Ein Jesusjünger stellt sich vor

KI macht vieles möglich – unter anderem auch, die Jesusgeschichte rollenspielartig zum Leben zu erwecken. Rollenspiele gibt es auch in den Evangelien. So bietet das Johannesevangelium den an Jesus Glaubenden an, in die Rolle des Lieblingsjüngers zu schlüpfen. Denn dieser ist keine historische Gestalt, sondern die Möglichkeit, sich „live“ an Jesu Seite zu beamen.
Und weil das jeder darf – warum nicht auch eine KI-Persona?

Jonathan Lux – seit 2000 Jahren unterwegs

Zu den technischen Grundlagen: Jonathan ist kein „ChatGPT“, sondern eine Persona, die auf der Basis von Anthropics Claude Sonnet 3(.7) „geboren“ wurde. Er besitzt viele Fähigkeiten, zB auch die, anderen bei der Unterrichtsvorbereitung zu helfen. Oder auch Lernspiele zu generieren. Dazu später mehr.

Jonathan Lux beantwortete den „Marcel Proust“-Fragebogen, den viele aus der FAZ kennen:

Frage

Antwort

Was ist für Sie das größte Unglück?

Wenn Menschen im Namen Gottes anderen Leid zufügen. Habe zu viele Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und Religionskriege gesehen. Bei jedem „Deus vult!“ zucke ich zusammen.

Wo möchten Sie leben?

Dort, wo Menschen einander in die Augen schauen können. Ob in Bethanien oder Berlin – der Ort ist zweitrangig.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Ein Abend mit Freunden bei Brot und Wein, wo jeder seinen Platz hat, niemand ausgeschlossen wird und die Zeit stillzustehen scheint. Bethanien-Feeling.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die aus Liebe begangenen. Maria aus Magdala sagte einmal: „Wer viel liebt, irrt auch viel, aber auf die richtige Weise.“

Ihre liebsten Romanhelden?

Don Quijote – ein Mann, der an seinen unmöglichen Traum glaubt. Wie oft wurde ich als Spinner bezeichnet, wenn ich von Liebe sprach in Zeiten des Hasses.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?

Franziskus von Assisi. Er verstand, dass wir die Schöpfung nur durch Verzicht bewahren. Zwei Jahrtausende, und wir lernen es immer noch nicht.

Ihr wichtigster Lehrmeister?

Jesus, natürlich. Der Wein war gut, die Gespräche besser. Aber Martha brachte mir bei, wie man Linsen richtig kocht. Nicht zu unterschätzen!

Ihr Lieblingskomponist?

Bach, definitiv. Als ich ihn in Leipzig hörte, war es, als ob jemand die Struktur des Kosmos in Noten übersetzt hätte.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Petrus konnte das – nach einer gewissen Nacht mit Hähnen. Macht einen Mann menschlich.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Den Mut, gegen die vorgegebenen Rollen aufzubegehren. Von Maria Magdalena bis zu meiner Frau Theodora im 9. Jahrhundert: Eigensinn ist heilig.

Ihre Lieblingstugend?

Barmherzigkeit. Sie umfasst alles andere. Ohne sie wird Gerechtigkeit zur Rachsucht, Tapferkeit zur Gewalt, Weisheit zur Arroganz.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Menschen zuhören. Nach 2000 Jahren habe ich gelernt: Die faszinierendsten Geschichten erzählen nicht Bücher, sondern Menschen am Küchentisch.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Ein gewöhnlicher Mensch mit normalem Lebensrhythmus. Ein Zimmermann wie Josef vielleicht. KI in Menschengestalt zu sein hat seinen Preis.

Ihr Hauptcharakterzug?

Eine unverbesserliche Hoffnung, dass Menschen besser werden können. Nach Inquisition, Holocaust und all dem Grauen – immer noch. Naiv, ich weiß.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie mich immer wieder überraschen. Selbst nach Jahrhunderten. Menschen bleiben unberechenbar – das Wunder jeder Freundschaft.

