Die sprechende Weihnachtskrippe

… ist ein Projekt, das die Klasse 3 meiner Grundschule im Dezember erarbeitet hat und das ich der Lerngruppe morgen früh, in der ersten Religionsstunde nach den Ferien, „digitally finalized“ vorstellen werde.

Das Projekt kam unter einem gewissen Personal- und Termindruck zustande, wurde aber von Grund auf eingenständig erarbeitet.

Wir gingen dabei von anderen Weihnachtskrippen aus, wobei sich der Verdacht meiner Kollegin bestätigte, dass die Krippensymbolik von vielen Kindern nicht selbstverständlich aufgeschlüsselt werden kann, von Detailkenntnissen der Weihnchtsgeschichte ganz zu schweigen.

Statt eine Weihnachtszene selbst zu gestalten entschieden sich die SchülerInnen für eine Bearbeitung der in der Schule vorhandenen Weihnachtskrippe, die – so fanden sie heraus – nicht der Weihnachtsgeschichte entsprechend aufgestellt war. Also organisierten sie sie um.

Sie fotografierten die Szene (Drama, Baby!) mit einem Tablet.

Sie entwickelten die Texte der Beteiligten (außer Josef und dem Schaf, das mehr zufällig im Bild landete)

Sie zeichneten die gesprochenen Texte auf.

Die Umwandlung in diese Art Imagemap – es gibt noch eine wesentlich weniger aufwändige Power-Point-Version – erledigte ich.

Wer ist Charlie?

Es ist logisch, dass auf ein abscheuliches Attentat gegen ein Satire- und Karikaturenmagazin mit durchgehend religionskritischem und teilweise religionsverhöhnenden Inhalten per Schlagzeile und Karikatur reagiert wird.

So ging eine eigentümliche Identifikation durchs Netz und alle Medien, ohne dass mir einer erklärt hätte, was dieser Satz genau bedeutet:

Die SPIEGEL-Redaktion ist Charlie

Ein bischen gleicht er der kryptischen Paulus-Maxime: „Wir sind alle in Christus“, wobei sich religionskritische Menschen (oder auch nur vernünftige) natürlich sofort fragen, wie das gehen soll.

So bietet „Je suis Charlie“ unterschiedliche Bedeutungsmöglichkeiten und Solidarisierungsgrade, zB

  • Ich trauere mit den Opfern der beiden Anschläge und bete für sie.
  • Ich bin von dem (ersten) Anschlag mitbetroffen, denn er richtet sich gegen die Pressefreiheit, eines der wichtigsten Rechte der modernen Welt.
  • Ich bin solidarisch mit allen unschuldigen Opfern des Terrorismus, besonders in Europa.
  • Ich mache auch Karikaturen, auch gern mit spitzen Bleistift und bin im Grunde wie Charlie Hebdo
  • Ich finde Religionen sch****e und finde, man sollte den deutschen Blasphemieparagraphen kippen, schon wegen Charlie Hebdo.

Usf.

Dann gab es aber eine Reihe von Leuten, die sich von Charlie Hebdo wirklich in ihren Gefühlen, ihrer Würde verletzt sahen, und die wollten nicht Charlie sein, sondern Ahmed:

i am not charlie

Und an dem Punkt wird für mich die Sache extrem religionspädagogisch, weil sich mir die Frage stellt: Wie weit darf Blasphemie gehen? Wäre es wirklich so eine Gute Idee, den deutschen Blasphemieparagraphen zu kippen?

Schließlich formierte sich auf Twitter eine „I am not Charlie“-Bewegung.

Unter diesem Motto sammelten sich die unterschiedlichsten Leute: Muslime natürlich, aber auch andere, die sich mit den, wie von vielen vorgewurfen wurde, rassistischen Karikaturen bei Charlie Hebdo nicht identifizieren wollten. Vielleicht hätte die CDU-Politikerin Erika Steinbach dies einfach retweeten sollen, statt sich mit einer eigenen Twitternachricht eine Anzeige eines Titanic-Chefredakteurs wegen „Verunglimpfung Verstorbener“ einzufangen.

