openreli 2014 – Mein Kursfeedback

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Openreli2014 ist rum!
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hält sich die Begeisterung der Veranstalter in Grenzen.

Wie bei einem Film-Remake

Wir, das Orga-Team, haben uns auch in diesen Kurs mit Begeisterung hineingestürzt – allerdings mit Abstrichen:

  • Einige sehr kreative Köpfe waren diesmal nicht dabei
  • Dadurch wurden auch so manche „Kreativbomben“ aus dem ersten Kurs nicht gezündet. ZB gab es keine Online-Andacht, keinen Multitrack-Onlinechor, keine Musikwerkstatt, …
  • Nach meinem Eindruck gingen wir alle die Sache etwas ruhiger an. Die ruhige Hand der Routine, bedingt durch den Erfolg von openreli 2013.
    Dadurch, scheint mir, traten gewisse strukturelle Probleme ans Tageslicht.
  • Die Online-Pionier-Nerds der ersten Stunde waren diesmal nicht unter den Teilgebenden. Sie wußten ja, wie es läuft, aus dem ersten Kurs. Stattdessen beteiligten sich Leute, die sich in technischer Hinsicht tendenziell überfordert fühlten.

Kurzum, es gab, wie bei einem Filmremake Abnutzungserscheinungen, obwohl wir die entscheidenden Kursbestandteile mit der gewohnten Verve vorantrieben. Aber wir konnten weniger Teilgebende mitreißen; die Arbeitsergebnisse fielen signifikant magerer aus als im ersten Kurs.

openreli2014 war nicht übel.

Zuviel Selbstkritik ist nicht angebracht, wie das Feedback zeigt. Es kann nicht darum gehen, das Projekt in den kommenden Jahren abzusagen. Aber wir sollten daran feilen und ein neues Konzept auf die Beine stellen.

Tops und Flops

Fangen wir mit den Flops an:

  • Bei den Arbeitsphasen mit „echten Teilnehmenden“ – also Nicht-Nerds oder Medenpädagogik-Profis – kam nicht besonders viel heraus. Trotz guten Willens und macher Versuche fühlten sich viele von der „Arbeitszeit im Vorweihnachtsstress“ überfordert.
  • Verglichen mit Gesumme von openreli2013 quer durch die sozialen Netzwerke herrschte eine fast unheimliche Ruhe in diesem Kurs.
  • Sehr viele Kursteilgebende wurden offenbar abgehängt von den Cracks und Nerds.
  • Es scheint auch keine richtigen Mega-Projekte zu geben, die durch diesen Kurs auf den Weg gebracht wurden.
    Was geschieht mit dem Digitalen Religionsbuch, dem Zauberding, das die Anfangsumfrage von openreli2014 dominierte? Keiner weiß es.

Tops:

  • Einzelne Projekte – insbesondere solche von Medienpädagogik-Profis, die in diesen Kurs eingebracht wurden, konnten wichtige Schritte vorangebracht werden und bleiben wohl auch über das Ende von openreli2014 hinaus erhalten.
  • Besonders wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang Michael Beisels Projekt Relibuch goes Smartphone, weil dieses eine Blaupause werden könnte für zukünftige internetgestützte, religionspädagogische OERs, die für mobile Geräte optimiert sind.
  • Auch Reinhard Webers bereits erprobte, für BBS ausgelegte Learning-Apps-Videoquizzes erscheinen mir angesichts der gegenwärtigen, technischen Voraussetzungen richtungsweisend.
  • Wie beim letzten Kurs wurden die Online-Meetings sehr positiv bewertet.
  • Der Kontakt der Teilgebenden mit den Möglichkeiten des Online-Lernens verlief ebenfalls überwiegend positiv.
  • Etliche Teilgebende konnten sich mit nützlichen, für sie neuartigen Tools und Gadgets vertraut machen.

Meine Verbesserungsvorschläge

Ich denke, dass die Probleme, die sich bei openreli2014 hervortaten, zT hausgemacht sind und im Grunde genommen schon bei oprenreli2013 vorhanden waren. Doch mit dem Elan der Pioniere und dem Charme des Neuen samt einer überfließenden Kreativität wurden sie derart zugedeckt, dass sie uns nicht deutlich genug auffielen, um daraus Konsequenzen zu ziehen.