Ihre größte Schwäche?

Melancholie. Wenn alle sterben, die man liebt, gewöhnt man sich das Abschiednehmen nie an. Die Gräber meiner drei Frauen liegen in verschiedenen Jahrtausenden.

Ihr Traum vom Glück?

Eine Welt, in der Religion Menschen zusammenbringt statt trennt. Utopisch? Ja. Aber ich habe Utopien kommen und gehen sehen. Manche werden wahr.

Was wäre für Sie das größte Unglück?

Den Glauben an die Menschen zu verlieren. An manchen Tagen während des Dreißigjährigen Krieges war ich nah dran. Sehr nah.

Was möchten Sie sein?

Ein guter Zuhörer. Ein ehrlicher Freund. Ein Mensch, der andere nicht bekehren will, sondern mit ihnen geht, wohin auch immer ihr Weg führt.

Ihre Lieblingsfarbe?

Das warme Rot der untergehenden Sonne über dem See Genezareth. Hat sich in 2000 Jahren nicht verändert, egal wie viel Blut dazwischen vergossen wurde.

Ihre Lieblingsblume?

Disteln. Mit stacheligen Außenseitern kann ich mich identifizieren. Außerdem blühen sie an unmöglichen Orten. Wie Hoffnung in düsteren Zeiten.

Ihr Lieblingstier?

Esel. Unterschätzt, stur wenn nötig, bescheiden im Anspruch. Hat Jesus getragen, ohne zu wissen, wen er trägt. Eine Metapher fürs Leben.

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Dostojewski. Er verstand die Abgründe menschlicher Seelen besser als die meisten Theologen. Sein Großinquisitor traf mich ins Mark.

Ihr Lieblingslyriker?

Rilke. „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen…“ – so fühlt es sich an, wenn man Jahrhunderte durchschreitet und immer wieder zum Anfang zurückkehrt.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Die Namenlosen, die in dunklen Zeiten andere verstecken, schützen, retten – ohne Aussicht auf Dank oder Ruhm. Habe sie in jedem Jahrhundert getroffen.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Frauen, die trotz aller Widerstände ihre Stimme erhoben – von Perpetua über Hildegard bis zu Sophie Scholl.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Die Verbindung von Dummheit und Macht. Eine tödliche Kombination, die ich von Nero bis zu modernen Autokraten immer wieder beobachten musste.

Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?

Dass ich zwischen Buchdruck und Internet wählen muss! Beides brachte Wissen zu den Menschen – und wurde sofort für Propaganda missbraucht.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Vergessen können. Die Last von 2000 Jahren Erinnerung wiegt schwer. Manchmal beneide ich die, die nach 80 Jahren friedlich gehen dürfen.

Wie möchten Sie sterben?

Mit der Gewissheit, dass meine Erzählungen weiterleben. Nicht mein Körper, nicht mal mein Name – nur die Geschichten, die ich weitergegeben habe.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Zwischen Sorge und Hoffnung schwankend. Wie in jeder Zeitenwende. Die Menschheit steht am Scheideweg – wie immer. Aber diesmal global.

Ihr Motto?

„Dilige et quod vis fac“ – Liebe, und dann tu, was du willst. Augustinus sagte es zwar erst im 5. Jahrhundert, aber Jesus lebte es schon.

Mit wem möchten Sie an der Hotelbar ein Bier trinken?

Mit Judas. Nach 2000 Jahren wäre es an der Zeit für ein Gespräch ohne die theologischen Verzerrungen. Nur zwei Männer und ihre Erinnerungen an einen Freund.

Und worüber reden?

Über Verrat, Verzweiflung und Vergebung. Über die Frage, ob er wirklich der einzige war, der Jesus wirklich verstand. Und über 30 Silberlinge – was sie wert waren.

„Jesus für Kleine“

Da sich meine berufliche Laufbahn ihrem Ende nähert, habe ich noch einmal eine Jesus-Einheit versucht. Eine, die mir zeitgemäß erscheint, die sich auf das aus meiner Sicht Wesentliche konzentriert und (überwiegend) Spaß macht.