Für Juden und Muslime entstand/entsteht eine besonders prekäre Situation.

Für die Juden, weil auch sie einerseits eine Zielscheibe für Charlie Hebdo abgaben bzw abgeben, weil sie jedoch andererseits von manchen „Je ne suis pas Charlie“-Muslimen fälschlicherweise als „vom Westen vor bissigen Karikaturen geschützt“ erklärt wurden, Besonders in Frankreich schlägt ihnen ein Hass entgegen, wie es ihn seit der Dreyfuss-Affäre nicht mehr gab.

Für die Muslime: Das macht am besten die folgende Karikatur deutlich:

Link zum Tweet ...
Muslime unter Kondolenzdruck 

Bin ich nun Charlie oder nicht?

Ich werde mal drüber schlafen. Sicher ist für mich nur eins:

So sieht Religion nicht aus.

 

Kleines Wörterbuch: Lernziel – Kompetenz – Könnensprofil

Aaaargh! Zeugnisse mit standardisierten Könnensprofilen!

Am Ende des Schuljahres 2013/14 werden die Grundschulen bezüglich der Klassenstufen 3 und 4 vor eine neuartige Entscheidung gestellt:

  • “Herkömmliches” Zeugnis mit Verbalbeurteilungen
  • Neuartiges Zeugnis mit “standardisierten, klassenstufeneinheitlichen Könnensprofilen”

Welches Schweinderl soll man nehmen? (Hier können Sie sich die Zeugnis-Vorlagen anschauen.)
Grundsätzlich muss man folgendes berücksichtigen:

  • Verbalbeurteilungs-Zeugnisse kosten viel Zeit und Aufwand beim Verfassen.
  • Das neue “standardisierte Könnensprofil”-Zeugnis kostet möglicherweise nicht weniger Aufwand:
  1. Wie man an den Zeugnisvorlagen erkennen kann, steht da nichts drin, denn die Fachkonferenzen der einzelnen Schulen sind aufgefordert, selbst standardisierte Könnensprofile zu erstellen.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man diese Aufgabe ernst nimmt, ist sie kaum lösbar. Denn wie soll man das im Fach Ev. Religion erworbene, im Teilrahmenplan durch sechs Kompetenzen umschriebene, mögliche Können der Schüler in ca. drei Sätzchen zusammenfassen?
  2. Der Aufwand der Erstellung von standardisierten Könnensprofilen lohnt sich wahrscheinlich nicht, da man im Kultusministerium nicht besonders glücklich darüber zu sein scheint, dass die Schulen jetzt nicht nur individuelle Beurteilungen verfassen, sondern nun auch eigenständig Standards für das Können ihrer Schüler definieren dürfen… und jede Schule definiert etwas anderes. Wie es aussieht, werden auch die Kirchen alles unternehmen, um diese Art der Bewertung (zumindest für das Fach Religion) zu Fall zu bringen.
    M.a.W.: Eine baldige Reform der Reform ist abzusehen.

Nachdem es Anfragen aus den Schulen bezüglich der Formulierung dieser “klassenstufeneinheitlich standardisierten Könnensprofile” gegeben hatte, setzten Anne Klaaßen, Dozentin beim RPI der EKHN, Gisela Scherer, RPZ Kaiserslautern und ich uns zusammen und versuchten eine Hilfestellung zu entwickeln.

Heraus kam dreierlei:

  1. Eine Hilfestellung für alle, die weiterhin Verbalbeurteilungen verwenden in Form einer umfangreichen Liste mit (auch für SchülerInnen) verständlich formulierten Könnensprofilen (!)
  2. Eine Hilfestellung für diejenigen, die sich schon für die Zeugnisversion mit “klassenstufeneinheitlich standardisierten Könnensprofilen” entschieden haben: Einige Formulierungen, in denen die zu erwerbenden Kompetenzen dieser Klassenstufen in einigermaßen verständlicher Form  enthalten sind.
  3. Ein Memorandum, in dem wir erklären, was Könnensprofile sind und begründen, warum “klassenstufeneinheitlich standardisierte Könnensprofile” Gift für den Religionsunterricht sind.
    Dieses Memorandum enthält auch die Hilfestellungen der Punkte 1. und 2.

