Horror? Ja, aber nicht dort, wo Christian Stöcker ihn vermutet.

Dies ist eine briefliche Antwort auf Christian Stöckers SPON-Oster-Artikel „Fröhliches Foltern„.

Lieber Herr Stöcker,

dass Sie von der christlichen Osterbotschaft in eine solche Ratlosigkeit gestürzt wurden, dass Sie deswegen den Herrn Gott von Ihren Kindern fernhalten und stattdessen mit ihm ein Seminar für Mitarbeiterführung aufsuchen wollen, hat wiederum mir so leid getan, dass ich Ihnen mit diesem Schreiben hilfreich zur Seite eile.

Im Grunde genommen haben Sie alles richtig gemacht, nur dass Sie noch etwas tiefer hätten bohren müssen und das Pferd nicht von hinten hätten aufzäumen dürfen.

Zunächst einmal ist die banale Tatsache festzustellen, dass dieser Jesus so großartige Ideen unter die Leute brachte, dass er bei seinem ersten offiziellen Besuch in der Hauptstadt sofort unschädlich gemacht wurde.   Nicht von Gott, sondern von Menschen, und zwar den damaligen Verantwortlichen, inklusive Prozess – schuldig in den Anklagepunkten „Gotteslästerung“ und „Hochverrat„.

Vor diesem Hintergrund bekommt die gelegentlich geäußerte Bemerkung: „Dieser ist wahrhaftig der Sohn Gottes“ einen pikanten Beigeschmack. Und die ganze Kreuzigungsaktion samt ihrer Begleiterscheinungen (die Verantwortlichen foltern den Gerechten zu Tode, die Menge johlt, die Anhänger gehen stiften) sagt etwas aus über die menschliche Natur. So fanden es zumindest die ersten Christen: Wir sind zu blöd (und deshalb zu böse) für diese Welt. Wir landen alle im Orkus.

Atomkriege, Klimakatastrophen, Artensterben – all das war damals noch nicht abzusehen. Aber die Richtung dieser Entwicklung war den ersten Christen völlig klar.

Dann kam Ostern. Jesu Leiche weg. Erweckungserlebnisse. Seltsame Jesusbegegnungen. Verstörend.
Das Team Jesus, schon in Selbstauflösung begriffen, sammelte sich wieder und begann eine Aktivität zu entfalten, die zur Entstehung des Christentums führte. Der Rest ist Kirchengeschichte.

Aber was brachte die Wende? Irgendwas sehr Energetisierendes musste in den Köpfen der Jesusanhänger passiert sein, dass sie die Kurve kriegten und ihr weiteres Leben unter Einsatz ihrer kompletten Existenz der Verkündigung einer gewissen „guten Botschaft“ widmeten.

Cheftheoretiker Paulus hat uns als erster den lehrmäßigen Hintergrund dieses geistigen Wendepunktes  überliefert. Und der geht, in die Modeme übersetzt, etwa so:
Die Menschen fahren die Karre voll Karacho an die Wand, basta. Aber die Mitglieder des Teams Jesus begreifen zumindest, was gespielt wird, und wollen das nicht. Und sie sehen in der Auferstehung ein Zeichen dafür, dass (erstens) Jesus recht hatte, und dass sein Weg trotz Kreuzigung wegweisend bleibt, dass (zweitens) Jesus, der Gekreuzigte, nicht im Orkus landete, sondern lebt, und dass (drittens) diejenigen, die sich glaubensmäßig an ihn hängen, ebenfalls nicht abschmieren, sondern leben werden.
Denn Gott stellt diesen gekreuzigten Gerechten – so Paulus in Röm 3,25 – als ΙΛΑΣΤΗΡΙΟΝ („hilasterion“, »Gnadenstuhl«), als Zeichen der Versöhnung, als Ort seiner Gegenwart und als eine Opfergabe an sich selbst (die eigentlich die Menschen erbringen müssten, aber aufgrund ihrer beschränkt-bösartigen Blödheit sowas von nicht in der Lage dazu sind) in die Öffentlichkeit und setzt ihn per Auferstehung als seinen Sohn ein .

Der Gekreuzigte – eigentlich ein Symbol menschlichen Versagens, wird so zu einem Friedensangebot Gottes, zu einem Hoffnungsschimmer und zur neuen Chance auf echtes Leben – für alle, die daran glauben.

Für die anderen bleibt Jesu Tod ein Episödchen der Weltgeschichte, die Auferstehung eine Mär, und die Tour gegen die Wand wird beschleunigt fortgesetzt.

Und die Moral von der Geschicht:

Ohne Ostern entpuppt sich Jesus als historischer Rohrkrepierer. Er bringt eine tolle Liebes-Message rüber, die aber so autoritätszersetzend wirkt, dass sie keine Überlebenschance hat. Erst in Verbindung mit der (geglaubten!) Glaubens- und Hoffnungsbotschaft von Ostern bekommt seine Liebesbotschaft Wuppdizität und Legitimität und kann die Welt verändern.

In diesem Sinne: Nachträglich Frohe Ostern!

Es grüßt Sie freundlich
Christian Günther

Test-Beantwortung (Alpika digital 2018; Modul Kurse virtualisieren) …

 … zu dieser Quizaufgabe (Alpika digital 2018; Modul Kurse virtualisieren):
Was bei Onlinekursen zu berücksichtigen ist:
  1. Sie geben den Teilnehmenden mehr Freiheit, ihre Lern-Zeiten selbst einzuteilen. Dies wird allseits als pädagogischer Fortschritt gerühmt. Nach meiner Erfahrung sind die wenigsten daran gewöhnt, und so entsteht ein Zeitmanagement-Problem.
  2. Die Teilnehmenden sind dem wachsamen Auge des Trainers entzogen.
  3. Der Teilnehmer / die Teilnehmerin nimmt zumeist alleine vor seinem Computer oder Mobilgerät teil. Diese Art der Vereinsamung kann zum vorzeitigen, “sang- und klanglosen” Kursausstieg führen.
  4. Zwischen den TeilnehmerInnen und ihrem Kurs steht eine ganze Menge Technik (vom lokalen Computer über das Netz bis hin zum Server), die an vielen Stellen versagen kann.

Die oben (in der Aufgabenstellung) beschriebenen Faktoren sind Ursachen von Verunsicherung:

  • durch variable, selbst wählbare Lernzeiten,
  • durch das Fehlen der Lehrkraft-Präsenz
  • durch das Fehlen von “Mitschülern”
  • durch ggfl. auftretende, technische Probleme

Dem könnte man entgegenwirken

  1. mit einer straffen, zeitlichen Taktung des Kurses (Lektionen, Meilensteine, regelmäßige Webinare)
  2. mit spannenden, abwechslungsreichen Lernaufgaben oder -spielen, die vom Präsenzunterricht nicht geleistet werden könnten
  3. mit vorgegebenen, klaren Kurszielen und valuablen Zertifikaten (mit echter Bedeutung für den Teilnehmenden, so dass “sich der Kurs auszahlt”)
  4. durch Partnerarbeit (mittels Chat, Nachrichtenkanäle oder indem die Lernpartner physisch Kontakt aufnehmen können)
  5. Technische Probleme könnte man mit Hilfe von redundanten Notfall-Vernetzngskanälen abfangen.

Kassel, die zweite: Hilfe, wir ha’m die Kollegen geflasht!

Die Fortbildung

Am 1.3.2018 startete eine ALPIKA-interne Monsterfortbidlung, die ihren Ausgang in einem EKD-Synodalbeschluss (von 2014, wenn ich recht erinnere) nahm und seitdem langsam Gestalt annahm. Ihr Titel:

ALPIKA digital 2018 – Online in den Instituten

Ziel ist es erst einmal, die religionspädagogischen Institute der EKD-Gliedkirchen zukunftsfähig zu machen. Denn an den Schulen wird „digitale Bildung“ massiv gefördert. Es ziehen ganz neuartige Geräteparks ein, mit denen Berufsanfänger sicherer und vertrauter umgehen können als mit den traditionellen, didaktischen Instrumentarien und Methoden. Letztere jedoch stehen bei dem Fortbildungsangebot der Kirchen stark im Vordergrund. Damit wird man in ein paar Jahren vielleicht noch alte Hasen begeistern, aber auf die jüngeren Lehrkräfte werden sie immer altbackener wirken und keinen Anreiz mehr bieten, unsere Veranstaltungen zu besuchen.
Der kirchlichen Lehrer-Fortbildungsarbeit stehen finstere Zeiten bevor, wenn sich nicht schleunigst etwas an der (fehlenden) Kompetenz der FortbildnerInnen im technischen, fachdidaktischen und methodischen Umgang mit den neuen, digitalen Medien ändert.

Viele Mitarbeitende der religionspädagogischen Institute der EKD-Gliedkirchen – ja, sogar ganze Institute – verschließen die Augen vor dieser Entwicklung und meinen, sie könnten etwas mit Abwarten gewinnen oder diese Angelegenheit bis zum persönlichen Ruhestand aussitzen.

Andere sehen da klarer.
So kam es, dass sich 34 religionspädagogische Mitarbeitende aus den Instituten in Kassel zur Auftaktveranstaltung der oben erwähnten Fortbildung einfanden, mit der Absicht, die unbekannte Welt digitaler Bildungsmedien, Vernetzung und Kommunikation zu erschließen und in Zukunft einzusetzen.

Das Konzept

In einem langen Vorbereitungsanlauf war ein Blended-Learning-Konzept entwickelt worden, das mich persönlich überzeugt hat und während der Auftaktveranstaltung auch bei etlichen Teilnehmenden für leuchtende Augen sorgte, als sie verstanden, dass sie von „Alpika digital 2018“ für ihre Arbeit unmittelbar profitieren können.

Hier eine grafische Übersicht des zeitlichen Ablaufs:

Um die Grafik in voller Größe anzuzeigen, bitte aufs Bild klicken!

Grob gesagt gliedert sich die Fortbildung in einen ersten Online-„Bims“-Teil, in dem man vieles lernen und ausprobieren muss, und in einen zweiten Online-Teil, in dem man quasi die Ernte des ersten Teils einfährt: Dort kann man Projekte für die eigene, berufliche Praxis konzipieren, in denen das Erlernte ein- und umgesetzt wird.

Unsere Hoffnung ist also, dass die Teilnehmenden nicht nur kompetenter aus der Fortbildung herauskommen, sondern am Ende auch mit Werkzeugen ausgestattet sind, die sie selbst für ihr eigenes, berufliches Umfeld maßgeschneidert haben.

Die Auftaktveranstaltung

fand vergangene Woche im Haus der Kirche in Kassel statt.

Die Auftaktler bei der Arbeit (1.3.18)

Da ich zu den Referenten gehöre, kann ich die Erwartungen, die wir bzw ich an diese Tagung hatte, ganz gut mit dem vergleichen, was hinten herausgekommen ist – also meinen Erfahrungen.

Den wichtigsten Eindruck spiegelt der Titel dieses Artikels wider:

"Hilfe, wir ha'm die Kollegen geflasht!"

Vielleicht hätte man den Effekt noch etwas abfedern können, aber ganz zu vermeiden war er wohl nicht, angesichts der vielen Bereiche, in denen bei unseren Instituten „digitale Ausbaufähigkeit“ besteht:

Die TeilnehmerInnen wurden von den vielen neuen Möglichkeiten, Techniken, Begriffen und Konzepten regelrecht überrollt und plattgemacht – geflasht eben. Dies löste teilweise Begeisterung aus – zB für die Idee, haufenweise Fahrtkostengelder mit Videokonferenzen zu sparen -, gleichzeitig fühlten sich einige auch überrollt und in Panik versetzt, wenn sie noch nicht wirklich verstanden, welche Wunderdinge da über sie hereinbrachen, während gleichzeitig die Technik versagte (meist infolge einer nicht funktionierenden Onlineverbindung).

Zum Glück besitzt der Kurs genügend ModeratorInnen und erstreckt sich über einen so langen Zeitraum, dass sich ganz sicher alle Probleme, von denen ich weiß, auch lösen lassen werden, und es darum eine falsche Entscheidung wäre, wenn jemand traumatisiert die Flucht aus dem Kurs ergreifen würde.

Einen zweiten Eindruck könnte man so formulieren:

Hey, die kommen ja mit ambitionierten Plänen an!

Dass unsere Kursteilnehmerinnen zT schon genaue Vorhaben in der Tasche hatten und sehr wohl wussten, was ihre Ziele für die berufliche Zukunft sind, verblüffte mich, weil ich dies aus Lehrerfortbildungen so nicht kenne. Aber eigentlich ist es logisch, dass man sich in den Instituten schon früh Gedanken darüber macht, auf welche Weise man solch eine so aufwändige Fortbildung nutzen will.

Und das ist auch gut so: Wir Moderatoren werden in den kommenden Wochen genau zuhören und unsere digitalen Füllhörner ggf auch umfüllen, um den Teilnehmenden dabei zu helfen, ihre Pläne zu verwirklichen.

Mich persönlich überraschte es besonders, wie viele Teilnehmende sich dafür interessierten, auf ein Lernmanagementsystem gestützte Online-Kurse zu entwickeln – denn dies erfordert gleichermaßen didaktische und technische Kompetenz sowie ein gerüttelt Maß an Ausdauer und Entwicklergeist.
Gleichzeitig freut es mich, denn es zeigt, dass sich die Institute um die Zukunft der religionspädagogischen Fortbildung in den evangelischen Gliedkirchen Gedanken machen. Es steht ja außer Frage, dass raue Zeiten auf die Institute zukommen, wenn einmal die kirchlichen Mitarbeiter aus dem Babyboomer-Zeitalter in Rente gegangen sind, und dass dann eine gute Online-Infrastruktur mit Materialrepositorien, Tutorials und landeskirchenübergreifenden Kursen helfen muss, den kommenden Personalnotstand auszugleichen.

Hier stand einmal eine Grafik, die die Geburts- und Rentenalter der Babyboomer verdeutlichte
Quelle: Ulrich Berger und Christoph Stein auf Telepolis – klicke auf die Grafik, um den Artikel zu lesen.

Startschuss

Ich kam nach diesem Auftakt völlig fertig (aber auch irgendwie zufrieden) zuhause an.
Nächste Woche geht die Arbeit weiter: Wir werden die frisch eingerichteten Informationskanäle in Schwung bringen und die für die Geländephase nötigen Vorbereitungen treffen.

Ich hoffe sehr, dass möglichst viele Teilnehmende von diesem Kurs profitieren, hinterher mit reichen Schätzen bepackt und voller Tatendrang ihre stark erweiterten Kompetenzen umsetzen, den Ferngebliebenen eine Nase drehen und sie anstacheln, bei der nächsten ALPIKA-digital-Fortbildung dabei zu sein.

Quelle: Pixabay (CC0)

Kassel, die erste, oder: Werden wir digital?

Nächtlicher Ausblick von unserem Wohn- und Tagungsort auf den dem Hohen Habichtswald nachempfundenen Bahnhofsvorplatz von Kassel-Wilhelmshöhe
Foto: Margit Metzger, Lizenz: CC-BY-SA

Vom 27.2.-1.3.2018 traf sich die ALPIKAMedien-Gruppe in Kassel, tauschte sich wie jedes Jahr über die medienpädagogischen Neuigkeiten aus den Landeskirchen der EKD aus und versuchte (wie immer), die landeskirchenübergreifende, medienpädagogische Arbeit voranzubringen.

Dabei wurde (nicht zum ersten Mal) der Umstand diskutiert, dass die Arbeitsgemeinschaft längst keine simpel medial ausgerichtete mehr sei – dh auf Bilder, Audioaufnahmen oder Filme fixiert – sondern dass der überwiegende Teil unserer kirchlichen Medienarbeit „digital“ sei und dass dort schlechterdings die Zukunft liege.

Gemeint ist, dass wir während unserer Dienstzeit an per Internet vernetzten Computern arbeiten und nur noch ganz selten mit echten Bildern (auf Leinwand oder auf Papier), Filmen (auf Zelluloid) oder Musik (auf Schallplatte oder als Live-Darbietung) zu schaffen haben, sondern mit Audio-, Grafik- oder Videodateien. Darüber hinaus ist es unser Bestreben, die Verwendung dieser digitalen Formate weiter auszubauen und zu vertiefen durch den Einsatz von digital gespeicherten Onlinematerialien und Online-Quizaufgaben oder anderen, motivierenden Lernmitteln, die gar nicht anders funktionieren als mit Hilfe von Computern, Tablets, Smartphones, Whiteboards oder anderen, „digitalen“ Gerätschaften.

Aus diesem Grund wurde während der Sitzung in Kassel mehrheitlich beschlossen, dass sich unsere Gruppe umbenennt in „ALPIKA Medien – Digital“.

Ich persönlich hatte dieser Änderung nicht zugestimmt, weil ich der Auffassung war, dass auch digital gespeicherte Medien Medien sind, und dass eine Digitalis-Überdosis bekanntlich tödlich ausgehen kann. ,

Heutzutage wird alles, was modern klingen soll, „digital“ genannt bzw „digitalisiert“, zB die Bildung, obwohl „digital“ lediglich bedeutet, dass Daten (dh Texte, Bilder und Aufnahmen aller Art) in Form von Befehlen gespeichert werden, die Ein/Aus-Schaltzustände auf elektronischen Geräten auslösen. Tja, und ich finde es nun mal nicht schick, wenn meine Bildung, mein Können oder meine Kompetenzen (oder die meiner Schulklasse, meiner KursteilnehmerInnen) auf binäre Schaltzustände reduziert werden.

Dabei betrachte ich mich selbst als Nerd und habe großen Spaß am Umgang mit digitalen Daten oder Gerätschaften. Ich werde mich aber hüten, meine Grundschüler zu „digitalen“ Krüppeln zu machen, die an der Spielekonsole Riesensprünge machen können, nicht jedoch in der Realität, oder die virtuelle Objekte besser im Griff haben als reale, und sich in der Gefahr befinden, sich zu „digitalen“ Autisten zu entwickeln, denen grundlegende Formen von Mitgefühl und Sozialverhalten zunehmend verlorengehen.

Nein, ich betrachte digitale Medien tatsächlich als Medien, d.h. als Mittel zum Zweck, nämlich der Bildung (und nicht zuletzt der Herzensbildung!). Darum möchte ich nicht digital werden, möchte mich nicht digitalisieren lassen, möchte weder zum Rädchen im Getriebe noch zum Bit-Image in der Bit-Matrix werden, und habe nach wie vor ein Problem damit, dass meine ALPIKA-Gruppe mehrheitlich digital sein möchte.

Quelle: Pixabay (CC0)

Reformation 500 – Nachlese

Der Reformations-Feiertag ist vorbei, der weitaus größte Teil des Jubiläumsfeuerwerkspulvers verschossen. Es gab massenweise informative, scharfsinnige bzw. originelle Beiträge, kirchenmusikalische und sonstige Happenings.  Vielen evangelischen Insidern hängen Luther&Genossen inzwischen zum Halse heraus.

Bei all dem Bohai blieb für mich eine übersichtlche und klare Antwort auf die wichtige Frage auf der Strecke:

Was hat uns die Reformation gebracht?

Darum soll sie hier nachgeliefert werden.

Sieben Selbstverständlichkeiten, die wir der Reformation verdanken:

Klicken Sie auf die einzelnen Punkte, um mehr zu erfahren.
Creative Commons Lizenzvertrag Christian Günther

Ich hoffe, mit diesen Punkten zur „Abrundung“ der Feierei beigetragen zu haben. Falls ich etwas wichtiges vergessen haben sollte oder kritische Einwände bestehen: Nutzen Sie die Kommentarunktion!

Das Gebet Jesu – ganz original?

Vor einiger Zeit fand ich ein Youtube-Video, in welchem das Vaterunser in der zur Zeit Jesu gesprochen jüdisch-aramäischen Sprache nicht nur rezitiert, sondern auch erklärt wird – auf Englisch, von einem Angehörigen einer judenchristlichen Gruppe, den Talmidim („Nachfolgern“).

Offen gesagt stehe ich dieser Gruppe (theologisch) nicht besonders nahe, finde aber den Versuch der Rückübersetzung des uns überlieferten, griechischen Textes ins Aramäische, sagen wir, ziemlich faszinierend. Darum zauberte ich mit dem H5P-Werkzeug deutsche Untertitel in das Video, so dass auch die nicht fließend Englisch sprechenden Theologie-Interessierten etwas davon haben.
Irgendwann möchte ich es mit H5P-Bordmitteln noch etwas kritischer und für den Oberstufenunterricht tauglicher aufbereiten. Bis dahin möge sich jeder ganz unabhängig sein Urteil bilden.

Noch ein letzter Hinweis: Vergessen Sie nicht: Das Video hat einen Pause-Button, für den Fall, wenn’s zu schnell geht oder zu viel wird.

Kompetenzorientierten Unterricht online vorbereiten und auswerten

Ein alter Traum wird wahr: Kann man – kompetenzorientierten – Unterricht online strukturieren und gleichzeitig auf seine (vertraulichen) Daten aufpassen?
Ja, H5P, das vielseitige Quiz- und Visualisierungstool – sozusagen das Learningapps für Erwachsene – macht es einigermaßen möglich.

Das Ganze besteht aus zwei Teilen:

  • einem Vorbereitungs-Portfolio:
    Das wird am Beginn der Einheit bzw vor Beginn der Unterrichtsstunde ausgefüllt.
  • einem Dokumentations- und Auswertungsportfolio:
    Das wird am Ende der Einheit bzw. nach der Stunde ausgefüllt.

Die Stärke und zugleich Schwäche des Werkzeugs ist, dass keine Angaben online gespeichert werden. Man muss sein Vorbereitungsportfolio auf der heimischen Festplatte ablegen und muss die dortigen Angaben später wieder in das Dokumentationsportfolio einfügen.
Am Ende (= nach der gehaltenen Unterrichtssequenz) wird das fertiggestellte Auswertungsportfolio ebenfalls (als Word-Dokument) auf der Festplatte gespeichert und kann zB mit einem Mentor besprochen oder zur Selbstevaluation verwendet werden.

Klingt kompliziert, ist aber kein großer Aufwand.

Wer es ausprobieren will:



Erster, wichtiger Hinweis:
Gelegentlich kam es bei Tests vor, dass bestimmte Elemente (Pflichteingabefelder, Schaltflächen) nicht angezeigt, da unter dem unteren Rand des Rahmens verborgen wurden.
In diesem Fall können Sie mit der TAB-Taste von einem Feld zu dem verborgenen Element springen, welches dann auch wieder eingeblendet wird.

Zweiter, wichtiger Hinweis:
Aktualisieren Sie die Browser-Seite nicht, solange Sie am Portfolio Eingaben machen! Sobald Sie das tun, sind alle vorgenommenen Eingaben weg!

Dritter, wichtiger Hinweis:
Dieses Werkzeug befindet sich noch in der Erprobungsphase. Darum bin ich für Rückmeldungen und (auch kritische) Kommentare extrem dankbar.

Twittern wie Luther – rpi-virtuell auf dem Markt der Möglichkeiten

Ein Rückblick auf mein erstes, richtig großes Messeabenteuer.

Vorbereitung

Im vergangenen Herbst wurde ich gefragt, ob ich Interesse hätte, auf dem Kirchentag in Berlin beim Standdienst mitzuhelfen. Die Hotelübernachtung samt Frühstück würde finanziell vom Comenius-Institut übernommen. Als Ausgleich könnte ich meine schon recht soliden Kenntnisse von rpi-virtuell an interessierte Messebesucher weitergeben – was auch noch eine Hausaufgabe bedeutete: Denn im Herbst war der neue Materialpool von rpi-virtuell noch gar nicht fertiggestellt. Gerade dieses zukünftige Flaggschiff-Werkzeug sollte anlässlich des Kirchentages einer größeren Öffentlichkeit erstmals bekannt gemacht werden. Daraus ergab sich, dass der ambitionierte Messehelfer sich möglichst kurz vor dem Kirchentag noch umfassend über dieses neueste Feature von rpi-virtuell kundig machen musste.

Auf dem Markt der Möglichkeiten

Bei rpi-virtuell hatte man sich als Stand-Attraktion zwei Specials ausgedacht:

  1. Gezielte Materialtipps im Postkartenformat
  2. Twittern wie Luther

Bei den Materialtipps handelte es sich um grafisch „sprechend“ aufbereitete Themenkarten (zB Trauer in der Schule, kostenlos herunterladbare Bilder, ein „Gabentool“, bei dem Schüler ihre eigenen Fähigkeiten entdecken können, Reformations-Ressourcen, u.a.). Diese Karten enthalten Linkadressen zu Online-Ressourcen samt einem QR-Code, mit denen man sich das entsprechene Material direkt aus dem Netz auf das Tablet oder Smartphone saugen kann.

Twittern wie Luther“ war eine ziemlich verrückte Idee und zog wohl deshalb auch viele Probanden an: Ausgehend davon, dass Martin Luther gnadenlos alle seinerzeit möglichen Mittel der Öffentlichkeitsarbeit ausnutzte, nahm unser Kreativteam an, dass er heute twittern würde. Deswegen bekamen die Probanden ein Pergament-Faksimile in die Hand gedrückt, schrieben dort ihre These auf und mussten sich damit vor eine seltsame Vorrichtung stellen, die aus einem Stativ bestand und einen kleinen Tablet-Fotoapparat enthielt samt weiterem Equipment, das an der Stativstange befestigt war. Darunter befand sich ein vom genialischen CI-Chefkybernetiker Frank Staude selbst zusammenprogrammierterter Raspberry Pi Minicomputer, der die ganze Technik regulierte. Und die funktionierte so: Während die Probanden in die Kamera lächelten und dabei versuchten, ihr Thesen-Pergament in vollem Umfang in die Kamera zu halten, mussten sie mit einem Fuß volle Pulle auf einen Auslöse-Schalter treten. Mit etwas Glück wurde dann ein schönes Foto getweetet. Mit ohne Glück konnten es auch gleich 10 Aufnahmen sein oder gar keine. Oder das Foto war nicht schön, beispielsweise wenn neben dem Thesenpergament meine Glatze abgelichtet wurde, weil ich vergaß, in die Kamera zu schauen statt auf das Fußpedal.
Die Thesen hefteten wir an unseren Stand, was mit der Zeit immer mehr Leser anlockte. Die Fotos wurden unter @thesentweets getwittert.

Wir waren genug Leute, um in drei Schichten am Stand zu arbeiten, so dass auch noch Zeit für individuelle Kirchentagsbesuche blieb.

Alle im Team zeigten sich außerordentlich einsatzbereit. Mittelpunkt und Motor der rpi-virtuell-Aktivitäten war Jörg Lohrer. Er erklärte mir auch die Verwendungsmöglichkeiten der Postkarten-Materialtipps, die ich aus Ahnungslosigkeit ziemlich wenig beachtet hatte. So führte meine erste Schicht in erster Linie dazu, dass ich allmählich mit den Gegebenheiten vertraut wurde. Ich bekam sogar eine Einführung von Andrea Lehr-Rütsche in die Geheimnisse der Materialpool-Backend-Bearbeitung, mit der Normal-Sterbliche gar nicht in Kontakt kommen.
Am zweiten Tag (Freitag) kannte ich mich gut aus. Da kam es zu vielen spannenden Gesprächen (und Thesen-Fotosessions), und ich hatte ein sehr gutes Gefühl, was unseren Stand betraf. Am dritten Tag – zumindest während der letzten Schicht, zu der ich mich hatte einteilen lassen – gab es weniger Besucher. aber schon so um die Mittagszeit war ohnehin die magische Zahl von 95 Thesentweets überschritten worden, was meine Standmannschaft (mich eingeschlossen) im Bewusstsein, am „Zugabenteil“ mitzuwirken, zu einigen Kühnheiten verleitete.


Schließlich ging es noch ans Abbauen. Da konnten wir nochmal zeigen, dass wir auch richtig was anpacken können, so dass wir sogar fast „in time“ vor einem geplanten und terminierten, gemeinsamen Abendessen die Standabnahme hinbekamen.

Resümee

Hier möchte ich vorausschicken, dass der Stand des Comenius-Instituts nicht nur aus der Spielwiese von rpi-virtuell bestand, sondern auch ein Kirchenbildungscafe umfasste und eine Infotheke, hinter der CI-Chef Peter Schreiner eine beeindruckende Präsenz bewies. Mir scheint diese Zusammenstellung aus rpi-virtuell-Spielwiese, CI-Infotheke und Refugium mit kostenlosen Getränken eine sehr gesunde Mischung gewesen zu sein: Das Cafe war fast immer voll. Es kam zu einigen bemerkenswerten Interiews. Dafür, dass der Stand im Grunde genommen nur für religionspädagogisch Interessierte von Bedeutung war, erzielten wir eine sehr gute Resonanz.
Wir können den Etrag unserer Aktivität zwar nicht so schön quantifizieren wie zB ein Buchverlag mit seinen Verkäufen. Aber wir schafften es nicht nur, viele Leute anzusprechen und thesentechnisch zu verewigen, diese Probanden nutzen ja auch jetzt noch die Gelegenheit, sich per Twitter immer mal wieder anzusehen oder ihren Online-Auftritt anderen vorzuführen. Die Postkarten-Materialtipps wurden stark nachgefragt und z.T. stoßweise mitgenommen – von anderen Standbetreibern, die das Material bei ihren eigenen Präsenzen anboten: Ein hübscher Multiplikationseffekt.
Man kann nun kritisch einwenden, dass neben dieser „Übermacht“ der rpi-virtuell-Dienste andere Angebote des Comenius-Instituts zu stark in den Hintergrund traten, aber ich denke, dass rpi-virtuell mit seinem neuen Materialpool auch am stärksten beworben werden musste. Vielleicht hätte man dazu noch extra ein Werbeinterview auf unserer roten Couch führen können – aber lässt sich dies nicht jederzeit mit mehr Ruhe und Professionalität nachholen?