass sich die TeilnehmerInnen intensiver als bei früheren Online-Meetings beteiligten und im Chat Fragen stellten. Durch dieses Q&A-Prinzip wurde auch die Show thematisch in klare Blöcke gegliedert, von denen man ausgehen konnte, dass sie die Zuhörerschaft wirklich interessierten.

    Ist keine Vortragsvorbereitung also die beste Vortragsvorbereitung?

    Lauter offene Fragen! Ich weiß wirklich nicht, welche “Vortrags”-Didaktik die beste war. Darum bitte ich euch, die geneigten LeserInnen, zur Abstimmung:

    Welcher Referent gefällt euch - in didaktischer Hinsicht - am besten?
    • Fuge deine Antwort hinzu

    Vielen Dank, dass du dich an der Abstimmung beteiligt hast!