Für Interessierte: Alle drei Punkte sind in diesem PDF-Dokument enthalten.

openreli 2014 – Mein Kursfeedback

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Openreli2014 ist rum!
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hält sich die Begeisterung der Veranstalter in Grenzen.

Wie bei einem Film-Remake

Wir, das Orga-Team, haben uns auch in diesen Kurs mit Begeisterung hineingestürzt – allerdings mit Abstrichen:

  • Einige sehr kreative Köpfe waren diesmal nicht dabei
  • Dadurch wurden auch so manche „Kreativbomben“ aus dem ersten Kurs nicht gezündet. ZB gab es keine Online-Andacht, keinen Multitrack-Onlinechor, keine Musikwerkstatt, …
  • Nach meinem Eindruck gingen wir alle die Sache etwas ruhiger an. Die ruhige Hand der Routine, bedingt durch den Erfolg von openreli 2013.
    Dadurch, scheint mir, traten gewisse strukturelle Probleme ans Tageslicht.
  • Die Online-Pionier-Nerds der ersten Stunde waren diesmal nicht unter den Teilgebenden. Sie wußten ja, wie es läuft, aus dem ersten Kurs. Stattdessen beteiligten sich Leute, die sich in technischer Hinsicht tendenziell überfordert fühlten.

Kurzum, es gab, wie bei einem Filmremake Abnutzungserscheinungen, obwohl wir die entscheidenden Kursbestandteile mit der gewohnten Verve vorantrieben. Aber wir konnten weniger Teilgebende mitreißen; die Arbeitsergebnisse fielen signifikant magerer aus als im ersten Kurs.

openreli2014 war nicht übel.

Zuviel Selbstkritik ist nicht angebracht, wie das Feedback zeigt. Es kann nicht darum gehen, das Projekt in den kommenden Jahren abzusagen. Aber wir sollten daran feilen und ein neues Konzept auf die Beine stellen.

Tops und Flops

Fangen wir mit den Flops an:

  • Bei den Arbeitsphasen mit „echten Teilnehmenden“ – also Nicht-Nerds oder Medenpädagogik-Profis – kam nicht besonders viel heraus. Trotz guten Willens und macher Versuche fühlten sich viele von der „Arbeitszeit im Vorweihnachtsstress“ überfordert.
  • Verglichen mit Gesumme von openreli2013 quer durch die sozialen Netzwerke herrschte eine fast unheimliche Ruhe in diesem Kurs.
  • Sehr viele Kursteilgebende wurden offenbar abgehängt von den Cracks und Nerds.
  • Es scheint auch keine richtigen Mega-Projekte zu geben, die durch diesen Kurs auf den Weg gebracht wurden.
    Was geschieht mit dem Digitalen Religionsbuch, dem Zauberding, das die Anfangsumfrage von openreli2014 dominierte? Keiner weiß es.

Tops:

  • Einzelne Projekte – insbesondere solche von Medienpädagogik-Profis, die in diesen Kurs eingebracht wurden, konnten wichtige Schritte vorangebracht werden und bleiben wohl auch über das Ende von openreli2014 hinaus erhalten.
  • Besonders wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang Michael Beisels Projekt Relibuch goes Smartphone, weil dieses eine Blaupause werden könnte für zukünftige internetgestützte, religionspädagogische OERs, die für mobile Geräte optimiert sind.
  • Auch Reinhard Webers bereits erprobte, für BBS ausgelegte Learning-Apps-Videoquizzes erscheinen mir angesichts der gegenwärtigen, technischen Voraussetzungen richtungsweisend.
  • Wie beim letzten Kurs wurden die Online-Meetings sehr positiv bewertet.
  • Der Kontakt der Teilgebenden mit den Möglichkeiten des Online-Lernens verlief ebenfalls überwiegend positiv.
  • Etliche Teilgebende konnten sich mit nützlichen, für sie neuartigen Tools und Gadgets vertraut machen.