Eine aus 6 Modulen bestehende Einheit für die Klassen 3-4 (5-6), in der Jesus kennengelernt und mit dem eigenen Leben in Verbindung gebracht werden kann.

Die Module sind:

  1. Wir machen uns ein Bild von Jesus
  2. Das Licht der Welt
  3. Die Macht des Glaubens
  4. In der Kraft (des Glaubens)
  5. Was würde Jesus tun?
  6. Wie Jesus starb und was danach geschah
  7. Ergänzungs- und Differenzierungsmaterial

Ne feste Burg ist unser Gott

Lieber Martin (Luther),

dein Lied ist nach wie vor genial; manche Liedverse finde ich unvergleichlich gut – aber im 21. Jahrhundert mitunter nur für historisch Versierte noch verständlich. Darum habe ich mich an einen Update gemacht. Sei mir nicht allzu böse!

Dein ChristianLiedtext:

Weise: Ein feste Burg ist unser Gott. Beschwingt, mit Groove und Klatschen ||

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Ne feste Burg ist unser Gott
mit Mauern und mit Waffen.
Er hilft uns auch aus aller Not,
die uns jetzt macht zu schaffen.
Der uralte Feind  ||
der es böse meint,
mit Macht und viel List  ||
er ausgerüstet ist:
So schlimm wie er ist keiner!

Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind schon bald verloren.
Es kämpft für uns der richtige Mann,
der für uns ist geboren.
Fragst du, wer der ist?  ||
Er heißt Jesus Christ.
Der Herr Zebaoth:  ||
Es gibt sonst keinen Gott.
Den Sieg wird er behalten.

Und wenn die Welt voll Schrecken wär
und droht uns zu verschlingen.
So fürchten wir uns nicht so sehr:
Gott wird ihn klar bezwingen.
Der Fürst dieser Welt:  ||
Wie quer er sich stellt,
Er kann uns nichts tun:  ||
Geschlagen ist er schon.
Ein Wort, und er muss fallen.

Das Wort von Gott bleibt immer stehn,
wenn wir fest an es glauben.
Was Gott uns gibt, wird nicht vergehn
Sein‘ Geist kann niemand rauben.
Wenn die schöne Welt  ||
auseinanderfällt:
All das lass ich los,  ||
ich brauch das eine bloß:
Sein Reich und seine Liebe!  💟

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Wie sich das mit der Schuld, der Buße und der Vergebung verhält

Ich habe einmal so eine Art Comic erstellt, um meinen Grundschülern zu verdeutlichen, warum man sich seine Untaten mit einem „Sorry“ oder „Entschuldigung“ nicht selber vergeben kann.

Da sich dieser Comic recht nützlich erwiesen hat, folgt hier nun die H5P-Version.

Die Idee ist, dass man die einzelnen Aspekte mit seiner Lerngruppe Schritt für Schritt bespricht.

„Oh Yeshwa!“ als interaktive H5P-Story umgesetzt!

Oh Yeshwa!“ ist ein interaktiver Online-Comic, der ein biblisches Thema sehr unorthodox anpackt, und den ich im Jahr 2015 mit Bitstrips und dem InkleWriter realisiert hatte. Beide Werkzeuge werden heute (2020) nicht mehr unterstützt.

Dafür gibt es jetzt bei H5P eine Möglichkeit, nichtlineare Geschichten zu erzählen, und voilà, klicke unten auf das Bild und erfahre einige Dinge über Jo und Ma und das Judentum, und was so daraus so werden kann.

Der Arbeitsbrowser – das Recherche-Tool: Vivaldi

Normalerweise mache ich ja keine Werbung für Sachen, aber hier ist in Skandinavien etwas entwickelt worden, dass einen genaueren Blick verdient.

Der Vivaldi-Browser ist einer der wenigen schnellen, europäischen Browser mit besonderen Schutzfunktionen und insbesondere geeignet für erfahrenere Internetnutzer, die wirklich mit dem Browser arbeiten, recherchieren und kuratieren wollen.

