Das Schülertablet – eine Vision

Tablet: Pixabay CC0 ♦ Symbole: In Handarbeit erstellt durch Freepik

Seit längerem erlebe ich ein Ringen im religionspädagogischen Bereich. Es wird darum gekämpft, SchülerInnen mit Online-Methoden die Welt des Glaubens zu erschließen.

Online-Material-erstellende Nerds, Verlage, Schulfernseh-Anbieter und andere würden ihre Perlen und Schätze gerne im Unterricht zur Geltung bringen, doch ach: Das Schulsystem und die Lehrkräfte sind oft noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen.

Während man daheim am PC (und de facto auch in der Schule, via Smartphone, dessen Verwendung von vielen Schulleitungen offiziell verboten wurde) die Datenautobahn mit Wikipedia, Onlinewörterbüchern und tausend anderen Helferlein benutzt, bewegt man sich an den meisten Schulen auf der analogen Schmalspurbahn. Denn dort haben Ministerien und Verlage das Sagen: Die einen verhindern aus Furcht vor Medienmissbrauch, die anderen aus wohlerwogenen, wirtschaftlichen Interessen den Umzug in die informationstechnologische Neuzeit.

Von 4028mdk09 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14822317
Von 4028mdk09Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Daran haben zB meine Töchter schwer zu tragen:
Kiloweise Schulbücher, Atlanten, Hefte, Arbeitsblätter, in Heftern bzw. Ordnern zusammengefasst, Schreibzeug, transportier(t)en sie Tag für Tag von zuhause zur Schule und retour. Nun gibt es Spinde an ihrer Schule, was das Problem lindert, aber nicht wirklich löst. Denn zu jedem Schuljahresbeginn muss man in Rheinland-Pfalz erneut tief in die Tasche greifen, um diese leider so gar nicht OERlichen Materialien zu erwerben.

BYOD?

BYOD ?

byod
Bildnachweis: Thuraya Telecom auf Youtube CC BY

„Bring Your Own Device“ ist derzeit ein trendiges Zauberwort: Da setzt sich eine charismatische, technisch affine Lehrkraft zusammen mit ihren begeisterten SchülerInnen einfach mal über die dummen Beschränkungen hinweg: Sie verwenden die Smartphones / Tablets / Computer der SchülerInnen als Unterrichtsmittel.

Dies funktioniert genau so lange, wie sich niemand beschwert – zB

  • weil die neuen Schul-Apps/Daten das Smartphone an den Rand der Speicherkapazität bringen,
  • weil sich gewisse extrem technikaffinen Schüler (wie manchmal gemunkelt wird) per BYOD ins das von der Lehrkraft nur ungenügend oder gar nicht abgeschirmte Schulnetz hackten,
  • weil so ein Mini-Smartphoneschirm auf die Dauer Seh- und Haltungsschäden hervorruft,
  • weil niemand dazu verpflichtet werden kann, bei BYOD mitzumachen
  • weil einige Eltern diese Inanspruchnahme familiären Eigentums nicht sonderlich schätzen.

BYOD ist der schnellstmögliche Weg, dem oben beschriebenen, strukturellen Missstand in der eingenen Lerngruppe effektiv abzuhelfen.
Doch sowohl von der Schule her – aus Sicherheitsgründen – als auch von Schülerseite her – wegen des Schutzes von Privatsphäre und Eigentum – halte ich BYOD für ein unsicheres Konzept, das von heute auf morgen Makulatur werden kann.

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Schülertablet – Pros und Contras

Eine sichere Lösung bestünde darin, die Anschaffung eines Tablets vorzuschreiben, das speziell für den unterrichtlichen Gebrauch bestimmt ist. Dies bringt Vor- und Nachteile mit sich.
Ich werde zunächst die Nachteile aufzählen, damit die Vorteile später um so heller aufstrahlen können.

Contra

Contra

  • Ein Schülertablet kostet einen Haufen Geld.
    Theoretisch könnte man SchülerInnen ein Chinabillig-Tablet für 100 € in die Hand drücken, aber ein solches Gerät würde kaum den schulischen Sicherheitsanforderungen genügen. Sobald die SchülerInnen es den alltäglichen Erschütterungen ihres jugendlichen Lebens aussetzen, hat es einen oder mehrere Sprünge im Display. Außerdem würden es finanziell wenig betuchte Neubesitzer womöglich verticken, es als verloren melden und auf ein kostenloses Ersatzgerät hoffen.
    Darum muss es sich bei dem Schülertablet um eine relativ kostspielige, personalisierbare Spezialanfertigung handeln. Mehr dazu weiter unten!
  • Tablets, die auf den unterrichtlichen Einsatz hin konzipiert sind, sind uncool
    Auch ein Stück ausgefeilter Hardware ändert an der Wahrheit hinter dem Sprichwort nichts: „Was in der Schule verboten ist, macht Spaß und ist cool.“ Dagegen kommt auch das vergnüglichste Stück Schulsoftware nicht an, eben weil es Schulsoftware ist.
  • Lehrkräfte müssen sich radikal in ihrer Methodik umstellen
    Zumindest würde jeder gewaltige Potentiale verschenken, der die alten Frontalmethoden des Unterrichtens in Tablet-Klassen beibehält.
  • Tablets lassen die haptischen Kompetenzen der SchülerInnen verkümmern
    Im herkömmlichen Unterricht arbeiten SchülerInnen mit einer Vielzahl an Instrumenten und Materialien: Es wird in Hefte und auf die Tafel geschrieben, es wird in unterschiedlicher Weise gemalt, geklebt, geschnitten, gedruckt, projiziert, und vieles mehr.
    Am Tablet wird nur mehr getippt und gewischt.
    Allerdings kann man auch auf Tablets mit Schreibschrift schreiben – eine fortgeschrittene Texterkennung macht’s möglich -, und ein Pädagoge, der seine SchülerInnen tatsächlich ausnahmslos auf das Arbeitsmittel „Tablet“ beschränkt, ohne Eskapaden zu analogen Möglichkeiten der Kreativität zu unternehmen (Schneiden, Kleben, Schrauben usw), sollte an seiner Methodenvielfalt echt noch arbeiten.
  • Tablets machen abhängig von digitaler Hochtechnologie, von Konzernen, Internet und Globalisierung
    Die Idee hinter dieser These ist: Falls über Deutschland einmal ein großer, längere Zeit andauernder Stromausfall hereinbrechen würde, wäre es nicht nur mit dem zentralen Schüler-Lernwerkzeug aus und vorbei, sondern auch die völlig auf „digital“ ausgerichteten Lernkompetenzen der SchülerInnen würden auf einen Schlag unbrauchbar.
    Wer dagegen nur ein Heft, Füllfederhalter und Tinte zum Memorieren benötigt, braucht (zumindest tagsüber) keine Blackouts zu fürchten.
    Ich vermute zwar, dass bei dem durch einem landesweiten Stromausfall ausgelösten gesellschaftlichen Chaos das Thema „Lernkompetenzen“ kaum noch eine gewichtige Rolle spielen wird, aber egal: Gehen wir zum nächsten Argument über:Tablets sind hochtechnologische Produkte. Wer sie zum wichtigsten Unterrichtswerkzeug macht, begibt sich in die Abhängigkeit von Prozessorherstellern wie AMD oder Intel, von Google oder Microsoft, von Apple, Samsung & co.

    Das TERRA PAD 1040 EDU der Wortmann AG

    Man unterstützt die großen Konzerne, die Monopolisierung des Kapitals, den Abbau seltener Erden im Kongo, und so weiter.

    Der letzte Punkt trifft nur bedingt zu. So hat ausgerechet ein deutscher Hersteller, von dem kaum je einer gehört hat, ein für Schüler-Verhältnisse optimiertes Edu-Tablet entwickelt, welches zumindest einige der unten folgenden Anforderungen bereits erfüllt (s.u.).

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Pro

Pro

  • Ein Tablet kostet weniger als ein Haufen Schulbücher
    Dies gilt vor allem dann, wenn die Schulsoftware aus OER besteht. Aber selbst wenn Schulbuchverlage hochwertige Lernsoftware für Schülertablets kommerziell vertreiben, sollte durch Ressourceneinsparung (Papier- und Druckkosten) – über mehrere Schuljahre hinweg gerechnet – ein Einsparungseffekt erzielt werden können.
  • Mit Hilfe von Tablets wird der Unterricht verbindlicher und transparenter
    Entscheidend für eine in diesem Sinne verbesserte Unterrichtsorganisation ist ein einheitliches, auf allen Tablets vorhandenes Lernmanagementsystem, das von den Lehrkräften moderiert wird: Sie übermitteln zB die Hausaufgaben online. SchülerInnen, die ihre Aufgaben vergessen haben, können sie via Tablet aus der Cloud abrufen. Und wo der Wille fehlt, dies zu tun, gibt es auch einen Elternzugang. Dadurch herrscht Klarheit über das, was die Lerngruppe erarbeitet – welches umgekehrt die Lehrkräfte dazu zwingt, sich bei Tests auf Stoffe zu beschränken, die in den Hausaufgaben und den Aufzeichnungen der SchülerInnen wirklich dokumentiert sind.
  • Tablets tun den Schülerrücken gut
    Für mich ein extrem wichtiger Punkt: Wer nicht jeden Tag fünfzehn Bücher in die Schule und wieder nach Hause schleppen muss, führt ein leichteres Leben in seinem Bildungs-Biotop, erlebt Schule viel positiver und macht seinen Abschluss nicht mit einer Rückgradverkrümmung oder anderen Haltungsschäden.
  • Tablets kosten ein wenig Strom und sparen Unmengen an Papier
    Zweifellos verbrauchen Tablets wertvolle Ressourcen – Energie vor allem – auch wenn die Durchschnitts-Strom-Jahreskosten für ein Gerät, das jede Nacht aufgeladen wird, derzeit gerade einmal 5 Euro betragen. Verglichen damit muss meine Tochter allein für kopierte Arbeitsblätter ein Vielfaches an die Fachlehrkräfte ihrer Schule zahlen. Kurzum: Tablets sind erheblich ressourcensparender als Folien, Papiere, Stifte, und was man sonst so für analogen Unterricht anschafft.
  • Tablets eröffnen eine Vielzahl neuer Möglichkeiten des Lernens
    Dies ist sozusagen die Sonnenseite des Contra-Arguments „Lehrkräfte müssen sich radikal in ihrer Methodik umstellen“: Es gibt so viele Möglichkeiten, mit Hilfe von Tablets offene Unterrichtsmethoden zu initiieren, bei denen die SchülerInnen wirklich zu den Subjekten des Lernens werden. Die Lehrkraft muss ihre SchülerInnen nicht mehr unterhalten, sondern kann sich im Sinne eines offenen Unterrichts auf das Moderieren, Initiieren und Lenken von Lernprozessen beschränken und mit ihrer Lerngruppe faszinierende Projekte realisieren, die die SchülerInnen ihr Leben lang nicht vergessen werden.

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Was ein Schülertablet draufhaben sollte

Das Gerät

Das Gerät

Schülertablets müssen extrem stabil sein. Tausende von gesprungenen Teenie-Smartphonedisplays sprechen eine deutliche Sprache. Auch die Anschlüsse für Ladekabel müssen einiges aushalten.

Das Terra PAD 1040 EDU mit Gummi-„Bereifung“ und Tastatur

Die oben schon erwähnte Wortmann AG produziert bereits ein Modell, das als Prototyp für ein zukünftiges Schülertablet geeignet ist:

Das TERRA PAD 1040 EDU 2in1 (STF) besitzt ein gehärtetes, großes 10,1“ Display und einen Erschütterungsschutz, der das Gerät einen Sturz vom Tisch unbeschädigt überstehen lässt. Darüber hinaus wird es inklusive einer Dockingstation und einer Tastatur mitgeliefert, wodurch das Gerät in ein Notebook verwandelt werden kann, sowie einen Eingabestift für handschriftliche Eingaben oder zum Zeichnen besitzt.
Die Kamera verfügt über eine Mikroskopierfunktion. Ebenso ist das Gerät mit einem HDMI-Anschluss und mit Temperaturfühlern ausgestattet, was viele Möglichkeiten im NaWi-Bereich eröffnet.
Was derzeit allerings fehlt, sind ein GPS-Modul sowie eine 3G/4G-Schnittstelle (mobiler Breitbandzugriff). Zumindest das GPS-Modul wäre eine große Hilfe in Sachen Schülermobilität sowie für Outdoor-Aktivitäten.

Im Preis inbegriffen ist eine Windows 10 Education Software-Suite nebst weiterer Lernsoftware.

Nach heutigen Begriffen ist dies eine Erste-Sahne-Ausstattung. Ich sehe diese Softwarekonfiguration dennoch für das Schülertablet der Zukunft als ungeeignet an, weil die Software auf einem solchen Gerät viel stärker gebündelt und klassen- bzw. kurszbezogen vereinheitlicht sein sollte.

Nichtsdestoweniger sind beim Terra PAD schon viele Hardwareanforderungen erfüllt. Auch der Preis von 400 € für das komplette System geht voll in Ordnung.

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Empfehlungen zur Systemkonfiguration

Empfehlungen zur Systemkonfiguration

Smartphone-1Eine einheitliche, nicht-offene Arbeitsoberfläche

Unabhängig davon, welches Betriebssystem das Tablet haben wird: einen frei konfigurierbaren Windows-Desktop sollte es nicht besitzen. Dieser könnte allenfalls als private Zweit-Benutzeroberfläche anwählbar sein. Entscheidend ist jedoch, dass alle Geräte eine einheitliche Bedienungsführung besitzen. Es wäre fatal, wenn sich Schüler zu Beginn der Stunde erst einmal auf die Suche nach verschwundenen Icons bzw. Desktopverknüpfungen machen müssten.

Jugendschutz und Schutz der Privatsphäre

Um geltenden Gesetzen Geltung zu verschaffen sollte das System über einen diskreten, aber effektiven Jugendschutz verfügen. Mögliche Features:

  • Viren- und Adwareschutz
  • Schutz vor jugendgefährdenden oder bösartigen Websites
  • Das Gerät protokolliert alle mit ihm gemachten Bild- und Tonaufzeichnungen und speichert diese in einem normalerweise unzugänglichen Cloud-Ordner. Dieser Ordner darf nur in Extremfällen (zB wenn der begründete Verdacht auf Mobbing via Tablet besteht) und nur mit der Erlaubnis der Eltern eingesehen werden.
  • Ggf. Schutz vor exzessiver Benutzung: Bei mehr als 10 Stunden Benutzung am Tag gibt das Gerät eine Warnung aus und schaltet sich nach 12 Stunden pro Tag ab.

Im Gegenzug zu diesen Einschränkungen muss ein effektiver Schutz der Privatspähre des Lernenden gewährleiset sein. Eine umfassende Aktivitätenkontrolle, wie sie von der Microsoft-Bildungssystemsoftware zur Verfügung gestellt wird, ist ein No-Go. Die SchülerInnen müssen die Gewissheit haben, dass ihre Daten – außer in Extremfällen – nicht von der Schule oder anderen Institutionen mitgelesen werden.

Personalisierung

Um einen Missbrauch der Schülertablets zu verhindern, müssen diese Geräte strikt personalisiert werden, mit dem Ziel: Keiner außer der registrierte Benutzer des Tablets sollte etwas mit der Maschine anfangen können.

Gut wäre also eine Entsperrung via Fingerabdruck und eine Lockwatch-ähnliche Diebstahlsicherung (was natürlich ohne ein 3G-Modul wenig Sinn macht), die sich innerhalb von Sekunden unauffällig aktivieren lässt.

Natürlich sollte die Personalisierung auch klassenintern funktionieren – dass zB alle Datenübertragungen vom Schüler Max immer in seinem Cloud-Bereich landen. – Solche Dinge regeln die besseren Lernmanagementsysteme heutzutage automatisch.

Selbstbestimmung und Fremdbestimmung bei der Systemkonfiguration

SchülerInnen oder – horribile dictu – Lehrkräfte in rufschädigenden Situationen abgelichtet, das Foto im Internet abrufbar – dies ist der Alptraum vieler Lehrkräfte und Schulleitungen. Darum existiert eine weitverbreitete Aversion gegen „bildgebende Modalitäten“ in Schülerhänden.
Dieser Missbrauch muss auf einem Schülertablet ausgeschlossen sein. Jedoch besteht gerade einer der größten Vorteile von Tablets darin, dass man damit so unkompliziert Fotos, Videos und Tonaufnahmen machen kann.

Die Lösung für dieses Dilemma besteht in einer gestaffelten Rechtevergabe bei der Systemkonfiguration eines Schülertablets. Meine Vorstellung geht dahin, dass es

Benutzerrechte für Schüler gibt (zB das Recht, den Desktop zu gestalten und gewisse Apps zu installieren)

übergeordnete Moderatorenrechte für Klassen- und Fachlehrkräfte (zB das Recht, die Kamera eines Tablets zu deaktivieren bzw aktivieren, das Recht, fachbezogene Materialien auf den Geräten der gesamten Lerngruppe zu installieren, etc.)

Moderatorenrechten übergeordnete Administratorenrechte des Schul-Systemoperators (zB das Recht, geänderte WLAN-Verbindungsangaben anzupassen und Schulnetzwerkrechte zu vergeben).

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Weitere Features

Internetrecherche

SearchNatürlich sollte ein Schülertablet eine schnelle Internetrecherche besitzen. Man könnte hinter dem betreffenden Button ein kleines Menü für Textsuche, Bilder- und Videosuche, Wikipedia-Suche, o.ä. einrichten.

Kamera und Rekorder

Photo-cameraDies sind extrem wichtige Werkzeuge, die sowohl im Unterricht als auch an außerschulischen Lernorten schnell aktivierbar sein sollten.
Wie man Gefahren des Missbrauchs begegnen könnte, habe ich weiter oben zu beschreiben versucht.

Medien

HeadphonesDas distanzierte Verhältnis von Jugendlichen zu „Dienstgeräten“ könnte aufgebrochen werden, wenn diese die Möglichkeit hätten, ihre persönlichen Musiktitel/Filme auf dem Schülertablet zu speichern, und zwar in einem von den schulbezogenen Medien streng geschiedenen, privaten Bereich.

Wecker

Clock-1Ein gut funktionierender Wecker ist für das SchülerInnenleben unabdingbar. Darum gehört ein solcher auf den Schirm eines Schülertablets. Besonders nützlich wäre es, wenn sich dieser mit dem Kalender-Werkzeug (s.u.) synchronisieren ließe.
Auch Stoppuhren, sowie Countdowns sind manchmal nützlich.

Kalender

CalendarGoogle hat mit seinem Kalender vorgeführt, was man heutzutage tolles mit solchen Werkzeugen machen kann – wie sich Termine mit Orten, Erinnerungen (s.o., „Wecker“), Materialien verknüpfen lassen, wie zB eine Lehrkraft alle wichtigen Termine aus dem Elternbrief mit ihren SchülerInnen und deren Eltern mittels eines speziellen Kalendermoduls teilen kann, wie sich wichtige Veranstaltungen promoten lassen – all dies sollte auch auf dem Kalender des Schülertablets ebenfalls funktionieren.

Soziale Netzwerke

Chatsind für SchülerInnen heutzutage nicht mehr wegzudenken, gelten aber bei vielen Schulleitungen und Kultusministerien als böse. Da die meisten Sozial-Apps (zB WhatsApp) geräteabhängig sind, würden sie wohl nur selten auf dem Schülertablet als Zweitgerät eingerichtet werden.
Eine vorinstallierter, geräteabhängiger „Dienst-Messenger“ wie zB Threema würde gewährleisten, dass jede/r BesitzerIn eines Schülertablets mit anderen SchülerInnen sicher kommunizieren kann.
Bezüglich geräteunabhängiger Netzwerkenkonten wie zB bei Facebook sollte wenigstens die Möglichkeit bestehen, dass SchülerInnen die dazugehörige App in einem privaten Bereich installieren und verwenden können.

Kontakte

YearbookDie Kontaktliste bietet die Möglichkeit, SchülerInnen von vornherein eine Vielzahl von Ansprechpartnern für spezielle, knifflige Situationen zur Verfügung zu stellen, die sie ohne diese Hilfe nicht finden würden.
Außerdem sollte auch hier ein Bereich für rein private Kontakte existieren, auf den Lehrkräfte im Normalfall keinen Zugriff besitzen.

Tools und Spiele

Paper-planeAuch hier wäre es gut, wenn es eine Trennung von schulischem und privatem Bereich gäbe.
Im schulischen Bereich sind gewisse Werkzeuge vorinstalliert, die jahrgangsstufen-übergreifend immer wieder eingesetzt werden müssen, zB der Taschenrechner, Vokabeltrainer, Lernspiele, etc.
Im privaten Bereich können weitere Spiele, o.ä. installiert werden.

Präsentationsmodus

screenEine Funktion, die nicht fehlen darf, ist der „Präsentationsmodus mit einem Tap“:
Die Tablets sollten im Klassensaal so vernetzt sein, dass der betreffende Schüler bzw die Schülerin sich mit dem einmaligen Antippen des dazugehörigen Icons auf den Klassen-Beamer bzw den Projektor des Whiteboards aufschalten kann – vorausgesetzt, die anwesende Lehrkraft hat die Freigabe erteilt.

Mobilität

School-busEin Punkt, der bei dem Terra PAD von Wortmann offenbar keine Berücksichtigung fand, sind die Mobilitätsbedürfnisse von SchülerInnen. Dies reicht vom Sich-Zurechtfinden an außerschulischen Lernorten per GPS über Besuche bei MitschülerInnen mit bisher unbekanntem Wohnort bis hin zu größeren Reisen in selbstgewählten, öffentlichen Verkehrsmitteln, wofür es schon jetzt einige exzellente, kostenlose Apps gibt:

  • zB Google Maps mit GPS-Unterstützung
  • Geocaching-Apps wie zB c:geo
  • Öffi zum Auffinden von Fahrtverbindungen öffentlicher Verkehrsmittel
  • DB– bzw Fernbus-Apps mit der Möglichkeiten, zu den Fahrten auch gleich Fahrkarten zu buchen.

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Das Lernmanagementsystem

Das Lernmanagementsystem

Das Herzstück der Tablet-Software besteht jedoch in dem Online-Lernmanagementsystem (LMS), welches für die SchülerInnen in Form von mehreren Tablet-Apps in Erscheinung tritt. Diese werden weiter unten aufgeführt.

Zur Zeit gibt es ganz unterschiedliche, sehr leistungsfähige Lernmanagementsysteme, die sich ihrem Zuschnitt unterschieden. Die meisten simulieren Präsenzkurse und -Seminare an Universitäten und sind sehr stark inhalts- und lernzielorientiert.

Edmodo-Label von mrkimmi auf flickr, CC-BY-NC-SA
Edmodo-Label von mrkimmi auf flickr, CC BY-NC-SA

Ich empfehle für das Schülertablet ein anderes Konzept, das derzeit am besten von Edmodo verwirklicht wird. Bei Edmodo steht nicht das Erreichen von Kurszielen im Vordergrund, sondern der Lernweg des einzelnen Schülers, der von der Lehrkraft mit Hilfe des LMS begleitet und unterstützt wird. Dabei besitzt Edmodo eine ähnliche Benutzeroberfläche wie Facebook, was vielen SchülerInnen und Lehrkräften bekannt vorkommen dürfte, und zeichnet sich aus durch

  • die Möglichkeit, auf dem PC, auf Tablets und auf Smartphones (als App) zu laufen
  • ein Posting-System, das mit einer niedrigen Datenübermittlungsrate auskommt
  • einem guten Sicherheitskonzept, das nichtmündige SchülerInnen und ihre Eltern angemessen berücksichtigt
  • einem umfassenden Angebot an Erweiterungsmöglichkeiten (Lernspiele, Tutorials, Medien, usw)

Lehrkräfte können mit Edmodo ihr komplettes Schülermanagement abwickeln, von der Hausaufgabenstellung bis zur Benotung – allerdings nach amerikanischen Richtlinien.

Kurzum: Edmodo (oder ein nachgebautes System) müsste auf deutsche Verhältnisse hin optimiert und um- bzw. nachprogrammiert werden und natürlich auf deutschen Servern laufen, um auf Schülertablets eingesetzt zu werden.

Ein solches LMS würde sich zuallererst in der folgenden Tablet-App zeigen:

HomeworkHausaufgaben

In dieser App werden nicht nur Hausaufgabenaufträge übermittelt, sondern über diesen Kanal läuft auch die Kommunikation zwischen Lehrkraft, SchülerInnen und Eltern, nach dem Schema:

  • Die Lehrkraft kann sich an die SchülerInnen und Eltern wenden (zB beim Übermitteln von Hausaufgaben oder von Lernstoff für Klassenarbeiten)
  • Die Lehrkraft kann sich an die Lerngruppe (unter Ausschluss der Eltern) wenden.
  • Die Lehrkraft kann sich an einzelne SchülerInnen wenden.
  • Ein Schüler kann sich nur an die Lehrkraft wenden.

Durch eine solche Kommunikationsstruktur wird gesteigerte Transparenz erreicht: Die Lehrkraft leistet gegenüber SchülerInnen und Eltern Auftragsklärung bezüglich der zu erledingenden Aufgaben und des zu lernenden Stoffs für Tests. Die Eltern werden in die Pflicht genommen, sich um die Erledigung dieser Aufaben zu kümmern, da sie sie einsehen können. Umgekehrt müssen Lehrkräfte sich bei Tests an den vorher dokumentierten Lernstoff halten.
Außerdem erhalten SchülerInnen die Möglichkeit, sich bei Problemen bei der Lehrkraft zu erkundigen und sich individuell helfen zu lassen, auch abseits des Klassenraums und Stundenplans.

ScarfsSchulbücher und Arbeitsmaterialien

Die Möglichkeiten digitaler Kommunikation eröffnen ganz neue, interaktive Bildungsformate und Möglichkeiten der Kreativität. Solange das (analoge) Schulbuch noch der Maßstab aller Dinge ist, gibt es (wenn überhaupt im Fach Religion) zumeist nur die PDF-Entsprechungen der gedruckten Religionsbücher, vielleicht mit ein paar Links und Video-Einbettungen online zu lesen/bearbeiten. Sobald aber das Tablet zum Medium für Unterrichtsmaterialien werden sollte, wird sich dieser Zustand radikal ändern: Der Wettbewerb um den „Platz auf dem Tablet“ wird die Anbieter von kommerziellen und OER-Materialien dazu zwingen, vielfältige, interaktive, und hoffentlich auch hochklassige Materialien anzubieten.
Diese werden – wie das zB jetzt schon bei dem Material, welches von Planet Schule angeboten wird, möglich ist, direkt über Deeplinks von der Hausaufgaben-App aus aufrufbar sein.