Meine Verbesserungsvorschläge

Ich denke, dass die Probleme, die sich bei openreli2014 hervortaten, zT hausgemacht sind und im Grunde genommen schon bei oprenreli2013 vorhanden waren. Doch mit dem Elan der Pioniere und dem Charme des Neuen samt einer überfließenden Kreativität wurden sie derart zugedeckt, dass sie uns nicht deutlich genug auffielen, um daraus Konsequenzen zu ziehen.

Jetzt ist es an der Zeit, dies nachzuholen. Hier die Vorschläge im Einzelnen:

  • Mehr auf die Kursvoraussetzungen achten:
    Welche Leute sprechen wir an und welche brauchen hier erst gar nicht anzutreten? Es genügt nicht, einfach möglichst viele Adressaten erreichen zu wollen. Einige bringen nicht die erforderlichen Voraussetzungen mit.
  • Mehr auf die Anforderungen auchten, denen die Teilgebenden ausgesetzt sind.
    Wenn wir die treffen, dann läuft der Kurs fast schon von selbst!
  • Mehr darauf achten, welche Kompetenzen wir stärken wollen: Dabei ist Differenzierung angesagt: Nicht alle Teilgebende werden dadurch kompetenter, dass sie ein paar Wochen lang etwas für den Unterricht produzieren. Manche brauchen niedrigschwelligere Angebote, die einfach zu lösen und kurz getaktet sind. Es wäre schön, wenn es für diese Teilgebenden auch in der zweiten Kurshälfte noch einiges zu erleben oder zu tun gäbe.
  • Mehr (Mitmach-)Entertainment: Damit erinnere ich an die vielen Kreativideen aus openreli 2013. Kleine Musikprojekte, Spielprojekte, Probierprojekte, Info-Meetings, die vielleicht nicht ganz so bedeutsam, dafür eher unterhaltsam sind.
    Oder aber: Man könnte mal ein Projekt(chen) starten mit einem Beitrag aus relipuls.de und so aus dem vorhanden Ressourcenreichtum schöpfen.

So, das wars. Denn jetzt gerade beginnt das openreli2014-Abschlussmeeting!

Unterrichtsbausteine Weihnachten / Maria, Grundschule

Aus der Heindl-Krippenausstellung St.Wendel
Aus der Heindl-Krippenausstellung St.Wendel

Vorweg

Kompetenzorientierter Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nach einem fertigen Rezept gehalten werden kann. Er muss sich an der Situation der Lerngruppe ausrichten, an Fragen wie:

  • Welche Ausgangskompetenzen bringen die SchülerInnen mit?
  • Welche Anforderungssituationen stellen für sie wirklich Anforderungen dar?
  • Welche Kompetenzen machen sie wirklich kompetenter?

Darum sollte eine Unterrichtseinheit stets offen gestaltet sein und erst aufgesetzt werden, nachdem eine Evaluation mit der entsprechenden Lerngruppe durchgeführt wurde.

Für alle Entwürfen bzw Materialien, die pauschal im Vorfeld des Unterrichts, religionsbuchmäßig vor einer Evaluation verfasst sind, gilt: Es kann sich nur um Bausteine handeln, um kleine Module, die möglichst vielseitig und variabel einsetzbar sind. Nichtsdestoweniger ist es, glaube ich, nicht schlecht, wenn sich der Verfasser solcher Bausteine eine (vielleicht schon in der Praxis erprobte) Vorstellung vom Ablauf der betreffenden Unterrichtseinheit gemacht hat.

Weihnachtseinheiten in der Grundschule

unterscheiden sich dadurch von dem restlichen Religionsstoff, dass die meisten Grundschüler jedes Jahr mit Weihnachtskram konfrontiert werden. Oft veranstaltet die Schule auch eine Weihnachtsfeier, in der von den SchülerInnen weihnachtsbezogene Stücke aufgeführt werden. Um das Thema für die Kinder nicht vollends totzunudeln ist es wichtig, in jedem Jahr unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen.

Die vorliegenden Weihnachts-Bausteine legen das Schwergewicht auf die Mutter Jesu – Mirjam/Maria.

Überblick

Ausgehend von der von Marion Holzhüter im Weblog zum Digitalen Religionsbuch entwickelten, grafischen Konzeptionstafel wird in der untenstehenden Grafik ein Überblick über mögliche Anforderungssituationen, Kompetenzen, Methoden und Materialien gegeben:

Ablaufskizze

Der Verlauf der Weihnachts-Einheit lässt sich (vor einer Anfangsevaluation) nicht wirklich voraussehen, aber ist dennoch nützlich, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die einzelnen Unterrichtsbausteine einsetzbar sind.

  1. Anforderungssituation: Begegnung der Kinder mit Weihnachtskrippen in der Vorweihnachtszeit
  2. Evaluation: Bei der Besichtigung einer Weihnachtskrippen-Galerie werden das Vorwissen der Kinder abgerufen und die Interessen für eine Gestaltung von weihnachtlichen Krippen/Szenen evaluiert.
  3. Lernprozess: Mögliche Varianten:
    – Der Weg von Maria und Josef zur Krippe (als Bilderserie)
    – Gestaltung einer „sprechenden Weihnachtskrippe“
    – Das Magnifikat: Worüber freut sich Maria an Weihnachten? Was ist das Besondere an ihrem Kind?
  4. Gestaltungsmöglichkeiten:
    Maria und Josefs Weg
    als (a) Fensterbilderserie, (b) Gemäldegalerie, (c) Comic, (d) Video-Bildergeschichte, (e) Weihnachtsspiel, etc.
    „Sprechende Weihnachtskrippe“
    als (a)[Thinglink-]Imagemap im Internet, (b) Online- oder Wandzeitung (Interviews mit den Beteiligten), (c) szenisch gestaltetes Krippenspiel (Reporterin interviewt die Krippenfiguren), (d) Mobile (mit Krippenfiguren und ihren Statements)(?)
    Das Magnifikat
    als (a) Gesangsstück (Moritat mit Bildern?), (b) Maria stellt Jesus vor (anhand eines Jesus-Bildes, mit verschiedenen Symbolen), (c) Erstellung einer Weihnachtslaterne, in der die Symbole des Sohnes von Maria dargestellt werden, etc.
    Je nach Struktur der Lerngruppe ist es möglich, arbeitsgruppenweise mehrere dieser Varianten zu beackern.
  5. Schluss-Evaluation

Soweit mal meine Überlegungen zum jetzigen Zeitpunkt. Feedback und weitere, kreative Vorschläge sind jederzeit willkommen!

Programmiert statt geschaffen?

Jugendlicher, 16 Jahre:
Schule und all das ist doch öde. Meine Mutter will, dass ich mein frisch renoviertes Zimmer dekoriere und mit Kram vollhänge. Als ob mir daran was liegt. Beim Spielen, da fühle ich mich lebendig. Alles kriegt auf einmal seinen Sinn. Es ist nicht so, dass ich schwertschwingend durchs Spiel renne und alles kleinhacke, was sich bewegt. Ich habe ein paar Freunde. Wir marschieren gemeinsam. Wir verhalten uns, so gut es geht, verantwortungsvoll, helfen hilflosen Einsteigern und so. Gemeinsam kämpfen wir und bestehen viele Gefahren. Später sitzen wir am Lagerfeuer und haben eine gute Zeit. Ich kann nur sagen: Die Programmierer, die dieses Spiel codiert haben, sind echt genial.
Meine Mutter fragt mich: Wird dir das nicht langweilig, dieses ewige Gekämpfe, diese Schlachten? Sie hat ja keine Ahnung. Dieser Thrill, wenn du in Lebensgefahr bist, dieses herrliche Gefühl, überlebt und gesiegt zu haben – soviel Adrenalin und Endorphine gibt’s ja gar nicht sonst, im normalen Leben. Wenn ich meinen Computer ausschalten muss, dann gehen auch bei mir erst mal die Lichter aus.

Einst ging die Klarheit verloren, welche Konfession wir hatten.
Dann ging die Klarheit verloren, woran wir glaubten.
Nun geht die Klarheit verloren, wer wir sind.