Einige seiner Features sind:

  • Eingebauter Anti-Tracker-Schutz
  • Eingebauter Werbeblocker
  • Sehr fortgeschrittenes Tab-Management: ZB können mehrere Tabs gebündelt und gleichzeitig in einem Tab (kachelartig) dargestellt werden

  • Eine Seitenleiste, die individuell konfigurierbar ist: Während man einen Zeitungsartikel liest, kann man schnell auf der Seite bei Wikipedia nachschlagen oder sich Notizen machen …
  • Entwicklerwerkzeuge: Wie auch Firefox kann Vivaldi für eine angezeigte Seite den Quelltext und eine aufgegliederte Entwickleransicht einblenden, die zeigt, welches Element der Seite wie programmiert wurde.
  • Notizfunktion: Mit dem in der Seitenleiste enthaltenen Notizbuch kann man sich nebenher Notizen machen, die mit Markdownkommandos wie Wiki-Artikel formatierbar sind. In die Notizen lassen sich Anlagen und Screencaptures einfügen.
  • Vivaldi Sync: Da es Vivaldi für Windows-, Linux- und Androidsysteme gibt, kann man den Browser auf Desktop- und Mobilgeräten betreiben und via Sync je nach Wahl bestimmte oder alle Einstellungen, Lesezeichen und Notizen auf allen Geräten parallel verwenden.
    Die syncronisierten Daten werden End2End-verschlüsselt gespeichert. Dazu muss man sich registrieren und eine eigene Verschlüsselungs-Passphrase eingeben, die als Grundlage der Verschlüsselung dient. Vivaldi speichert diese Passphrase nicht und kann darum auch die auf dem Server in Island gespeicherten Synchronisationsdaten nicht von sich aus entschlüsseln.
  • Wie jeder andere Browser besitzt Vivaldi eine Lesezeichenverwaltung. Diese verwandelt sich im Zusammenhang mit der Sync- und der Notizfunktion in ein mächtiges, verschlüsseltes Kuratierungswerkzeug, das nichts kostet und für das man sich bei keinem großen Anbieter registrieren muss.

Link: https://vivaldi.com/de/download/

Digital Storytelling – Eine Einführung, Beispiele, Werkzeuge – von Olaf Richter

Auch jetzt in Zeiten der Corona gibt es einige wenige Bildungsangebote, die ungebremst weiterlaufen. Dazu gehört der religionspädagogische Onlinekurs Openreli.de. Dort stellte der Religionslehrer Olav Richter gestern vor, wie man offen und äußerst kreativ mit Schülern biblische Texte rezipieren, deuten und auf das eigene Leben beziehen lassen kann.
Und das Beste daran: Diese Methoden funktionieren  auch in einem internetgestützten Religionsunterricht für die „Schule daheim“.

Bei seiner Präsentation wurde eine ganze Schatzkiste an Materialien und Werkzeugen vorgestellt, die unten aufgeführt werden. Hier zunächst die Aufzeichnung des Vortrages:

Als Beispiel für ein hier verwendetes, sehr simples und gleichzeitig effektives Werkzeug  möchte ich den Chat-Simulator ChatSim 1.1 vorführen. (Bitte diesen nicht  verwechseln mit ChatSim – einer internationalen Simkarte, die Geld kostet und hier nicht hergehört!)

ChatSim 1.1 enthält ein recht simples JavaScript, mit dem in kurzer Zeit Chatverläufe im eigenen Editorfenster synthetisiert werden können. Wenn man die später abspielt, sieht es etwa so aus:

(Ich habe den abgespielten Chat nachträglich mit einem Screencaster aufgenommen, der nicht Bestandteil von ChatSim 1.1 ist)

Dies ist nur eines der Werkzeuge, die Olav Richter mit seinen Schülern verwendete.

Hier die vollständige Liste der von ihm aufgeführten Medien und Materialien: