Kassel, die erste, oder: Werden wir digital?

Nächtlicher Ausblick von unserem Wohn- und Tagungsort auf den dem Hohen Habichtswald nachempfundenen Bahnhofsvorplatz von Kassel-Wilhelmshöhe
Foto: Margit Metzger, Lizenz: CC-BY-SA

Vom 27.2.-1.3.2018 traf sich die ALPIKAMedien-Gruppe in Kassel, tauschte sich wie jedes Jahr über die medienpädagogischen Neuigkeiten aus den Landeskirchen der EKD aus und versuchte (wie immer), die landeskirchenübergreifende, medienpädagogische Arbeit voranzubringen.

Dabei wurde (nicht zum ersten Mal) der Umstand diskutiert, dass die Arbeitsgemeinschaft längst keine simpel medial ausgerichtete mehr sei – dh auf Bilder, Audioaufnahmen oder Filme fixiert – sondern dass der überwiegende Teil unserer kirchlichen Medienarbeit „digital“ sei und dass dort schlechterdings die Zukunft liege.

Gemeint ist, dass wir während unserer Dienstzeit an per Internet vernetzten Computern arbeiten und nur noch ganz selten mit echten Bildern (auf Leinwand oder auf Papier), Filmen (auf Zelluloid) oder Musik (auf Schallplatte oder als Live-Darbietung) zu schaffen haben, sondern mit Audio-, Grafik- oder Videodateien. Darüber hinaus ist es unser Bestreben, die Verwendung dieser digitalen Formate weiter auszubauen und zu vertiefen durch den Einsatz von digital gespeicherten Onlinematerialien und Online-Quizaufgaben oder anderen, motivierenden Lernmitteln, die gar nicht anders funktionieren als mit Hilfe von Computern, Tablets, Smartphones, Whiteboards oder anderen, „digitalen“ Gerätschaften.

Aus diesem Grund wurde während der Sitzung in Kassel mehrheitlich beschlossen, dass sich unsere Gruppe umbenennt in „ALPIKA Medien – Digital“.

Ich persönlich hatte dieser Änderung nicht zugestimmt, weil ich der Auffassung war, dass auch digital gespeicherte Medien Medien sind, und dass eine Digitalis-Überdosis bekanntlich tödlich ausgehen kann. ,

Heutzutage wird alles, was modern klingen soll, „digital“ genannt bzw „digitalisiert“, zB die Bildung, obwohl „digital“ lediglich bedeutet, dass Daten (dh Texte, Bilder und Aufnahmen aller Art) in Form von Befehlen gespeichert werden, die Ein/Aus-Schaltzustände auf elektronischen Geräten auslösen. Tja, und ich finde es nun mal nicht schick, wenn meine Bildung, mein Können oder meine Kompetenzen (oder die meiner Schulklasse, meiner KursteilnehmerInnen) auf binäre Schaltzustände reduziert werden.

Dabei betrachte ich mich selbst als Nerd und habe großen Spaß am Umgang mit digitalen Daten oder Gerätschaften. Ich werde mich aber hüten, meine Grundschüler zu „digitalen“ Krüppeln zu machen, die an der Spielekonsole Riesensprünge machen können, nicht jedoch in der Realität, oder die virtuelle Objekte besser im Griff haben als reale, und sich in der Gefahr befinden, sich zu „digitalen“ Autisten zu entwickeln, denen grundlegende Formen von Mitgefühl und Sozialverhalten zunehmend verlorengehen.

Nein, ich betrachte digitale Medien tatsächlich als Medien, d.h. als Mittel zum Zweck, nämlich der Bildung (und nicht zuletzt der Herzensbildung!). Darum möchte ich nicht digital werden, möchte mich nicht digitalisieren lassen, möchte weder zum Rädchen im Getriebe noch zum Bit-Image in der Bit-Matrix werden, und habe nach wie vor ein Problem damit, dass meine ALPIKA-Gruppe mehrheitlich digital sein möchte.

Quelle: Pixabay (CC0)

2 Kommentare

  1. Immerhin beschreibst du es weiterhin als „deine“ Gruppe und darauf kommt es letztlich an. Ich habe mich in der Abstimmung enthalten, weil ich den Namen der Gruppe für nachrangig halte, solange wir gemeinsam arbeiten wollen und eine Motivation teilen.
    Kampfabstimmungen über Namensfragen sind da eher kontraproduktiv weil sie in meinen Augen nicht vereinen sondern, wie in deinem Beitrag, die Reflexionskraft auf die Nachwirkung des Abstimmungsergebnisses fokussieren.

  2. Ich werde mich jetzt nicht in die Schmollecke verabschieden, sondern die an die Gruppensprecher erganenen Aufträge ausführen. Nichtsdestoweniger halte ich eine Problematisierung des inflationären Gebrauchs des Wortes „digital“ für notwendig: Nicht zuletzt deshalb, weil das, was heute über den grünen Klee gerühmt wird, morgen zum Schimpfwort werden könnte (was genauso unangemessen wäre).

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