Jetzt ist es an der Zeit, dies nachzuholen. Hier die Vorschläge im Einzelnen:

  • Mehr auf die Kursvoraussetzungen achten:
    Welche Leute sprechen wir an und welche brauchen hier erst gar nicht anzutreten? Es genügt nicht, einfach möglichst viele Adressaten erreichen zu wollen. Einige bringen nicht die erforderlichen Voraussetzungen mit.
  • Mehr auf die Anforderungen auchten, denen die Teilgebenden ausgesetzt sind.
    Wenn wir die treffen, dann läuft der Kurs fast schon von selbst!
  • Mehr darauf achten, welche Kompetenzen wir stärken wollen: Dabei ist Differenzierung angesagt: Nicht alle Teilgebende werden dadurch kompetenter, dass sie ein paar Wochen lang etwas für den Unterricht produzieren. Manche brauchen niedrigschwelligere Angebote, die einfach zu lösen und kurz getaktet sind. Es wäre schön, wenn es für diese Teilgebenden auch in der zweiten Kurshälfte noch einiges zu erleben oder zu tun gäbe.
  • Mehr (Mitmach-)Entertainment: Damit erinnere ich an die vielen Kreativideen aus openreli 2013. Kleine Musikprojekte, Spielprojekte, Probierprojekte, Info-Meetings, die vielleicht nicht ganz so bedeutsam, dafür eher unterhaltsam sind.
    Oder aber: Man könnte mal ein Projekt(chen) starten mit einem Beitrag aus relipuls.de und so aus dem vorhanden Ressourcenreichtum schöpfen.

So, das wars. Denn jetzt gerade beginnt das openreli2014-Abschlussmeeting!

Unterrichtsbausteine Weihnachten / Maria, Grundschule

Aus der Heindl-Krippenausstellung St.Wendel
Aus der Heindl-Krippenausstellung St.Wendel

Vorweg

Kompetenzorientierter Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nach einem fertigen Rezept gehalten werden kann. Er muss sich an der Situation der Lerngruppe ausrichten, an Fragen wie:

  • Welche Ausgangskompetenzen bringen die SchülerInnen mit?
  • Welche Anforderungssituationen stellen für sie wirklich Anforderungen dar?
  • Welche Kompetenzen machen sie wirklich kompetenter?

Darum sollte eine Unterrichtseinheit stets offen gestaltet sein und erst aufgesetzt werden, nachdem eine Evaluation mit der entsprechenden Lerngruppe durchgeführt wurde.

Für alle Entwürfen bzw Materialien, die pauschal im Vorfeld des Unterrichts, religionsbuchmäßig vor einer Evaluation verfasst sind, gilt: Es kann sich nur um Bausteine handeln, um kleine Module, die möglichst vielseitig und variabel einsetzbar sind. Nichtsdestoweniger ist es, glaube ich, nicht schlecht, wenn sich der Verfasser solcher Bausteine eine (vielleicht schon in der Praxis erprobte) Vorstellung vom Ablauf der betreffenden Unterrichtseinheit gemacht hat.

Weihnachtseinheiten in der Grundschule

unterscheiden sich dadurch von dem restlichen Religionsstoff, dass die meisten Grundschüler jedes Jahr mit Weihnachtskram konfrontiert werden. Oft veranstaltet die Schule auch eine Weihnachtsfeier, in der von den SchülerInnen weihnachtsbezogene Stücke aufgeführt werden. Um das Thema für die Kinder nicht vollends totzunudeln ist es wichtig, in jedem Jahr unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen.

Die vorliegenden Weihnachts-Bausteine legen das Schwergewicht auf die Mutter Jesu – Mirjam/Maria.

Überblick

Ausgehend von der von Marion Holzhüter im Weblog zum Digitalen Religionsbuch entwickelten, grafischen Konzeptionstafel wird in der untenstehenden Grafik ein Überblick über mögliche Anforderungssituationen, Kompetenzen, Methoden und Materialien gegeben:

Ablaufskizze

Der Verlauf der Weihnachts-Einheit lässt sich (vor einer Anfangsevaluation) nicht wirklich voraussehen, aber ist dennoch nützlich, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die einzelnen Unterrichtsbausteine einsetzbar sind.