AgendaPortfolio/Schulheft

Ein Satz, der jetzt noch vielen Lehrkräfte die Haare ergrauen lässt, wird der Vergangenheit angehören: „Ich weiß nicht, wo mein Heft ist“ – denn dieses wird nicht nur auf dem Tablet, sondern auch online gespeichert werden.
Und es genügt ein Heft für alle Schulfächer pro Schuljahr.
Wie so etwas aussehen kann, zeigen die derzeit führenden, geräteunabhängigen Online-Notizbuchanbieter wie Memonic, Evernote und Microsoft (OneNote). Für den Schulgebrauch verweise ich besonders auf OneNote. Mehr zu den Fähigkeiten von OneNote gibt es hier zu erfahren.

Was OneNote vor ähnlichen Programmen auszeichnet, ist seine übersichtliche, mehrschichtige Struktur. Es gibt Notizbücher, Kapitel und Seiten. So kann ein OneNote-„Heft“ zB für jedes Schulfach ein Notizbuch, für jedes Thema ein Kapitel und für jede Stunde eine Seite zuordnen. In diesen Notizbüchern kann man viele Arten von Medien unterbringen, sie mit anderen teilen, gemeinsam bearbeiten und (über den oben genannten Präsentationsmodus) vorführen.

Der Hauptnachteil des derzeitigen OneNote ist, dass die leistungsfähige Offlineversion ein Microsoft-Konto des Benutzers voraussetzt.
Ich bin nicht sicher, ob man dies bei einem Schülertablet selbstverständlich voraussetzen sollte.

TestTests

Dieser letzte Punkt sei zumindest erwähnt, weil er gewissermaßen die Krönung vieler Lernmanagementsysteme darstellt. Inwieweit sich reine Online-Tests jedoch im schulischen Alltag realisieren lassen (zB: Wie kann sichergestellt werden, dass wirklich der schwache Schüler XY ohne fremde Hilfe via Onlinetest ein so fantastisches Ergebnis erzielen konnte?), sei einmal dahingestellt.

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Das Arrangement, mit dem alle (mehr oder minder) glücklich sind

Das Projekt „Schülertablet“ ist eine kostspielige Angelegenheit, sollte aber so unkompliziert konzipiert und abgerechnet werden wie nur möglich.

Dies lässt sich über eine Art von Vereinbarung zwischen allen an der Herstellung und Bestückung des Schülertablets Beteiligten erzielen.
Wie so etwas aussehen kann, möchte ich am Ende dieses langen Artikels lediglich in Form einer grafischen Übesicht zeigen und einen Hinweis, anfügen.

schülertablet-Modell

Zur Zeit gibt es eine Art Vorläufer einer solchen Vereinbarung: Den Rahmenvertrag zwischen dem FWU und Microsoft. M.E. zeigt dieser Vertrag recht schön, wie es nicht laufen sollte: Dass nämlich ein mächtiges Software-Unternehmen Kooperation mit Landesinstituten schließt, damit es seine Bildungssoftware – bzw die Edu-Version seines Officepaketes in großer Anzahl verscherbeln kann.

Ich finde, dass Schülertablets nur dann eine Zukunft haben, wenn der Staat – und ich bezweifle, dass dies einzelne Bundesländer stemmen können – Orgaisationsleitung, Konzeption, Qualitätskontrolle und Finanzierung des Projekts fest im Griff hat; dass der Staat die Höhe der Flatrate (wenn es denn eine geben muss) vor allem sozialverträglich und bildungsfördernd festsetzt – und sich nicht zu faulen Kompromissen mit der Lobby der Verlage bzw Hersteller hinreißen lässt.

 

 

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