  1. Anforderungssituation: Begegnung der Kinder mit Weihnachtskrippen in der Vorweihnachtszeit
  2. Evaluation: Bei der Besichtigung einer Weihnachtskrippen-Galerie werden das Vorwissen der Kinder abgerufen und die Interessen für eine Gestaltung von weihnachtlichen Krippen/Szenen evaluiert.
  3. Lernprozess: Mögliche Varianten:
    – Der Weg von Maria und Josef zur Krippe (als Bilderserie)
    – Gestaltung einer „sprechenden Weihnachtskrippe“
    – Das Magnifikat: Worüber freut sich Maria an Weihnachten? Was ist das Besondere an ihrem Kind?
  4. Gestaltungsmöglichkeiten:
    Maria und Josefs Weg
    als (a) Fensterbilderserie, (b) Gemäldegalerie, (c) Comic, (d) Video-Bildergeschichte, (e) Weihnachtsspiel, etc.
    „Sprechende Weihnachtskrippe“
    als (a)[Thinglink-]Imagemap im Internet, (b) Online- oder Wandzeitung (Interviews mit den Beteiligten), (c) szenisch gestaltetes Krippenspiel (Reporterin interviewt die Krippenfiguren), (d) Mobile (mit Krippenfiguren und ihren Statements)(?)
    Das Magnifikat
    als (a) Gesangsstück (Moritat mit Bildern?), (b) Maria stellt Jesus vor (anhand eines Jesus-Bildes, mit verschiedenen Symbolen), (c) Erstellung einer Weihnachtslaterne, in der die Symbole des Sohnes von Maria dargestellt werden, etc.
    Je nach Struktur der Lerngruppe ist es möglich, arbeitsgruppenweise mehrere dieser Varianten zu beackern.
  5. Schluss-Evaluation

Soweit mal meine Überlegungen zum jetzigen Zeitpunkt. Feedback und weitere, kreative Vorschläge sind jederzeit willkommen!

Programmiert statt geschaffen?

Jugendlicher, 16 Jahre:
Schule und all das ist doch öde. Meine Mutter will, dass ich mein frisch renoviertes Zimmer dekoriere und mit Kram vollhänge. Als ob mir daran was liegt. Beim Spielen, da fühle ich mich lebendig. Alles kriegt auf einmal seinen Sinn. Es ist nicht so, dass ich schwertschwingend durchs Spiel renne und alles kleinhacke, was sich bewegt. Ich habe ein paar Freunde. Wir marschieren gemeinsam. Wir verhalten uns, so gut es geht, verantwortungsvoll, helfen hilflosen Einsteigern und so. Gemeinsam kämpfen wir und bestehen viele Gefahren. Später sitzen wir am Lagerfeuer und haben eine gute Zeit. Ich kann nur sagen: Die Programmierer, die dieses Spiel codiert haben, sind echt genial.
Meine Mutter fragt mich: Wird dir das nicht langweilig, dieses ewige Gekämpfe, diese Schlachten? Sie hat ja keine Ahnung. Dieser Thrill, wenn du in Lebensgefahr bist, dieses herrliche Gefühl, überlebt und gesiegt zu haben – soviel Adrenalin und Endorphine gibt’s ja gar nicht sonst, im normalen Leben. Wenn ich meinen Computer ausschalten muss, dann gehen auch bei mir erst mal die Lichter aus.

Einst ging die Klarheit verloren, welche Konfession wir hatten.
Dann ging die Klarheit verloren, woran wir glaubten.
Nun geht die Klarheit verloren, wer wir sind.

relipuls statt Digitales Religionsbuch?

Kaum zu glauben!

Openreli2014 läuft. Im Eröffnungshangout waren ca. 20% der angemeldeten openreli’er dabei, und von denen interessierten sich ca. 50% für das Digitale Religionsbuch – dies ist mit Abstand das interessanteste Thema – jedenfalls laut Umfrage.

Das Digitale Religionsbuch (DR) stand von Anfang an auf der Agenda von openreli2014, denn seine Entwicklung war das greifbarste Kursergebnis von openreli2013. Am Ende des MOOCs gab es eine tiefgreifende, theoretische Diskussion darum, wie kompetenzorientierte Einheiten im DR  gefeatured werden sollten. Nur: irgendwie ebbte die Begeisterung – und die Diskussion nach dem Ende von openreli2013 schnell ab – und dann kam für lange Zeit fast nichts mehr.

Stattdessen tauchte plötzlich relipuls wie ein Stern am Himmel des Orients auf, dem die Weisen bekanntlich folgen. Relipuls liefert auf der Basis aktueller Pressemeldungen oder aktueller Ideen der Redakteure Impulse – man könnte auch sagen: Anforderungssituationen, die hervorragend als Einstieg zu bestimmten Unterrichtssequenzen geeignet sind -, dazu ein paar Vorschläge zur Weiterarbeit, ganz ähnlich wie es auch der religionspädagogische Blog aus Thüringen und Sachsen Anhalt, web.competent, tut. Was fehlt, ist die Reflexion, die überaus knifflige, kompetenzorientierte Weiterentwicklung solcher Anfangsknaller – also die Überlegung: Wo soll das alles enden? Welche Kompentenzen sollen die Schülerinnen und Schüler erwerben, welche Wege sollen sie bis dorthin zurücklegen und welche Mittel dabei einsetzen?

Mir stellt sich die Sache so dar: Zu Beginn von openreli2014 haben wir zwei Spatzen in der Hand und eine Taube auf dem Dach:

Die Spatzen in der Hand
sind gut einsetzbar. Schüler springen darauf an. Es gibt Diskussionsstoff – aber reicht das für mehr als für eine Vertretungsstunde? Wenn ja, dann muss die Lehrkraft aus eigener Kraft weiterarbeiten, muss auswerten, wie die SchülerInnen auf den Anfangsimpuls reagierten, feststellen, welches Vorwissen vorhanden ist und welche Einstellungen. Auf dieser Wissensbasis kann die Lehrkraft die noch fehlenden von den schon vorhandenen Kompetenzen unterscheiden und die Weichen für den weiteren Unterricht stellen. Das ist wunderbar kompetenzorientiert, aber ganz schön aufwändig.

Die Taube auf dem Dach
Wie schön wäre es darum, wenn es ein Buch gäbe, das mir den ganzen Aufwand ersparte! Ein Buch, das mich Lehrkraft mit sicherem Schritt durch die tückischen Fährnisse der Kompetenzorientierung leitet, das zur rechten Zeit die richtige Methode und das passende Material liefert, so dass ein offener, schülerbezogener Unterricht quasi aus der Retorte hervorgezaubert werden kann.

Ach, das wäre schön.

Aber je länger ich die Entwicklung des DR (durchaus wohlwollend) beobachte und begleite: Ich fürchte, so wird das nichts.

Meine Begründung:

Im Gegensatz zu professionellen, bezahlten Religionsbuch-Entwicklern kann das Häuflein von OER-Produzenten nicht die Zeit und die Mühe aufbrignen, richtig große, dazu differenzierte und offene Konzepte zu entwickeln. Auch in der vierzehntägigen openreli-Produktionsphase werden wohl eher kleine Brötchen gebacken werden. Meistens ist es eine Idee, die didaktisch, auch kompetenzorientiert, umgesetzt wird. Heraus kommen nicht die großen Würfe, sondern die kleinen Bits.

Vielleicht sollte man sich damit zufrieden geben. Denn kompetenzorientierter Unterricht ist schon von seiner Natur her in höchstem Maße flexibel und differenziert anzulegen: Im Fach Religion lässt sich der Verlauf einer solchen Unterrichtseinheit gar nicht wirklich vorhersehen, was auch meistens dazu führt, dass die Religionslehrkräfte irgendwann vom Stoff der (bisher noch papierenen) Religionsbücher abweichen und zu selbst gewählten oder erzeugten Materialien bzw Methoden greifen.

Vielleicht sollten wir uns auf diese Bits konzentrieren, wenn wir im Rahmen von openreli am DR weiterwerkeln. Gut wäre es allerdings, wenn wir unsere Bits mit Anschlussmöglichkeiten versehen, also angeben, in welchen Zusammenhängen sie eingesetzt werden können. Vielleicht kommt ja eines Tages ein echter Pipeliner, der die Bits genial zu kompetenzorientierten Lernprozess-Stützen zusammensteckt.
Das Angeben der Anschlussmöglichkeiten ist auch nützlich für die Auffindbarkeit der Materialien. Denn was in relipuls und in web.competent veröffentlicht wird, landet auch im rpi-virtuell Materialpool und ist dort trefflich verschlagwortet. Dieser Materialpool, ein gigantisch starkes Werkzeug, hat zZ den Nachteil, nicht „responsive“, also für mobile Geräte anpassbar zu sein. Ich finde, ein DR muss unbedingt eine responsive Zugriffsmöglichkeit auf den Materialpool enthalten, ebenso wie jedes gute Religionsbuch einen thematischen und lexikaischen Index enthält.

Ich komme zum Schluss:

  1. Es ist schön, wenn das DR intensive Reflexionen, Tipps und fortlaufende Diskussionen über guten, komptenzorientierten Religionsunterricht enthält.
  2. Neben diesen Reflexionen sollten im digitalen Religionsbuch all die vielen Entwürfe, Impulse und Ideen gesammelt werden, die schon im Umlauf sind, selbst wenn diese keine kompletten Unterrichtseinheiten darstellen.
  3. Ganz wichtig scheint mir eine exzellente Nachschlagefunktion zu sein: Wer das DR benutzen will, fragt entweder nach einer Kompetzenz oder einem Thema, einer Bibelstelle oder einer zu behandelnden Person: Da muss die Suchfunktion differenzierte Antworten liefern.

Kurzum: Wenn das DR in openreli2014 wirklich die Rolle spielen soll, die es in den Augen der Teilnehmgebenden derzeit besitzt, dann sollten wir den Griff zu den Spatzen in der Hand, zu den kleinen Brötchen wagen und das Buch endlich mit Inhalten auffüllen.

Glauben auf der Kippe

Ich durfte heute eine sehr inspirierende Fortbildung meines Kollegen Uwe Schutte zum Thema Hiob miterleben. Als ich dann noch sah, dass bei Relipuls wieder ein neuer Puls gepulst worden war, als mir überdies dämmerte, dass die Hiob-Thematik auch was mit GlaubWürdig zu tun hat, da brannte mir die Sicherung durch, und heraus kam der untenstehende (Im)Puls.

So take it or leave it. Wohl dem, der was damit anfangen kann.

Marys Boychild 01 – Vorüberlegungen

(Als Ouverture zwei Marien-Filme, die, sagen wir mal, in gleicher Weise musikalisch berührend und sachlich präzise sind. 😉

Die Erarbeitung von Unterrichtsideen zum Thema „Maria“ ist nicht gerade eine Herzensangelegenheit von mir. Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde: Im Kreis meiner pfälzischen Kollegen besteht von Jahr zu Jahr die Verlegenheit, eine nicht ganz abgelutschte Weihnachtsveranstaltung als Lehrerfortbildung zu realisieren. Da meine Grundschüler und ich das Thema „Jesus“ aus der Perspektive seiner Jünger sehr lange bearbeitet hatten, hatte ich über die Mutter Jesu ein bischen Stoff in eine Geschichte gefasst (die allerdings erst mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel begann).

Da sich auch Katholiken in meiner Lerngruppe aufhalten, wollte ich ein protestantisch-aufgeklärtes „wir dekonstruieren das Maria-Mutter-Gottes-Bild“ vermeiden, aber gleichzeitig ehrlich und authentisch bleiben. An dieser Stelle liegt sozusagen meine persönliche Anforderungssituation als Theologe und kirchlicher Mitarbeiter. Anders ausgedrückt: Bisher dachte ich, dass es im Grunde nur einen großen Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten gäbe (→Amtsverständnis), aber als mir mein katholischer Kollege aus der Südpfalz klar machte, was katholische Kirchenlehre bezüglich der Mutter Jesu ist, ähem … da kam mir eine ziemlich bizarre Unterrichtsidee für Sek II in den Sinn.

Der Plan

Mein Plan ist es, bis Herbst 2015 eine bzw drei weihnachtliche Unterrichtseinheiten zu entwickeln, bei der Maria, ihr Sohnemann, alles, was mit denen so zusammenhängt, und deren Nutzen für interessierte SchülerInnen die Hauptrollen spielen.

Zur Zeit bin ich noch schwer am Recherchieren und Forschen. Meine Hauptquellen sind zZ das von Manfred Spieß empfohlene Heft „Maria“ aus der Zeitschrift „Bibel und Kirche“ und das Büchlein „Mutter Mirjam“ von Schalom ben Chorin. Kann gut sein, dass das eine oder andere informative oder inspirative Werk noch hinzukommt.
Wenn Ihr dazu Vorschläge habt, schreibt sie bitte unten in den Kommentar.

Parallel zu diesen Recherchen ging aus Gesprächen mit Kollegen ein paar Einsichten hervor:

  • Eine theologisch saubere Weihnachtseinheit mit Maria in einer Hauptrolle sollte in allen Schulstufen den Sohn Gottes als Mittelpunkt haben: Durch ihn erhält Maria ihre Bedeutung, und nicht sie, sondern er kam an Weihnachten auf die Welt.
  • Sinnvoll ist es, bei diesem (gemeinsamen) theologischen Fokus drei komplett verschiedene Unterrichtskonzepte zu entwickeln – für die Klassen 3-6; 7-10; 11-ins hohe Alter.

Ressourcen und Ideen

Um mir selber und allen Interessierten einen Überblick zu verschaffen, sammle ich die mit unterschiedlichen Werkzeugen begonnen Einzelteile in einer Pearltrees-Kollektion, die wiederum auf dieser WordPress-Seite eingebettet ist.

Darüber hinaus gibt es nur einige Ideen/Notizen:

Hermeneutischer Ansatz

Was das bedeutet: Himmel und Erde berühren sich

Ziel (daraus soll mal eine Kompetenz formuliert werden):

Christen feiern an Weihnachten die Geburt eines besonderen, göttlichen Menschen. Wie man sich diese Besonderheit vorstellen kann und wie es zu dieser besonderen Geburt kam, sollen die Sch. ihrem Alters-/Bildungs-/Erkenntnisstand entsprechend darstellen können. Dabei wird ein besonderer Augenmerk auf die Mutter Jesu gelegt.

Klasse 3-6:

Das kennen die meisten Kinder: (Pseudo)Religiöse Tradition, Krippenfiguren, ggf Motive der „Jungfrau Maria“: Ausgehend von der Engelsverkündigung an Maria nach dem LK-Evangelium forschen Kinder in der Weihnachtsgeschichte: Worum geht es? Weshalb der ganze Aufwand der heiligen Familie? Und warum ist diese Familie mit Josef und Maria so heilig?

Klasse 7-10

Uneheliche/ungeplante Kinder … Der Innenansicht der „unbefleckten“ Geburt entspricht die Schwangerschaft als Ergebnis einer Affäre … als  Idee eines Filmprojekts: Die Weihnachtsgeschichte wird DSDS-mäßig so erzählt, dass am Ende die Geburt des Gottessohnes glaubhaft rüber kommt. – Wie schafft man es filmpädagogisch, dass die Sch bei dem ganzen Schlampengezicke das Ziel der Gottessohnsgeburt nicht aus den Augen verlieren? — inwiefern kann man Jesus als Gottessohn/göttlichen Menschen ansehen, dessen Geburt gefeiert wird? Inwiefern kann man von Jungfrauengeburt sprechen?

Klasse 11-unendlich

Marienbilder / Marienmotive aus der christlichen Tradition  in kritischer Reflexion (Jungfrauengeburt, Josefsehe, Frauenbild – Maria vs Eva vs Lilith, usf). Theologische Exegese, religionsgeschichtliche Vergleiche, Einstieg mit Amphitryon? Spielidee: Textadventure „Christologische Ansprüche an Maria und der harte Weg ihrer Umsetzung im biblischen Alltag: Marias steiniger Weg zur Gottesmutter“ –> Selbst verfasste Weihnachtsgeschichte, die erklärt, wie die Sch. die Gottessohnschaft Jesu und die Rolle der Maria verstehen

Erster Hangout zur Weiterentwicklung von rpi-virtuell

Es ist wieder passiert. Nicht zum ersten Mal, seit ich mit Jörg Lohrer und Joachim Happel zu tun habe: Mir flog heute voll das Blech weg, als ich zu begreifen begann, was für ein Hochleistungstool dieser neue rpi-virtuell-Blogserver ist, der wahrscheinlich die Basis für die kommende rpi-virtuell-Version bilden wird.

Aus dem obenstehenden Video geht das noch gar nicht richtig hervor. Immerhin wurde mir schnell klar, dass der Blogserver vorneweg so ziemlich alles bietet, was bei der neuen religionspädagogischen Website meiner Landeskirche gerade mühsam zusammengezimmert wird.
Nach dem Ende des offiziellen Hangouts unterhielt sich Joachim eine ganze Weile mit mir, und ich lernte, dass der Blogserver noch weit größeres Potential besitzt.

Grundsätzlich gilt natürlich: Alles muss noch ausprobiert werden. Der Teufel steckt im Detail. Aber wenn die eingebauten Features und die bereits zur Verfügung stehenden Plugins halten, was sie versprechen, dann kann man mit dem Blogserver

  • Blogs und Unterblogs erstellen, jeweils mit Foren, Mitgliederverwaltung, also einer ganzen Communitysektion,
  • Alles nicht nur am PC, sondern auch an mobilen Endgeräten verwenden,
  • Beratungen via Hangout, Chat, Foren anbieten
  • Veranstaltungsmanagement (Event Kalender, mit einer Schnittstelle zu Google Calendar)
  • Teamarbeit-Funktionen bereitstellen, bei denen man online zusammenarbeiten kann, indem man gemeinschaftlich quasi auf dem lokalen Rechner eines Teilnehmers arbeitet… ich habe es selbst erlebt, aber noch nicht verstanden, wie es funktionierte.
  • Datenbanken einbinden
  • Völlig neue Beitragstypen erfinden, was derzeit noch meine Vorstellungskraft übersteigt, obwohl wir damit schon herumexperimentierten.
  • Von so gewöhnlichem Kram wie dem Einbinden von Twitter- und News-Streams o.ä. will ich erst gar nicht anfangen.
Link zum Original bei deviantart
(c) Xavier Cardoso, Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0

Bisher war das meiste davon Science-Fiction für mich. Klar, große Webseitenanbieter konnten das. Aber wir Winzlinge doch nicht. Jetzt hat Joachim mir zum Entwickeln daran Rechte verliehen. Ich bin noch ganz überwältigt und komme mir vor wie ein Zauberlehrling. Ich kann jetzt herumfuhrwerken wie doll, muss aber höllisch aufpassen, dass ich nichts kaputt mache. Trotzdem finde ich Joachims Vertrauen gut (auch wenn es zu groß sein sollte), denn das ist die Erfahrung, die ich auch bei meinen Grundschülern mache: Je mehr man ihnen zutraut, umso schneller wachsen sie an den ihnen gestellten Anforderungen, und bei den allermeisten ändert sich die Haltung zum Unterricht: vom zwangsweise konsumierend-aufsässigen Pennäler zum souverän-selbstbewussten Teammitglied, das sich seines Wertes und seiner Fähigkeiten bewusst ist.

Damit sind wir schon beim zweiten Punkt angelangt, über den Joachim und ich lange sprachen: Was soll beim Religionsunterricht herauskommen, so am Ende einer Lernsequenz?

Taten, Leben!

Im Gegensatz zu Mathe geht es in Reli um Lebensbefähigung und nicht um Lernkontroll-Befähigung – selbst wenn man gelegentlich Lernkontrollen braucht. Aber sie dürfen nicht das Ende sein. Auch an diesem Punkt zeigte mir Joachim, dass es Hilfen im Internet gibt, mit denen Religionslehrkräfte und ihre SchülerInnen neue Wege beschreiten können. Es fehlt an dieser Stelle aber noch viel. Es wird wohl unsere Aufgabe zu sein, viele tolle Ideen, die es im Internet und auch in unserer eigenen Schul-Erfahrung gibt, zu sammeln und Lehrkräften als Möglichkeiten vorzustellen, wie sich religiöse Kompetenzen in die Praxis umsetzen lassen.

Ah, übrigens: Wir haben beschlossen, diesen rpi-virtuell-Konzeptions-Hangout bis auf weiteres jeden Donnerstag um 15 Uhr zu wiederholen.
Nehmt euch Zeit und kommt zuhauf, Leute! Überlasst die rpi-virtuell-Gestaltung nicht uns Nerds!